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ProtesteWas die Demokratie-Bewegung in Thailand antreibt

Anti-government protest in Thailand Anti-government protesters take to the streets in Bangkok on Oct. 14, 2020, reiterating their demand for political change and reform of the monarchy. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY  (www.imago-images.de)
Protest in Bangkok (www.imago-images.de)

Die thailändische Gesellschaft ist in Aufruhr. In der Hauptstadt Bangkok gehen seit Monaten Tausende Menschen auf die Straße. Sie fordern den Rücktritt der Regierung, Neuwahlen und Reformen - auch mit Blick auf die Monarchie.

Die Protestbewegung hat sich im März formiert. Sie wirft dem Ministerpräsidenten und früheren Militärkommandeur Prayut vor, er habe sich bei den Wahlen im vergangenen Jahr auf unfaire Weise im Amt bestätigen lassen. Gesetze seien geändert worden, um eine dem Militär nahestehende Partei zu begünstigen. 2014 kam Prayut mit einem Militärputsch an die Macht. Die Proteste nahmen eine unerwartete Wendung, als Studierende im August bei einer Kundgebung die Monarchie kritisierten und Reformen forderten. Vorwürfe Königstreuer, sie wollten die Monarchie abschaffen, weisen die Anführer der Protestbewegung zurück.

Königsfamilie hat wichtige Stellung in Thailand

Die thailändische Königsfamilie galt lange als unantastbar und als Säule der thailändischen Identität. Majestätsbeleidigung steht unter Strafe. Das Thema war in dem Land lange ein Tabu, vor allem während der Amtszeit des fast gottgleich verehrten Königs Bhumibol, der 2016 starb. Sein Sohn, König Maha Vajiralongkorn, lebt die meiste Zeit in Bayern. Wegen seines Lebensstils, der als verschwenderisch gilt, ist er weit weniger beliebt als sein Vater, hat aber auch noch viele Anhänger.

Unser Thailand-Korrespondent Holger Senzel sagt, dass der neue König mit seinem "bizarren Verhalten" die Monarchie regelrecht delegitimiert habe. Senzel geht davon aus, dass sich die Gegenbewegung weiter ausbreiten könnte.

Mitte Oktober kam es zu größeren Protesten vor allem in Bangkok. Teilweise setzte die Polizei Wasserwerfer gegen die Demonstrierenden ein. Medienberichten zufolge wurden mehr als 50 Aktivisten festgenommen, darunter auch Anon Nampa, der als wichtigster Kopf der Bewegung gilt. Er soll in die nördliche Stadt Chiang Mai gebracht worden sein.

Regierung verhängte Versammlungsverbot

Die Regierung hatte zuletzt nach einer Großdemonstration, bei der die Teilnehmer zum Regierungssitz marschiert waren und dort kampiert hatten, Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen verboten und mehrere Straßen sperren lassen. Wenn die Kundgebungen anhalten sollten, werde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, hieß es von offizieller Seite.

Diese Nachricht wurde am 17.10.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.