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StartseiteKultur heute"Jedes Haus muss sich fragen, ist alles zu Recht in meiner Sammlung"11.12.2020

Provenienzforschung in NRW"Jedes Haus muss sich fragen, ist alles zu Recht in meiner Sammlung"

Welche Bilder in deutschen Museen sind Beutekunst? Eine neue Provenienzforschungsstelle in NRW will bei der Aufklärung helfen. "Zweiundzwanzig Jahre nach dem Washingtoner Abkommen ist die Arbeit noch nicht geleistet", sagte NRW Kulturministerin Isabel Pfeiffer Poensgen im Dlf.

Isabel Pfeiffer-Poensgen im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen gestikuliert während eines Gesprächs. (imago-images / Udo Gottschalk)
NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen will die Provenienzforschung stärken (imago-images / Udo Gottschalk)
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In Nordrhein-Westfalen wird in Zusammenarbeit mit den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen Lippe eine Koordinationsstelle für Provenienzforschung eingerichtet. Das Zentrum mit Sitz in Bonn soll "alle Museen, alle Einrichtungen, die Kulturgut sammeln, aktiv beraten, wenn sie Bestände überprüfen", sagte NRW Kulturministerin Isabel Peiffer-Poensgen.

Die Einrichtung dieser Stelle sei keine Kritik am deutschen Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg, so Peiffer-Poengsen". "Mit dem Zentrum für Kulturgutverluste bin ich zu 100 Prozent einverstanden." Aber in NRW als größtem Bundesland sei noch viel Aufklärungs-und Betreuungsarbeit zu leisten.

Der Leiter der Provenienzforschung, Gilbert Lupfer, schaut am 13.08.2013 in der Bibliothek der Staatlichen Kunstsammlung im Residenzschloss in Dresden (Sachsen) in ein Buch. (dpa picture alliance / Ole Spata) (dpa picture alliance / Ole Spata)"Provenienzforschung steht auf der Kippe, wenn es knapp wird"
Die Provenienzforschung will Klarheit schaffen, wie viel geraubte Kunst in Archiven, Bibliotheken und Sammlungen schlummert. Diese Recherche kostet Zeit und Geld. Gilbert Lupfer vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste warnte im Dlf davor, in der Coronakrise den Rotstift anzusetzen.

Jeder muss seine Sammlung überprüfen

Zweiundzwanzig Jahre nach dem Washingtoner Abkommen, in dem sich Bund, Länder und Kommunen verpflichtet haben, Provenienzforschung zu betreiben, Archive zu öffnen und Suchenende zu unterstützten, ist "Provenienzforschung immer noch Pionierarbeit" heißt es im Gründungstext zur neuen Koordinierungsstelle NRW.

"Es ist die Betrachtung in der Fläche. Es gibt nicht nur die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Museum Ludwig in Köln oder eine Kunstsammlung in Düsseldorf, sondern es gibt auch viele kleine Häuser, die Bestände bekommen haben nach 33, die nie aufgeklärt worden sind." Es handele sich nicht immer nur um die großen Werke von Kirchner und anderen, sagte Pfeiffer-Poensgen.

"Jedes Haus, sei es auch noch so klein, muss sich einmal fragen, ist alles, was in meiner Sammlung ist, zu Recht in meiner Sammlung."

Hilfe bei Anträgen für Forschungsgelder

Das neue Zentrum soll bei der Forschung helfen, Kontakte vermitteln, Menschen zusammenbringen und auch bei dem Ausfüllen von Anträgen für Gelder zur Provenienzforschung beraten.

"Ich glaube, es gibt heute wenig Provenienzforschungsvorhaben, die an fehlenden Fördermitteln scheitern, da hat der Bund ja auch noch mal bei der Koordinierungsstelle in Magdeburg sehr nachgelegt, sondern darum, dass es auch eine ziemliche Herausforderung ist, so einen Antrag überhaupt zu stellen. Das soll unter anderem hier auch betreut werden."

Neben dem Arbeitsschwerpunkt NS-Raubgut wird sich die neue Stelle Kulturgutentziehungen in der Sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg sowie in der DDR widmen.

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