Sonntag, 15.09.2019
 
Seit 13:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteCorsoEin Rapper als Chance03.08.2019

Prozess gegen A$AP RockyEin Rapper als Chance

Der Rapper A$AP Rocky ist aus schwedischer Untersuchungshaft entlassen worden. Auch Donald Trump schaltete sich in den Prozess ein. Kritiker vermuten politisches Kalkül. Es geht um Stimmenfang in der afroamerikanischen Community. Unerwartete Verbindungen zwischen Trump und Hip-Hop gibt es trotzdem.

Axel Rahmlow im Kollegengespräch mit Anja Buchmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Musiker Asap Rocky mit in Falten gelegter Stirn (imago stock&people (60601191/ imago / Future Image))
Der Rapper A$AP Rocky (imago stock&people (60601191/ imago / Future Image))
Mehr zum Thema

Neues Album von Kanye West Zwischen Provokation und Progression

Neues Album von Drake Musik als digitales Lebensgefühl

Soundcloud-Rap-Künstler „Das Produkt einer Going-Live-Generation“

Der US-Rapper A$AP Rocky muss sich in Schweden wegen einer mutmaßlichen Schlägerei vor Gericht verantworten. Er und seine Begleiter sollen einen 19-Jährigen zusammengeschlagen haben. "Es war Notwehr", hat der Beschuldigte selber vor Gericht gesagt, und es gibt Handyvideos, die das nahelegen. Gestern war der letzte Verhandlungstag, jetzt muss das Gericht innerhalb von zwei Wochen ein Urteil fällen. Bis dahin kommt der Rapper aus der Untersuchungshaft frei.

Die Festnahme und der Prozess gegen A$AP Rocky haben auch deswegen so viel Aufmerksamkeit bekommen, weil viele Prominente sich für den Rapper einsetzen. Auch Präsident Donald Trump, der sogar mit dem schwedischen Ministerpräsidenten wegen einer Freilassung telefonierte.

Champion der Afroamerikaner

Eigentlich interessiere sich Donald Trump nicht für A$AP Rocky, sagte Axel Rahmlow. Der US-Präsident meinte sogar selbst, er habe vor der Festnahme des Rappers noch nicht von ihm gehört. Darüber hinaus habe er gerade erst den Wahlkreis eines afroamerikanischen Kongressabgeordneten als "rattenverseucht" bezeichnet und vier nicht-weißen Abgeordneten gesagt, sie sollen in ihre Heimatländer zurück gehen – "alle vier sind amerikanische Staatsbürgerinnen", sagte Rahmlow.

Dennoch sieht er sich "als Champion der Afroamerikaner". Trump habe zwei Argumente, mit denen er der afroamerikanischen Gemeinschaft begegne: "Zum einen gab es noch nie so eine niedrige Arbeitslosigkeit unter Afroamerikanern wie jetzt. Und: Ich, Donald Trump, habe die umfassendste Reform des Strafrechts seit Jahrzehnten hinbekommen." Die drakonischen Strafen für Drogenvergehen seien abgemildert worden. Vor der Gesetzesreform war es so, "dass schon der Handel mit weichen Drogen, zum Beispiel Cannabis, dafür gesorgt hat, dass junge Afroamerikaner zum Teil für Jahrzehnte im Gefängnis gelandet sind", so Rahmlow. Das habe die afroamerikanische Gemeinschaft sehr geprägt.

Trump erhoffe sich mehr Stimmen für seine Wiederwahl von der afroamerikanischen Community. "2016 hat er nur 8 Prozent der afroamerikanischen Stimmen bekommen", sagte der Musikjournalist im Dlf.

Trumps Vorliebe für schillernde Figuren

Sein Einsatz für A$AP Rocky sei aber auch einer Vorliebe für schillernde Figuren geschuldet, meinte Rahmlow. Der Rapper falle nicht nur musikalisch aus dem Rahmen, als er 2011 auf der Landkarte des Hip-Hop auftauchte, sondern auch durch einen ungewöhnlichen Kleidungsstil: "Rap aus New York war damals auserzählt und langweilig. A$AP Rocky hat vieles anders gemacht: Da gab es auf einmal rumpelige Beats, es gab auf einmal weniger Melodien, weniger Worte, die Stimmen waren verzerrt. A$AP Rocky sah und sieht auch anders aus, als man sich das von so einem typischen Hip-Hopper vorstellt. Der hatte auf einmal lange Designer-Mäntel, enge Jeans, und das hat auch die Szene modisch sehr geprägt."

Hinzu komme, dass "dieser Typ" noch eine ziemliche Diva sei und für Schlagzeilen sorgen könne. "Diese Schlägerei in Stockholm, das war auch nicht seine erste", erzählte Rahmlow.

"Das ist ein Mann, der ist für die Kameras gemacht, und ich glaube, Trump hofft darauf, dass A$AP Rocky, wenn er jetzt freikommen sollte, dann zurück in die USA kommt, dass er sich dann bei bedankt, dass er vielleicht direkt am Flughafen von Trump abgeholt werden kann. Und das sind die Bilder, die Trump will."

Allerdings sei A$AP Rocky höchstwahrscheinlich nicht der Typ dafür. "Ich würde Trump raten, sich nicht das letzte Album von A$AP Rocky anzuhören", sagte Rahmlow. Gleich im ersten Lied rappe Rocky, sein neuester Präsident sei ein Arschloch.

Trump war im Hip-Hop ein Sinnbild für Erfolg

Dennoch hatte Trump nicht immer so ein schlechtes Ansehen im Hip-Hop. Die Szene habe tatsächlich, seit Trump Politiker geworden ist, eine 180-Grad-Wende gemacht, so Rahmlow. Trump sei vor seiner Zeit als Politiker ein Sinnbild für Erfolg und Reichtum gewesen. "Da haben sich sehr viele Rapper gerne mit ihm verglichen, à la ‚Ich bin Hip-Hops Donald Trump’", sagte Rahmlow. Hip-Hop sei zudem auch immer von Angeberei geprägt gewesen. "Da kann man sich sofort Donald Trump auch vorstellen", so Rahmlow. Es gebe "auch etliche Lieder, die nach Donald Trump benannt worden sind, zum Beispiel hat der Rapper Mac Miller sich mal so selber in einem Lied gefeiert".

Auch Rapper Kanye West bezog sich positiv auf Trump und löste damit viel Aufregung aus. Allerdings habe er sich wieder schnell davon distanziert, so Rahmlow, weil einige konservative Afroamerikaner versuchten, ihn zu vereinnahmen. Der Promotion seines sich damals in der Entstehung befindenden Albums, habe diese Kontroverse zudem auch noch geholfen.

Konservative Afroamerikaner

Dennoch zeigt dieser Vorfall, dass es auch konservative Afroamerikaner gibt. Ob Trumps Unterstützung für A$AP Rocky ihm helfe, mehr Stimmen von der afroamerikanischen Community zu bekommen, sei allerdings zu bezweifeln. "Wenn man sich die Umfragen unter Afroamerikanern anschaut, es ist eigentlich immer so, dass mindestens 80 Prozent der Afroamerikaner sagen, ‚Trump ist kein guter Präsident und was Trump macht, ist rassistisch’", sagte Rahmlow. Im Gegensatz dazu sei der Anteil der Afroamerikaner sehr klein, die von sich behaupteten, Republikaner zu sein und Trump zu unterstützen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk