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PsychologieWer sich öffnet, gilt als stark

Nachdenklich und traurig blicken drei Frauen auf den Boden. (imago stock&people / Mary Anne Smith)
Die eigene Verletzlichkeit offenbaren - andere Menschen nehmen dies oft völlig anders wahr als man selbst. (imago stock&people / Mary Anne Smith)

Wer sich anderen Menschen gegenüber öffnet, wird als stark wahrgenommen.

Fehler zugeben, um Hilfe fragen, Vorsingen oder jemandem sagen, dass man ihn mag: Das sind nur ein paar Beispiele von Situationen, in denen man seine Verletzlichkeit offenbart. Was einem selbst zum Horrortrip geraten kann, wird von anderen aber meist ganz anders wahrgenommen, wie Psychologen der Uni Mannheim zeigen konnten. Sie ließen ihre Probanden unterschiedliche Szenarien durchleben und bewerten. Dabei fiel das Urteil aus der Ich-Perspektive durchweg schlechter aus, als wenn sie das Verhalten als Beobachter einschätzten.

In einem weiteren Experiment bestätigte sich das auch in der Praxis: Bei improvisierten Vorsingen vor einer Jury zeigte sich ebenfalls die in der Theorie beobachtete Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Die Forscher erklären das mit der sogenannten Construal Level Theory. Wenn man sich andere in einer verletzlichen Situation vorstellt, tut man das auf einem höheren Abstraktionsniveau – und da ist es gar nicht so einfach, sich ein negatives Ergebnis vor Augen zu holen. Stellt man sich dagegen vor, selbst in einer ähnlichen Lage zu sein, werden die Vorstellungen – und die Ängste – konkret und der Fokus verschiebt sich auf all das Negative, was passieren könnte.

Nachzulesen ist die Studie im Journal of Personality and Social Psychology.