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Psychologin zu Linkshändigkeit"Umschulung ist Eingriff ins Gehirn"

Die Hand einer Frau mit Kugelschreiber setzt ein Ausrufezeichen hinter den Satz: "Ich schreibe mit links". (dpa / picture alliance / Hans-Jürgen Wiedl)
Die Hand einer Linkshänderin. (dpa / picture alliance / Hans-Jürgen Wiedl)

Wenn Linkshänder auf rechts umgeschult werden, kann das lanfristig zu Konzentrationsstörungen, feinmotorischen oder sogar psychischen Problemen führen, erläutert die Psychologin Johanna Sattler im Dlf. Dennoch rät sie davon ab, einfach wieder mit links zu schreiben. Besser sei es, sich vorher professionell beraten zu lassen.

Die Umschulung der Händigkeit sei ein Eingriff in das Gehirn, der sich im Leben weiter auswirke. So liefen "die falschen Reaktionen im Gehirn" auch bei den Erwachsenen: "Also das können sie nicht einfach wirklich umswitchen, sondern die dominante Gehirnhälfte möchte nach wie vor reagieren, und deswegen, so erklärt man sich das heute, gibt es nach wie vor Umschulungsfolgen auch bei Erwachsenen."

Auswirkungen von Umschulungen

Sie unterscheide zwischen den Primärfolgen, also den Folgen, die zuerst auftreten wie etwa Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, manchmal auch Lese- und Rechtsschreibschwierigkeiten und feinmotorische Probleme. "Die Intelligenz wird dabei nicht reduziert, aber die Manifestation der Intelligenz", erklärt die Psychologin. Das heiße, der Mensch könne "die Sachen durchaus denken, aber er bringt so nicht so rüber, im Schriftlichen wie im Mündlichen, wie er sie eigentlich im Kopf hat". Aus diesen Primärfolgen könnten dann Sekundärfolgen im psychischen Bereich entstehen. Johanna Sattler spricht in diesem Zusammenhang von "Knoten" oder einem "Wackelkontakt" im Gehirn der einen unsicher mache - wenn man etwa eine Antwort kenne und sich dessen auch bewusst sei, die Worte aber im entscheidenden Moment plötzlich "wie verschwunden" im Gehirn seien.

Rat an die Betroffenen

Erwachsene sollten nun aber nicht einfach anfangen mit links zu schreiben. Vielmehr müsse man langsam an das Thema rangehen, rät die Expertin. "Man sollte eigentlich erst eine fachkompetente Beratung bei einem Linkshänder-Berater oder -Beraterin in Anspruch nehmen, um darüber nachzudenken und Rückmeldung zu bekommen, ob das in der jeweiligen Situation überhaupt sinnvoll ist. Wenn jemand viele andere Probleme hat, in seiner Familie zum Beispiel oder gesundheitlicher Art, dann ist es nicht immer angebracht, den Menschen auch noch zurückzuschulen. Das kann zu viel sein." Sattler empfiehlt daher erst mal ein Beratungsgespräch. Außerdem müsse auch eine "gute grafomotorische Fähigkeit" vorhanden sein, also dass auch die linke Hand fähig ist, doch noch einiges zu zeichnen, zu kritzeln und dann schließlich das Schreiben zu übernehmen.