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StartseiteInterviewWarum Nachfolger scheitern16.02.2020

Publizist Wolf LotterWarum Nachfolger scheitern

Dass Übergänge auf Nachfolger - sei es in Politik, Sport oder Kultur - so oft scheitern, liegt nach Ansicht des Journalisten Wolf Lotter an dem Kontinuitätsbedürfnis der Mächtigen. Die Mächtigen hätten Angst vor einer vermeintlichen Ohnmacht, sagte Lotter im Dlf.

Wolf Lotter im Gespräch mit Anja Reinhardt

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l), und Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesministerin der Verteidigung und CDU-Vorsitzende sitzen nebeneinander. (dpa / picture alliance / Christoph Soeder)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) hatte Annegret Kramp-Karrenbauer als ihre Kandidatin an der Spitze der Union auserkoren (dpa / picture alliance / Christoph Soeder)
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Die zurückliegende Woche begann mit einem Paukenschlag: der angekündigte Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer vom Vorsitz der CDU und ihr Verzicht auf eine mögliche Kanzlerkandidatur. Damit hat sie nicht nur eine Führungskrise in ihrer Partei ausgelöst, sondern auch klar gemacht, dass die geplante Merkel-Nachfolge gescheitert ist. Dabei hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Nachfolge selbst in die Hand genommen, Annegret Kramp-Karrenbauer war ja ihre Kandidatin.

Annegret Kramp-Karrenbauer geht im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Parteizentrale, vor einer gelben Wand entlang (picture alliance/Gregor Fischer/dpa) (picture alliance/Gregor Fischer/dpa)Geplatzte Träume in der CDU 
Angela Merkel habe mit Annegret Kramp-Karrenbauer auf die falsche Nachfolgerin gesetzt, kommentiert Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur der "Augsburger Allgemeinen". Doch dass die männliche Kandidatenriege es jetzt richten könne, sei fraglich.

Das sei das klassische Kronprinzessinnenproblem, welches wir schon seit Jahrhunderten hätten, sagt der Journalist Wolf Lotter, Mitgründer der Zeitschrift "brand eins" und Buchautor, im Dlf zu der gescheiterten Nachfolgeregelung. Es sei der Versuch, eine Kontinuität zu erzeugen, die gar nicht nachgefragt werde.

Lotter erklärt: "Unser gesellschaftlich-kulturelles System baut auf der Vorstellung auf, dass die, die Macht haben, selber frei entscheiden können. Und deshalb werden wir ungern ohnmächtig. Das gilt für alle." Macht sei anstrengend, man müsse sich ständig mit etwas auseinandersetzen. Sei es mit Intrigen, sei es mit Leuten, die einem die Macht abknöpfen wollten.

Mehr Leute zu Entscheidern machen

Macht sei aber auch die Möglichkeit, zu entscheiden. "Und wenn wir nicht mal etwas an diesem Grundeffekt unseres Denkens ändern und viel mehr Leute zu Entscheidern machen, haben wir das Problem, dass Leute sich nicht von ihrer Macht trennen wollen. Weil diese sich sagen, wenn ich das tue, bin ich ohnmächtig, und die anderen gewinnen". Dieses falsche Denken führe zu unkooperativem Verhalten.

Es sei übrigens ein Irrglaube, so Lotter, dass jemand anders das eigene Werk so fortführen könne wie man selbst.

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