Putsch im Sudan Die alte skrupellose Garde ist zurück im Regierungspalast

Die Generäle im Sudan haben nicht geputscht, um die Nation zu retten, sondern die eigenen Pfründe, kommentiert Martin Durm. Die Übergangsregierung unter Ministerpräsident Abdallah Hamdok habe nicht so erfolglos agiert, wie seine Gegner behaupten. Auch einigen Staaten kommt der Putsch entgegen.

Ein Kommentar von Martin Durm | 26.10.2021

Abdel-Fattah Al-Burhan spricht während der Zeremonie zur Unterzeichnung der der politischen und verfassungsrechtlichen Erklärung für den Sudan 2019
Neuer Machthaber im Sudan: General Abdel-Fattah Al-Burhan (imago/Xinhua/Mohamed Khidir)
Es gibt manchmal seltsame Koinzidenzen in der arabischen Welt. Ereignisse, die zusammenfallen und sich wie zufällig überschneiden. So hat in Khartum General Abdel Fattah al-Burhan den Ausnahmezustand über den Sudan verhängt. Nur wenige Stunden später hat in Kairo Präsident Abdel Fattah al-Sisi den Ausnahmezustand für Ägypten für beendet erklärt.
Menschen tragen einen Verletzten über eine Straße.
Militärputsch im Sudan - Zurück in dunkle Zeiten
Nach der Revolution 2019 war der Sudan auf einem guten Weg, was Menschenrechte und Pressefreiheit angeht. "Man hat die Freiheit gespürt, die Journalisten und Bloggern gegeben war", sagt Korrespondent Martin Durm. Durch den aktuellen Militärputsch drohe der Sudan in dunkle Zeiten zurückzufallen.
Zufall oder nicht, das im Nachbarland Sudan die Übergangsregierung soeben weggeputscht wurde und mit ihr die Hoffnung auf freie Wahlen, eine zivile Regierung, eine demokratische Entwicklung des Landes, das ist eine gute Nachricht für Ägyptens Regime. Denn nichts wäre den Machthabern am unteren Nil so bedrohlich gewesen wie eine erfolgreiche Revolution am oberen Nil. Die Sudanesen hätten den Ägypter nämlich vor Augen geführt, dass sich die Verhältnisse eben doch ändern lassen in der arabischen Welt.

Es ging darum, Macht und Privilegien zu sichern

Das hat sich durch den Putsch im Sudan nun fürs Erste erledigt. Den Generälen im ägyptischen Militär dürfte es leicht fallen, sich mit den Kameraden in Khartum zu identifizieren. Ähnlich wie 2013 in Kairo heißt es jetzt in Khartum, es gehe darum, die Errungenschaften der Revolution und die Stabilität des Landes zu sichern. Ähnlich wie 2013 in Kairo, heißt es, andernfalls habe das Chaos gedroht. Und ähnlich wie 2013 in Kairo geht es in Wahrheit darum, Macht und Privilegien zu sichern. Sudans marode Wirtschaft wird, auch das eine Parallele zu Ägypten, in weiten Teilen vom Militär kontrolliert.
Ölförderung, Getreidemühlen, Bauunternehmen, Mobilfunk, der Import von Elektronik werden über die sogenannte Military Industry Corporation verwaltet und der Profit in die Taschen der militärischen Elite geschleust. Das war bedroht, hätte es im kommenden Jahr, wie vereinbart, freie Wahlen und 2023 dann eine rein zivile Regierung gegeben. Deshalb haben die Generäle geputscht, nicht um die Nation zu retten, sondern die eigenen Pfründe.

Eine korrupte, skrupellose Clique von Generälen

Sudans Übergangsregierung unter Ministerpräsident Abdallah Hamdok agierte längst nicht so erfolglos, wie es ihm seine Gegner jetzt unterstellen. Die sudanesische Gesellschaft hat sich seit 2019 auf erstaunliche Weise geöffnet. Die Scharia wurde abgeschafft, Religionsfreiheit gewährt. Es gab freie Medien, Gewerkschaften, die Rolle der Frauen wurde gestärkt. Es droht nun der Rücksturz in finstere Zeiten.
Ministerpräsident Hamdok und die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung wurden verschleppt. In Khartums Regierungspalast kehrt die alte Garde zurück eine korrupte, skrupellose Clique von Generälen, die vor der Revolution 2019, dem gestürzten Diktator Baschir zu Diensten waren. Sie führten schier endlose Kriege im Südsudan und in Darfur, haben Menschenrechte mit Füßen getreten, werden es auch jetzt wieder tun. Den autoritären Golfstaaten und Ägypten kommt das sudanesische Militärputsch entgegen. Der Rest der Welt sollte ihn ächten.