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StartseiteVerbrauchertippVerkehrsgefährdung oder Fun-Sport?14.09.2018

Quads-FahrzeugeVerkehrsgefährdung oder Fun-Sport?

Quads sind Fahrzeuge mit Vierrädern, die viel im Gelände oder in der Wüste verwendet werden. Hierzulande gelten sie als Spaßfahrzeuge. Doch Experten warnen: Das Quad vereine alle Nachteile von Autos und Motorrädern in einem Fahrzeug.

Ann-Kathrin Stracke

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July 6, 2018 Polnischer Bademeister Adam Szawlinski an der Ostsee im Juli 2018 (imago / Michal Fludra)
Für Wüste oder Strand gut geeignet: Bademeister Adam Szawlinski mit einem Quad-Fahrzeug an der Ostsee im Juli 2018 (imago / Michal Fludra)
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Andreas Schoof fährt seit fünf Jahren Quad, am liebsten im Gelände, doch häufig ist er mit diesem Fahrzeug auch auf der Straße unterwegs. Für ihn liegt die Herausforderung vor allem darin, das Quad richtig auf der Straße zu halten. Es lenke sich nicht wie ein Auto und drohe vor allem in Kurven auszubrechen.

"Ich muss durch Gewichtsverlagerungen entgegen steuern, das heißt wenn ich mit dem Fahrzeug um die Kurve fahren will, muss ich mein Gewicht einsetzen, zum Beispiel, wenn ich in eine Linkskurve fahre, kommt das linke Rad gerne nach oben, das heißt ich bewege mich zum Kurvenäußeren und dementsprechend muss ich mit dem Gewicht entgegensteuern."

Quads im Straßenverkehr können gefährlich sein

Das birgt Risiken: Beherrscht der Fahrer das Quad in diesem Moment nicht richtig, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Kurve fliegen. Andreas Schoof ist sich des Risikos bewusst. Der Rheinländer fährt seit über 30 Jahren Motorrad, mit und ohne Beiwagen, und kann durch seine Erfahrung und sein Wissen das Quad auch im Straßenverkehr gut kontrollieren.

Viele allerdings unterschätzten die Gefahr von Quads im Straßenverkehr, betont Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung im Gesamtverband der Deutschen Versicherer. Er beschäftigt sich von Berufswegen viel mit Statistiken und weist daraufhin, dass rund 85 Prozent der Unfälle, in die Quads verwickelt sind, von den Quadfahrern selbst verschuldet wurden.

"Das Risiko verletzt oder getötet zu werden ist zehn Mal höher als im PKW, das heißt, wer sich auf ein Quad setzt, muss sich mindestens mal dessen bewusst sein. Wer eins besitzt und regelmäßig damit fährt, kommt damit klar, aber für alle anderen ist das erst mal eine Nachricht, die ihnen zu denken geben sollte."

Sehr häufig passierten diese Unfälle in Kurven, weil die Fahrer die Fliehkräfte dort am ehesten unterschätzten. Zudem vereine das Quad alle Nachteile von Autos und Motorrädern in einem Fahrzeug, warnt Brockmann:

"Man sitzt im Freien, ungeschützt, man hat keine Knautschzone, wenn es knallt. Auf der anderen Seite hat man aber nicht die Möglichkeit, kurvenoptimal zu fahren, weil man ein zweispuriges Fahrzeug ist."

Führerschein für Quadfahrer?

Welchen Führerschein Quadfahrer benötigen, hängt davon ab, wie schnell das Quad fährt: kann es maximal 45 Kilometer pro Stunde fahren, hat es ein Versicherungskennzeichen und ein Mopedführerschein ist ausreichend, um es zu steuern. Fährt es allerdings schneller, braucht der Fahrer einen Autoführerschein.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Deutschen Versicherer, fordert einen Führerschein für Quadfahrer. Das sei Quatsch, findet Andreas Schoof, der seit Jahren Quad fährt.

"Als Alternative für die Leute, die keinen Motorradführerschein machen wollen, halte ich das Quad für eine recht gute Alternative, um mal damit Spaß zu haben."

Sein Tipp: Jeder, der ein Quad fahren möchte, sollte sich an einem Training beteiligen oder auf einem leeren Parkplatz ein paar Runden fahren, bevor er das Quad im Straßenverkehr nutzt. Siegfried Brockmann geht einen Schritt weiter: Eine Einweisung vom Händler müsste verpflichtend sein.

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