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StartseiteRock et ceteraGrößtenteils auf Autopilot04.11.2018

Queen-BiopicGrößtenteils auf Autopilot

Vor ziemlich genau 27 Jahren starb Queen-Sänger Freddy Mercury. Seine Band machte weiter, und jetzt kann man Queen auch im Kino sehen. Der Film "Bohemian Rhapsody" ist eine Biografie der Band. Eine ziemlich klischeehafte, meint unser Kritiker.

Von Kai Löffler

Szene aus "Bohemian Rhapsody"  (© 2018 Twentieth Century Fox)
Szene aus "Bohemian Rhapsody" - Freddie Mercury (Rami Malek) (© 2018 Twentieth Century Fox)

Das Queen-Biopic "Bohemian Rhapsody" beginnt - und endet - mit dem Auftritt der Band bei Live Aid, 1985. Freddy Mercury hat gerade der Band mitgeteilt, dass er Aids hat, und nach dem Motto "jetzt erst Recht" stürmt die Band auf die Bühne. Daraufhin klingeln die Spendentelefone und Queen haben quasi im Alleingang Afrika gerettet. Das ist zwar Unsinn - der größte Teil der Spenden kam durch das amerikanische Konzert rein und Freddy Mercury hat erst zwei Jahre nach Live Aid erfahren, dass er krank ist - aber an solchen lästigen Details stört sich der Film nicht.

Musik: Death on two Legs

Die Handlung konzentriert sich auf Queens goldene Jahre, also Mitte der 70er bis 1985. Der Protagonist ist eindeutig Freddy Mercury, von Mr Robot -tar Rami Malik mit viel Persönlichkeit gespielt. Sein Mercury ist vor allem ein sozial unbeholfener Sonderling, der auf der Bühne aufblüht. Aber trotz des spektakulären Gebisses sieht Malik dem echten Mercury nicht wirklich ähnlich und schafft es auch nicht, dessen Energie elektrisches Charisma einzufangen. Schauspielerisch ist Malik trotzdem das Beste am Film.

"Was ist hier los?

Wärst du pünktlich, wüsstest du's.

Ich möchte den Zuschauern einen Song geben, den sie selbst performen.

Und was können sie machen?

Stell dir mal vor... tausende von Menschen, die das im Gleichklang machen.

Wie lautet der Text?"

Während der Probe hat Gitarrist Brian May eine zündende Idee, die führt zu einem kleinen Streitgespräch, dann probiert die Band die Idee aus und plötzlich sind wir im Konzertsaal, wo ein riesiges Publikum begeistert mitsingt. Eine solche Sequenz ist das ultimative Musik-Biopic-Klischee aus der Mottenkiste, und in diese Kiste greift "Bohemian Rhapsody" immer und immer wieder; hinter jedem Song steht eine lustige Anekdote und jede schrullige Idee wird ein Hit.

"Und jetzt was?

An der Stelle wechseln wir dann in den opernhaften Teil.

Ah, der opernhafte Teil, klar."

Leblose Playback-Einlage

So hangelt sich der Film von Song zu Song und spielt viel Musik ohne wirklich etwas darüber auszusagen. "Bohemian Rhapsody" interessiert sich nicht für Brian Mays ungewöhnlichen Gitarrensound, Mercurys Gesangsstil oder irgendwelche musikalischen Einflüsse. Denn das Fundament von Queens Musik sind offenbar lustige Ideen aus dem Proberaum und die Erkenntnis, dass "A Night at the Opera" so heißt, weil die Musik "irgendwie nach Oper klingt". Dass das Album eigentlich nach dem gleichnamigen Marx Brothers Film benannt wurde, den die Band während der Aufnahmen gesehen hat, bleibt unerwähnt. Vielleicht dachten die Produzenten, das Zielpublikum kennt die Marx Brothers sowieso nicht. Leider auch passend: Der große Showdown ist eine fast 20 Minütige, leblose Playback-Einlage.  

"Bohemian Rhapsody" inszeniert Mercurys Kampf mit seinen Dämonenwie ein generisches, hundertmal gesehenes Fernsehdrama. Vor allem seine Probleme mit seiner eigenen Sexualität, die er sich selbst, seinen Eltern, der Band und seiner Frau eingestehen muss. An der Message - jeder Mensch verdient Akzeptanz - ist nichts auszusetzen. Wohl aber daran, dass die Figuren immer einen cleveren Spruch auf den Lippen haben und sich dabei so authentisch benehmen wie in der Waschmittel-Reklame.

"Das geht ja ewig, scheiß sechs Minuten.

Deine Arme Frau, wenn du glaubst, sechs Minuten sind ewig."

Vom Studio gefeuert

Regisseur Bryan Singer hatte seine eigenen Dämonen, erschien irgendwann nicht mehr zum Dreh und wurde vom Studio gefeuert. Sein Ersatz Dexter Fletcher konnte aus "Bohemian Rhapsody" zwar keinen guten oder inspirierten Film machen - das gibt das Drehbuch einfach nicht her - knüpft aber so nahtlos an Singers Arbeit an, dass man nicht merkt wo ein Regisseur aufhört und der andere anfängt.

"Die Show hat mir gefallen. Außerdem schreibe ich Songs.

Unser Lead Sänger ist ausgestiegen.

Das heißt, ihr braucht 'nen Neuen."

Und das ist nicht alles schlecht: Die Bühnenszenen sind gut gefilmt, die Besetzung gibt sich redlich Mühe, vor allem Rami Malik als Freddy Mercury, und Schauspieler Gwylm Lee ist ein perfekter Doppelgänger des jungen Brian May.

"Kannst du noch höher?

Wenn ich noch höher singe, können nur noch Hunde mich hören.

Versuchs. Höher!

Großer Gott, wieviele "Galileos" willst du noch?

Nochmal, nochmal. Eins noch."

Schade dass all das verschwendet ist in einem Film, der zwar handwerklich solide gemacht ist, aber größtenteils auf Autopilot läuft, Klischees aneinanderreiht und die Musik von Queen - einer der erfolgreichsten Mainstream-Bands aller Zeiten - als coolen, schrägen Geheimtipp für Außenseiter darstellt.

Is this the real life? Eher nicht.

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