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StartseiteCampus & KarriereQuennet-Thielen: HIS hat technische Anforderungen nicht richtig eingeschätzt09.01.2012

Quennet-Thielen: HIS hat technische Anforderungen nicht richtig eingeschätzt

Bund plant Verkauf der IT-Sparte von HIS

Cornelia Quennet-Thielen sagt, dass die Software des Hochschul-Inforamtions-Systems (HIS) "nicht auf so einem aktuellen Stand ist". Das sei ein Grund, so die Staatssekreätrin des Bildungsministeriums, warum das neue Hochschulzulassungssystem bisher angeschlossen werden konnte.

Cornelia Quennet-Thielen im Gespräch mit Manfred Götzke

Das Chaos beim Start von "hochschulstart.de" hält an. (picture alliance / dpa /ZB)
Das Chaos beim Start von "hochschulstart.de" hält an. (picture alliance / dpa /ZB)
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Hochschulstart ist "schon ein sehr komplexes Verfahren"

Manfred Götzke: Ich bin jetzt mit der Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, Cornelia Quennet-Thielen, verbunden. Guten Tag!

Cornelia Quennet-Thielen: Guten Tag, Herr Götzke!

Götzke: Frau Quennet-Thielen, Ihr Ministerium macht die staatseigene Firma Hochschulinformationssystem für das andauernde Bewerbungschaos verantwortlich. Wird die HIS deswegen nun abgewrackt?

Quennet-Thielen: Das werden wir noch sehen. Die HIS ist ein wichtiger Akteur in diesem ganzen Geschäft und hat mit vielen Problemen zu kämpfen gehabt in den letzten zwei Jahren. Und deshalb hat der Aufsichtsrat der HIS, in dem der Bund einer von 17 Gesellschaftern ist – das andere sind die 16 Bundesländer –, gesagt: Wir müssen diesen Teil der HIS evaluieren. Und dann werden wir sehen, was die Zukunft für die HIS ist.

Götzke: Es könnte also nun sein, dass einige Monate vor der Bewerbungsphase das Unternehmen gewechselt wird. Was versprechen Sie sich davon?

Quennet-Thielen: Nun, das Verfahren wird ja insgesamt betrieben von der Stiftung für Hochschulzulassung, die für das dialogorientierte Serviceverfahren nach der Vereinbarung zwischen den Bundesländern zuständig ist. Und HIS ist ein Provider für Hochschul-IT-Systeme, aber nicht der einzige. Und auch wenn HIS als eine Option, die auf dem Tisch liegt, privatisiert würde, bleibt der entsprechende Unternehmensteil ja dann weiterhin am Markt.

Götzke: Aber was versprechen Sie sich jetzt konkret davon, dass so kurz vor der Bewerbungsphase das Unternehmen gewechselt wird? Man kann doch dann befürchten, dass das Chaos nur noch größer wird als jetzt schon.

Quennet-Thielen: Nein, ich glaube, es ist sinnvoll, wenn irgendwo die Dinge nicht ganz perfekt funktionieren, dass man dann einfach einmal sehr genau analysiert, was der Hintergrund für die Probleme ist und ob wir hier auf der Seite der HIS wirklich das beste und klügste Geschäftsmodell entsprechend haben. Das hindert ja weder die Hochschulen noch die Länder daran, weiterhin an dieser Anbindung zu arbeiten – das tut die HIS auch –, und so kurzfristig würde ein solcher Wechsel ohnehin nicht stattfinden können.

Götzke: Was hat das Unternehmen denn aus Ihrer Sicht falsch gemacht?

Quennet-Thielen: Nun, HIS hat eingebunden, wie es war, von allem Anfang an in die Entwicklung dieses neuen Systems, glaube ich, nicht hinreichend eingeschätzt, dass die Software, die es selber an die Hochschulen seit vielen Jahren liefert, nicht auf einem so aktuellen Stand ist, dass es an das gemeinsam konzipierte neue System wirklich jeweils angeschlossen werden kann.

Götzke: Das liegt aber auch daran, dass die Hochschulen neuere Versionen der Software nicht kaufen wollen, nicht kaufen können, weil das Geld fehlt.

Quennet-Thielen: Nun, die Länder haben den Hochschulen zugesagt, dass sie die Finanzierung für den Anschluss an das DoSV übernehmen, und von daher müssen sich die Hochschulen auch dringlich an diese Arbeit machen.

Götzke: Frau Quennet-Thielen, bei hochschulstart.de geht es ja nicht um die Entwicklung eines Teilchenbeschleunigers, sondern ein Online-Portal, das Bewerbungen koordiniert. Können Sie uns mal erklären, warum das so kompliziert ist und immer noch nicht funktioniert?

Quennet-Thielen: Na ja, ich glaube, dass das relativ einsichtig ist. Wenn Sie sich vorstellen, dass wir über 500.000 Studienanfänger im Jahr 2011 haben, und diese halbe Million von Studienanfängern hat nun Bewerbungen gemacht bei ganz vielen Hochschulen. Wenn Sie alles dieses in ein System packen wollen, wo dann zentral sozusagen verglichen, abgeglichen wird, wo rückgemeldet werden muss, wenn einem Studierenden ein Platz angeboten wurde und der auch entsprechend genommen wurde und dieses wiederum zurückgekoppelt werden muss, dann wird, glaube ich, schon deutlich, dass das ein wirklich hochkomplexes technisches System ist. Und wir wissen aus vielfältigen Erfahrungen, dass es eben manchmal doch ein bisschen dauert, bis man solche neuen, hochkomplexen Systeme ans Arbeiten bekommt.

Götzke: Und es dauert offenbar noch viel länger, als man ursprünglich gedacht hat. Wer ist schuld am Chaos rund um hochschulstart.de? Dazu habe ich gesprochen mit Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium. Vielen Dank für das Gespräch!

Quennet-Thielen: Ich danke Ihnen, Herr Götzke!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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