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StartseiteKommentare und Themen der WocheHerkulesaufgabe für Vorstandschef Sewing07.07.2019

Radikaler Umbau bei Deutscher Bank Herkulesaufgabe für Vorstandschef Sewing

Die radikalen Maßnahmen, mit denen Vorstandschef Christian Sewing die Deutsche Bank zukunftsfähig machen will, sind ein großer Wurf und allemal notwendig, kommentiert Mischa Ehrhardt. Die eigentliche Herkulesaufgabe für Sewing besteht jedoch darin, das Vertrauen in die Bank wiederzugewinnen.

Von Mischa Ehrhardt

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Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle (picture allliance/dpa/Arne Dedert)
Effizienz steigern und Vertrauen zurückgewinnen - das sind die Aufgaben, die Christian Sewing in den kommenden Jahren bewältigen muss (picture allliance/dpa/Arne Dedert)
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Die "harten Einschnitte", von denen Deutsche Bank Chef Christian Sewing bereits vor einigen Wochen sprach, sind nun beschlossene Sache. Mit ihnen will die Deutsche Bank sich wieder einigermaßen stabilisieren. Das ist möglich - denn in der Tat sind die Maßnahmen radikal.

Ein hoher Preis für die Zukunft

Ein Fünftel der Belegschaft soll den Umbauplänen zum Opfer fallen. Das ist die Folge der hohen Kosten, die die Bank für jeden Euro, den sie verdient, aufwenden muss. Natürlich ist der Personalaufwand dabei der Posten, an dem die Kosten am effektivsten senkbar sind. Aber sie bedeuten sozial und gesellschaftlich eben hohe Arbeitsplatzverluste.

Dabei ist es immerhin ein wenig tröstlich, dass Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter offenbar mitziehen. Sie sehen lieber ein Ende des Schreckens als ein Schrecken ohne Ende, schauen lieber jetzt in den dunklen Abgrund, damit die Jobs die hinterher noch übrig sind, in einer zukunftsfähigen Bank gesichert sind. Doch der Preis hierfür ist hoch.

Insgesamt ein großer Wurf

Deswegen stellt sich die Frage, wie zukunftsfähig das nun beschlossene Modell ist? Fest steht: Hier wird mit allen Mitteln versucht, die Kosten in den Griff zu bekommen. Deswegen wird die Bilanz geschrumpft, werden Geschäfte in einer internen Bad Bank verschlossen, um wieder mehr Spielraum zu haben.

Das alles ist insgesamt ein großer Wurf, notwendig ist er allemal. Und dass das Investmentbanking dabei in einigen Teilen zur Disposition steht, ist folgerichtig: Es hat in der jüngsten Vergangenheit der Bank vor allem der Probleme eingebracht: Strafen in Milliardenhöhe wegen Betruges, Zinsmanipulationen und andere fragliche Geschäfte gehen alle auf das Konto der Investmentbanker, und sie haben erheblich dazu beigetragen, die Deutsche Bank überhaupt in Schieflage zu bringen.

Kulturwandel muss endlich umgesetzt werden

Den berühmten "ehrbaren Kaufmann" vermutet nach dieser Vergangenheit kaum mehr jemand in dem Geldhaus. Deswegen muss man dem Plan und Christian Sewing soweit Vorschusslorbeeren geben. Allerdings muss zur Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen in den Plan noch eines hinzukommen: Den lange gepriesenen Kulturwandel in dem Haus ebenso radikal umzusetzen, wie nun alles Übrige.

Zur Krisenlage der Bank passt dabei eben nicht, dass Topmanager im vergangene Jahr noch fast 2 Milliarden Euro an Boni kassiert haben, während die Aktionäre mit knapp einem Zehntel der Summe abgespeist wurden. Und wenn immer wieder neue mutmaßliche Vergehen auch in neuere Zeit ans Licht kommen, ist die Sache mit dem Kulturwandel unglaubwürdig. Es braucht ihn aber sehr dringend.

Vertrauen noch wichtiger als Effizienz

Denn bei aller Effizienz ist im Bankgeschäft eines noch viel wichtiger: Vertrauen. Das wiederzugewinnen ist die kaum bezifferbare Herkulesaufgabe von Christian Sewing in den kommenden drei Jahren – während des angekündigten historischen Wandels der Deutschen Bank.

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