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StartseiteMarkt und MedienRadio Free Europe in Turkmenistan: im Visier der staatlichen Zensur28.06.2008

Radio Free Europe in Turkmenistan: im Visier der staatlichen Zensur

Wer den Sender hört oder unterstützt, riskiert Folter

Ein Teilnehmer einer Radio-Diskussionsrunde wurde jüngst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und laut seiner Ehefrau gefoltert. Er solle nicht mehr mit dem Sender zusammenarbeiten. Noch immer sendet Radio Free Europe in 21 Länder, hauptsächlich nach Osteuropa und Zentralasien. Turkmenistan scheint jedoch einen journalistischen Rückfall in die Zeit Stalins zu erleben.

Von Dieter Wulf

Radio Free Europe: im Visier turkmenischer Behörden (Deutschlandradio)
Radio Free Europe: im Visier turkmenischer Behörden (Deutschlandradio)

Für Turkmenistan werden täglich sechs Stunden Programm erstellt. Da dort ansonsten keinerlei Pressefreiheit herrscht, ein extrem wichtiges Angebot, betont Ogul Jamal Yazliyeva, die Leiterin des Turkmenischen Programms von Radio Free Europe:

"Dieses, unser Radio, ist dort die einzige unabhängige Informationsquelle und in Turkmenistan sehr beliebt."

Zwar hat der Sender eigene Journalisten in Turkmenistan, offiziell akkreditiert und damit anerkannt aber werden sie von der Regierung nicht. Auch ein eigenes Sendestudio wird Radio Free Europe dort nicht erlaubt. Stattdessen werden sämtliche Programme mit Hilfe von Telefon- und Konferenzschaltungen in Prag produziert, erklärt Ogul Jamal Yazliyeva.

"Wir veranstalten jedes Wochenende Diskussionsrunden, die in Turkmenistan sehr beliebt sind. Wir laden dann Experten ein, um über Ereignisse im Land zu diskutieren. Die sind dann mit unserem Studio über Telefonleitungen verbunden. Normalerweise haben wir dann eine Konferenzschaltung mit drei bis vier Leuten, die dann miteinander diskutieren können."

Doch die regelmäßige Beteiligung an diesen Diskussionssendungen führte bei einem der Teilnehmer, dem 59jährigen Geschichtslehrer Sazak Durdymuradov in der vergangenen Woche zu dessen Verhaftung und Einlieferung in eine psychiatrische Klinik, berichtet Jeff Gedmin, der Direktor von Radio Free Europe.

"Die Verantwortlichen haben etwas wirklich schockierendes gemacht. Sie haben ihn verhaftet und in eine Psychiatrische Klinik gebracht, wo er nach seiner Aussage gefoltert wurde. Nach dem sehr glaubwürdigen Bericht seiner Frau legte man ihm ein Schreiben vor, wo er unterschreiben sollte, dass er verspricht nie mehr mit Radio Free Europe zu arbeiten. Als er das verweigerte brachte man ihn in eine andere Psychiatrie."

Es hatte einige Tage gedauert, bis seine Frau ihn schließlich in einem Gefängnis hatte aufspüren und mit ihm sprechen können, berichtet die Leiterin des turkmenischen Programms Ogul Jamal Yazliyeva.

"Seine Frau erklärte unserem Korrespondenten in Askarbat, dass sie mit ihrem Mann hatte sprechen können. Er erklärte ihr, dass er bereit sei zu sterben. Er sei mit Elektroschocks gefoltert worden, damit er den Brief unterschreibt. Er weigerte sich und erklärte, dass er einen Hungerstreik beginnt."

Dass dieser massive Vorfall genau jetzt passierte, scheint für Jeff Gedmin nicht zufällig, da gerade in dieser Woche Vertreter der EU sich in der turkmenischen Hauptstadt Ashgabat mit Regierungsvertretern zu einem Menschenrechtsdialog getroffen hatten.

"Die Theorie meiner Turkmenischen Kollegen ist, dass genau jetzt, wo die EU diesen Menschenrechtsdialog beginnt, dort ein Machtkampf stattfindet. Einerseits sagt die Regierung wir wollen einen Dialog mit der EU und einige Schritte in Richtung Liberalisierung gehen. Und dann gibt es auf der anderen Seite Kräfte, vermutlich im Sicherheitsapparat, die entschieden haben dass man die EU so am besten in Verlegenheit bringen kann. Das ist nur ne Theorie, aber die scheint mir plausibel."

Egal welche Gründe zur Inhaftierung und Folter von Sazak Durdymuradov geführt haben, stille Diplomatie, glaubt Jeff Gedmin, sei jetzt der falsche Weg um dem Geschichtslehrer zu helfen.

""Wenn die Regierungen der USA und Europas seinen Fall jetzt öffentlich herausstellen glaube ich sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er ohne Spuren zu hinterlassen irgendwo in einer Psychiatrie verschwindet.’"

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