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StartseiteSprechstundeZwerchfell27.11.2018

Radiolexikon GesundheitZwerchfell

Schluckauf, Sodbrennen, Reflux: Diese Symptome hängen mit dem Zwerchfell zusammen. Das Zwerchfell ist ein flacher, kuppelförmiger Muskel, der zwischen dem Bauch und der Brusthöhle angesiedelt ist. Er beeinflusst unter anderem die Atmung. Daher kann ein Zwerchfellriss oder -bruch fatale Folgen haben.

Von Justin Westhoff

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Thorax Röntgenbild, Untersuchung des Brustkorbes und Lunge, Zwerchfell, Rippen, - 20140411_PD6681 | (www.picturedesk.com)
Das Zwerchfell befindet sich zwischen dem Bauch und der Brusthöhle (www.picturedesk.com)
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Reflux Brennen in der Speiseröhre

Außer den Säugetieren – also auch dem Menschen – besitzen es nur Krokodile:

"Das Zwerchfell ist erst einmal ein Muskel, der wie ein Zelt zwischen dem Bauch und der Brusthöhle des Menschen angesiedelt ist. Es ist ein sehr wichtiger Muskel, weil er auch die Atmung mit beeinflusst."

Entsprechende Übungen helfen, zu entspannen.

"Mit jeder Einatmung hebst du die Bauchdecke, mit jeder Ausatmung lässt du die Bauchdecke wieder sinken."

Schauspieler und Sänger zum Beispiel trainieren so ihre Stimme.

"Üüüühhh – Sie könnten schon mal probieren, einfach das Zwerchfell, Beckenboden mitzunehmen: üüüühh – genau, und was man jetzt hört: Sie haben mehr Spannkraft, und dadurch geht es oben schon leichter.

Körperliche Tätigkeit trainiert das Zwerchfell

Der flache, wie eine Kuppel aussehende Muskel kann ohnehin durch körperliche Tätigkeit trainiert werden. Er trennt Brust- und Bauchhöhle – aber nicht vollständig. Etwa Hauptschlagader und Hohlvene müssen da hindurch. Der Leiter einer Chirurgischen Klinik an der Berliner Charité, Professor Johann Pratschke:

"Die Organe, die durch die Brusthöhle durchgehen, wie die Speiseröhre, müssen natürlich irgendwo in den Bauchraum eintreten, da gibt es eine Lücke am Zwerchfell, und die kann auch manchmal Probleme machen."

Dass Seitenstiche durch falsche Belastung und ungenügende Sauerstoffversorgung des Zwerchfells bei körperlicher Anstrengung hervorgerufen werden, ist nur eine Theorie. Sicher aber ist, dass unangenehme Dauer-Hickser von dieser Trennwand ausgehen, wie der Berliner Allgemeinmedizin-Professor Ulrich Schwantes erklärt:

"Der Schluckauf ist nichts weiter als eine Verkrampfung, eine plötzliche Verkrampfung des Zwerchfells, vermittelt wird dieser Reflex über einen bestimmten Nerven, wenn dieser Nerv gereizt wird durch eine ungewohnte Schluckaktion beispielsweise, und dieser Nerv ein bisschen gedehnt wird, gezerrt wird, dann kann es zu einem solchen Reflex kommen, das kennt jeder."

In der Regel harmlos

Der Schluckauf ist zwar nervig, in der Regel aber harmlos. Wenn er aber lange, vielleicht Stunden anhält, dann kann das auf eine ernsthafte krankhafte Veränderung hindeuten.

"Beispielsweise Abszesse, die sich unterhalb des Zwerchfells befinden, also in der Bauchhöhle, und es sind natürlich genauso gut denkbar Prozesse, die im Bereich des Brustraumes stattfinden, hier sind es auch wieder Entzündungen, aber auch Tumoren sind denkbar, und das führt zu einem entweder auch dauerhaften Reiz mit der Folge des Schluckaufs oder aber eben zu ständig sich wiederholenden Schluckaufattacken."

Nicht selten kommt ein Zwerchfellbruch an der Stelle vor, wo die Speiseröhre durch eine Öffnung in den Magen übergeht.

"Es gibt Zwerchfell-Lücken, die durch eine Fehlbildung angeboren sind, und es gibt auch eine erworbene Zwerchfell-Lücke, durch eine Schwangerschaft zum Beispiel oder wenn man sehr dick ist, dann drückt der Bauchinhalt nach oben und dehnt das alles auf und das kann zu einer Lückenbildung eben auch führen."

Mitverantwortlich für Sodbrennen und Reflux

Auch sehr schweres Heben kann einen Bruch verursachen. Und anders als früher vermutet ist das Zwerchfell mit verantwortlich für Sodbrennen und Reflux, dem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre mit entsprechenden Entzündungen. Heute werden dagegen Protonenpumpenhemmer verschrieben, die hilfreich, aber auch nicht vollkommen unproblematisch sind, sagt Professor Johann Pratschke. 

"Die Protonenpumpenhemmer, die reduzieren ganz signifikant die Magensäure, so dass teilweise gar keine mehr vorhanden ist und wirken damit natürlich. Nur, das wäre teilweise auch mit einer lebenslangen Medikamenteneinnahme verbunden, sodass wir Chirurgen hier natürlich auch Methoden anbieten, was wir machen ist: Wir versuchen, den Verschlussmechanismus wieder herzustellen, indem wir zum Beispiel das Zwerchfell an dem Übertritt etwas einengen, und um den Magen eine Manschette legen, die dann wie ein Korken sozusagen verhindert, dass der Magen in die Brusthöhle zurückrutschen kann."

Zwerchfell-Risse müssen chirurgisch behandelt werden

Durch äußere Gewalt, etwa bei einem Autounfall, kann es zu einem Zwerchfellriss, einer Ruptur kommen.

"Rupturen, die muss man immer chirurgisch versorgen. Wir können das heutzutage auch sehr gut minimal-invasiv machen, sodass die Belastungen für die Patienten nicht sehr hoch sind, das wird teilweise genäht, wenn es eine kleine Ruptur ist, oder es wird ein Stück Goretex drüber gelegt, um es abzudichten."

Den Riss im Zwerchfell merkt man in der Regel gar nicht. Aber, so Professor Pratschke:

"Ein Unfall, der verursacht natürlich Schmerzen. Das Zwerchfell selbst verursacht jetzt nicht so starke Schmerzen, allerdings, durch die Lücke kann natürlich Darm beziehungsweise Magen in die Brusthöhle rutschen, das verringert den Raum, den die Lunge hat, um zu atmen, man hat Atemnot dann."
Äußerst wichtig für die Atmung

Das hat schon erhebliche Folgen. Denn das Zwerchfell ist äußerst wichtig für die Atmung. Aber kann man auch ganz ohne überleben? Ja, einigermaßen, sagt der Chirurg:

"Natürlich kann man sich einen Zustand vorstellen ohne Zwerchfell, manchmal müssen wir es ersetzen, dann machen wir ein künstliches Zwerchfell, das natürlich dann kein Muskel mehr ist, sondern häufig einfach nur ein Kunststoff oder Goretex in dem Fall, und damit entfällt die Atmungsfunktion, damit ist Leben schon möglich, aber die Belastbarkeit ist etwas geringer dann."

Lachendes kleines Mädchen, Juni 2014 (picture alliance / dpa  / ZB / Patrick Pleul)Auch beim Lachen wird das Zwerchfell beansprucht (picture alliance / dpa / ZB / Patrick Pleul)

Der Muskel wird bei etwas anderem, viel erfreulicherem ebenfalls belastet: beim Lachen. Nicht ohne Grund spricht man von einer Attacke auf das Zwerchfell, wenn jemand einen Witz erzählt oder mit einem Kleinkind schäkert. Viele müssen da automatisch mitlachen. Wenn der Bauch dadurch vielleicht weh tut, ist das nicht gefährlich, sondern normal, einfach, weil das Zwerchfell stark beansprucht ist.

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