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StartseiteSprechstundeRadiolexikon Nasenpolypen09.03.2010

Radiolexikon Nasenpolypen

Polypen kann man bei sich selbst weder sehen noch ertasten. Häufig bemerkt man sie erst, wenn man schlecht Luft bekommt. Eine näselnde Stimme und Schnarchen sind Symptome, die bei Menschen mit Nasenpolypen auftreten.

Von Renate Rutta

Nasenpolypen erschweren das Atmen.  (Stock.XCHNG / Javiera de Aguirre)
Nasenpolypen erschweren das Atmen. (Stock.XCHNG / Javiera de Aguirre)
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Theo Lingen:
"Also, ich weiß wirklich nicht …"

Theo Lingen, Theaterschauspieler, Komiker und Filmstar der 30er- und 60er-Jahre hatte ein herausragendes Markenzeichen: seine näselnde Stimme. Was andere vielleicht als Schwäche ansehen hat Theo Lingen zu seiner Stärke gemacht:

"Diesen Tango tanz ich nur mit dir …"

Aber nicht jeder ist ein Theo Lingen. Und für manche ist das Näseln auch ein Handicap.

"Das kann auch ein Symptom sein, dass eine nasale Aussprache plötzlich entsteht, weil eben die Polypen die Nase verlegen und dann irgendwann mal die Nasenatmung nicht mehr möglich ist."

Die näselnde Stimme ist nicht das einzige Symptom, das bei Menschen mit Nasenpolypen auftritt, so Prof. Friedrich Bootz, Direktor der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Bonn.

"Schnarchen kann dadurch auch vermehrt auftreten. Das ist ähnlich, wie wenn man einen akuten Infekt hat und durch die Nase nicht mehr atmen kann. Dann sind die Atemgeräusche meist intensiver, als wenn die Nase frei ist."

Polypen kann man bei sich selbst weder sehen noch ertasten. Häufig bemerkt man sie erst, wenn man schlecht Luft bekommt.

"Die typischen Symptome, die die Patienten haben und die führen sie zum Arzt, sind behinderte Nasenatmung und auch Nasensprays führen da zu keinem Erfolg in der Behandlung. Das ist ganz typisch für Nasenpolypen und ein eingeschränktes Geruchsvermögen. Das ist das, was die Patienten als erstes bemerken."

"Dann können Druckgefühl auftreten, auch Schmerzen oder eine vermehrte Sekretion aus der Nase oder nach hinten in den Nasenrachenraum. Das sind die häufigsten Beschwerden, über die Patienten in der Regel klagen."

Das Ausmaß der Beschwerden hängt oft von der Größe der Polypen ab und von ihrer genauen Lage.

"Nasenpolypen sind Wucherungen der Nasenschleimhaut, die eine glatte Oberfläche aufweisen, unterschiedliche Größe besitzen können und sehr häufig nicht von der Nasenhaupthöhle ausgehen, sondern von den Nasennebenhöhlen, von dort aus in die Nasenhöhle hineinwachsen."

Nasenpolypen können in jedem Alter auftreten. Bei Kindern jedoch sind sie normalerweise selten.

"Es gibt besondere Erkrankungen, zum Beispiel die Mukoviszidose, die vereinbart ist mit Nasenpolypen, die dann schon sehr früh auftreten können, bei Kindern bereits auch auftreten aber im allgemeinen ist die Ursache eher unklar.
Abgesehen von der Mukoviszidose treten Polypen in der Regel erst im Erwachsenenalter auf. Es ist sehr selten, dass Kinder an solchen Polypen leiden, in der Regel ist es das 30./40. Lebensjahr oder auch Patienten, die älter sind."

Fälschlicherweise spricht man aber auch im Kindesalter bei bestimmten Atemstörungen von "Polypen".

"Was man landläufig bei Kindern als Polypen bezeichnet, ist vergrößertes lymphatisches Gewebe im Nasenrachen, was als Adenoide eigentlich bezeichnet werden müsste. Die führen bei Kindern häufig zu Atmungsstörungen aber nicht durch Verlegung der Nase sondern des Nasenrachens und zu Belüftungsstörungen des Ohres mit Sekretbildung, was zu einer Hörstörung führen kann. Das ist was ganz anderes, auch vom Aufbau des Gewebes, das ist lymphatisches Gewebe, Polypen sind kein lymphatisches Gewebe."

Noch rätseln die Ärzte, ob chronischer Schnupfen oder chronische Nebenhöhlenentzündungen Ursachen für die Bildung von Polypen sein können. Aber auch Allergiker entwickeln häufig die normalerweise gutartigen Wucherungen in der Nasenschleimhaut.

"Die sind in der Regel harmlos, sind gutartige Neubildungen der Nasenschleimhaut. Es gibt seltene Varianten der Nasenpolypen, sogenannte invertierte Papillome, die in ganz seltenen Fällen mal zur Entartung neigen können und dann eben bösartig werden. Darmpolypen können grundsätzlich bösartig werden, das ist hier bei den Nasenpolypen nicht der Fall."

Die Wucherung kommt dadurch zustande, dass viel Gewebeflüssigkeit eingelagert wird.

"Die Polypen haben einen sehr hohen Wassergehalt, da befindet sich viel Gewebswasser in den Polypen. Außenrum ist die Hülle, hat eine ähnliche Beschaffenheit wie die Nasenschleimhaut und deswegen wirken Polypen so glasig, weil sie einen hohen Wassergehalt haben und mit einer feinen Membran überzogen sind."

Größere Polypen kann der Arzt bei der Untersuchung durch Nase und Mund feststellen, kleinere werden erst durch ein Endoskop sichtbar. Nicht immer müssen sie entfernt werden.

"Man kann versuchen, mit Kortisonsprays die Nasenpolypen etwas zu schrumpfen, was in der Regel nicht in besonderem Ausmaß gelingt. Die Symptome werden etwas besser. Aber auf der anderen Seite darf man kortisonhaltige Nasensprays nicht über lange Zeit anwenden, sodass letztendlich nur ein operativer Eingriff zum Erfolg führt. Wobei man sagen muss, dass Polypen nach einer gewissen Zeit wieder auftreten können."

Vor der Operation wird mit einer Computertomografie geklärt, wo genau die Polypen sitzen.

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