Samstag, 22.09.2018
 
Seit 18:10 Uhr Informationen am Abend
StartseiteSport am WochenendeSpätentwickler auf dem Aufstieg09.09.2018

Radsport-Hoffnung Emanuel BuchmannSpätentwickler auf dem Aufstieg

Emanuel Buchmann gilt als Deutschlands größtes Rundfahrttalent der Gegenwart. Viel gewonnen hat er noch nicht, sich aber immerhin stetig entwickelt. Bei der Spanien-Rundfahrt Vuelta gab es für ihn bisher Licht und Schatten.

Von Tom Mustroph

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der deutsche Radrennfahrer Emanuel Buchmann vom Team Bora - hansgrohe, aufgenommen am 29.06.2017 am Rande einer Pressekonferenz in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). (Daniel Karmann/dpa/picture alliance)
Der deutsche Radrennfahrer Emanuel Buchmann (Daniel Karmann/dpa/picture alliance)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Vuelta de Espana Ausreißer gewinnt 11. Etappe, Stars kämpfen um Sekunden

Deutschland-Tour vor der Neuauflage Lange Geschichte, keine Tradition

Radsport in Deutschland "Der Trend ist klar: Radfahren ist in"

European Championships 2018 "Schub für alle Sportarten"

Tour de France Kontrollen gegen Motordoping

Tour de France Der Radsport atmet auf - weil der Sieger nicht Froome heißt

Das Rundfahrttalent steht vor seiner bisher größten Prüfung. Erstmals fährt Emanuel Buchmann eine Große Rundfahrt als Kapitän. Zwar gibt es noch ein paar Männer mit extra Freiheiten bei Bora. Weltmeister Peter Sagan kämpft um Sprintsiege, der doppelte Bergkönig bei der Tour, Rafael Majka, um Siege bei Bergetappen. Aber als Klassementfahrer und Kapitän ist Buchmann bei Team Bora-hansgrohe gesetzt.

Buchmann sagt: "Ein Druck ist es natürlich. Aber das geht jedem so. Ich versuche mein Bestes zu geben, Tag für Tag, und dann wird man sehen was dabei herauskommt."

So gelassen, wie sich Buchmann gibt, ist er tatsächlich. Der Ravensburger weiß, es ist seine große Gelegenheit. Aber er verkrampft nicht dabei. Die erste Woche war sogar phänomenal, mit eigenen Attacken am Berg und dem roten Trikot des Gesamtbesten in Reichweite. Dann warfen ihn ein Sturz und ein Defekt etwas zurück.

Chance genutzt

"Man darf ihn jetzt auch nicht mit Quintana, Lopez oder Valverde vergleichen. Das war ein bisschen ein Traumdenken von einigen, die die ersten Tage gesehen haben. Aber man muss realistisch sein. Und er ist bis hierher eine sehr sehr gute Vuelta gefahren", analysiert sein sportlicher Leiter Enrico Poitschke die Situation.

Poitschke glaubte von Beginn an Buchmann. Er gab ihm 2014, als die Karriere des jungen Radfahrers fast schon beendet schien, eine Chance. Buchmann nutzte sie, wurde 7. beim Nachwuchsrennen Tour de l'Avenir. Und hatte danach den Vertrag bei Bora in der Tasche.

"Er entwickelt sich kontinuierlich weiter"

Beim Rennstall wird er behutsam aufgebaut. Poitschke gibt sich und seinem Athleten Zeit. Er sagt:

"Er ist ein Fahrer, der nicht schon im Nachwuchsbereich dieses Supertalent war. Er entwickelt sich kontinuierlich weiter. Und wo dann diese Weiterentwicklung aufhört, ist schwer zu sagen. Es gibt Fahrer, die erreichen erst mit 32, 33 Jahren ihren Zenit."

Auch Außenstehende sollten also Geduld haben mit dem derzeit am weitesten entwickelten deutschen Rundfahrttalent. Dazu rät sogar die Konkurrenz, die den jungen Deutschen durchaus im Blick hat. Alexandr Shefer, sportlicher Leiter beim in Grand Tour-Dingen sehr erfahrenen Astana-Team sagt:

"Er ist ein junger Bursche und fährt das erste Mal richtig auf Klassement. Wenn er in den Top 10 ankommen sollte, wäre das schon ein gutes Resultat. Es gibt viele gute Rennfahrer für eine Woche oder zehn Tage. Aber wenn er über drei Wochen in die Top 10 fährt, dann ist er wirklich einer für die großen Rundfahrten."

"Explosiver als in den letzten Jahren"

Die Top 10 sind auch weiter das Ziel von Buchmann, trotz kleinerer Rückschläge in den letzten Tagen. Nicht nur dranbleiben will er übrigens an den Yates und Quintana, Pinot und Valverde. Er will auch selbst Akzente setzen. Deshalb hat er sein Training úmgestellt. Mehr Höhentraining, mehr Fokus auf Tempobeschleunigungen.

Buchmann erklärt: "Ja, wir haben trainiert, dass ich bei den kürzeren Sachen besser bin als in den letzten Jahren, dass ich explosiver bin. Und das hat ganz gut funktioniert in den ersten Etappen. Das ganze Jahr bin ich auf einem guten Level gewesen. Und ich bin zufrieden mit dem Training."

Nach der Vuelta hat Buchmann noch ein weitere große Verabredung: die Straßen-WM in Innsbruck mit einem extrem bergigen Kurs.

Noch Zeit bis zum Zenit

"Auch die WM ist ein Ziel von Anfang an gewesen", sagt der sportliche leiter Poitschke", Die Strecke dieses Jahr liegt ihm. Und auch das ist ein Höhepunkt. Und darauf, will ich nicht sagen, bereiten wir uns jetzt vor. Aber er wird auch von der Vuelta profitieren."

Buchmann kann in diesem Herbst seine bisher gute, vielversprechende, aber an Resultaten noch recht arme Karriere auf eine neue Ebene heben. Einerseits wird es Zeit. 25 Jahre alt ist er auch schon, dem Talent-Status damit längst entwachsen. Bis zum möglichen Leistungszenit im Alter von 32, 33 Jahren, wie der sportliche Leiter Poitschke es anklingen ließ, ist allerdings auch noch etwas Zeit.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk