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StartseiteForschung aktuellWar Oumuamua doch ein Alien-Raumschiff?08.11.2018

Rätselhafter AsteroidWar Oumuamua doch ein Alien-Raumschiff?

Vor einem Jahr sorgte ein interstellares Objekt für Aufsehen, das an der Sonne vorbei flog. Die bizarre Form des Asteroiden näherte wilde Spekulationen. In der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters" erklären zwei Harvard-Astronomen jetzt, bei Oumuamua könne es sich tatsächlich um außerirdische Hochtechnologie handeln.

Dirk Lorenzen im Gespräch mit Ralf Krauter

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Mögliches Aussehen des interstellaren Asteroiden Oumuamua (künstlerische Darstellung)  (ESO / Kornmesser)
Künstlerische Darstellung des interstellaren Asteroiden Oumuamua - wie der Gesteinsbrocken wirklich aussieht und woraus er besteht, ist aber weitgehend unbekannt. (ESO / Kornmesser)
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Felsige Grüße von einem anderen Stern Neues von Oumuamuas Heimat

Der interstellare Asteroid Oumuamua Besuch aus der Milchstraße 

Ralf Krauter: Ein interstellares Objekt, das 400 Meter lang ist und die Form einer Zigarre hat – das regt natürlich die Phantasie an. Zumal Oumuamua so anders aussieht als alle Asteroiden und Kometen, die Astronomen bis dato vor die Teleskope gekommen waren. Frage an den Wissenschaftsjournalisten Dirk Lorenzen: Wirft der Artikel in der nächsten Ausgabe der Astrophysical Journal Letters den zwei Harvard-Forscher jetzt verfasst haben, neues Licht auf die Natur von Oumuamua?
 
Dirk Lorenzen:
Nicht wirklich. Aber sie schreiben: Bei seinem Zug durch unser Sonnensystem haben offenbar nicht nur die Anziehungskräfte von Sonne und Planeten gewirkt. Vielmehr sei 'Oumuamua schneller unterwegs als erwartet. Irgendetwas hat diesen Brocken also beschleunigt. Das könnte am Strahlungsdruck der Sonne liegen - also daran, dass das Sonnenlicht dieses Objekt beschleunigt. Das geht am besten, wenn man eine Art Segel hat, eine sehr große, sehr dünne Fläche. So etwas ist in der Natur bisher nicht bekannt, daher könnte es ganz grundsätzlich ein künstlich hergestelltes Sonnensegel sein.

Rätselhafte Beschleunigung: Was war die Ursache?

Krauter: Alien-Technologie wäre eine mögliche Erklärung. Gibt's andere, weniger weit hergeholte für die Bewegung von Oumuamua?

Lorenzen: Nein. Die natürliche Erklärung ist, dass das Objekt Gas ausstößt, wie ein Kometenkern. Allerdings war keinerlei Gas in der Nähe Oumuamuas zu sehen, kein Schweif oder so etwas. Aber vielleicht ist es nur sehr wenig Gas oder dieses Objekt setzt Gas auf andere Weise frei als es von Kometen im Sonnensystem bekannt ist. Die Astronomen wissen nur sehr wenig über die 'kosmische Zigarre'. Das Objekt sei recht rötlich, habe offenbar eine ziemlich dunkle Oberfläche und dürfte nur einige hundert Meter groß sein. Es erscheint mit einer Periode von rund acht Stunden mal heller, mal weniger hell. Daraus schließen die Forscher, dass Oumuamua recht schnell rotiert und länglich geformt sei. Durch verschiedene Perspektiven würde das Objekt dann heller erscheinen, wenn auf die Längsseite geblickt würde. Es könnte aber auch rund geformt sein und einfach Bereiche auf der Oberfläche haben, die mehr Licht reflektieren als andere.

Keine Raumsonde kann Oumuamua einholen

Krauter: Wird Oumuamua immer noch beobachtet oder ist das Objekt jetzt schon zu weit entfernt?

Lorenzen: Oumuamua ist erst nach seiner engsten Annäherung an die Sonne entdeckt worden, also schon "auf dem Weg nach draußen". Er ist schon fast so weit weg wie Saturn und lässt sich dort nicht mehr beobachten. 'Oumuamua ist zudem so schnell unterwegs, dass man ihn auch nicht mehr mit einer Raumsonde einholen kann. Die Forscher müssen sich auf die Daten stützen, die sie Ende letzten und Anfang dieses Jahres gewonnen haben.
 
Krauter: Was außer der merkwürdigen Flugbahn spricht dafür, dass es sich um ein interstellares Raumschiff handeln könnte?

Lorenzen: Eigentlich nichts. Die Astronomen haben dieses Objekt sehr intensiv mit Radioteleskopen beobachtet. Es gab keinerlei "künstliches Signal, keinen Funkverkehr oder oder ähnliches. Die beiden Harvard-Astronomen spekulieren nun, dass es vielleicht ein Trümmerteil eines einst größeren technischen Geräts sei, das bei einer Kollision zerstört wurde. Damit ließe sich die recht schnelle Rotation erklären. Aber das ist alles sehr, sehr vage. Vielleicht geht auch die Fantasie mit den Forschern durch - denn auf dem weit verbreiteten PR-Bild, das das mögliche Aussehen Oumuamuas zeigt, ähnelt das Objekt frappierend dem Raumschiff aus dem Science-Fiction "Kampfstern Galactica". Aber noch einmal: Es gibt keine echten Bilder von Oumuamua das Objekt war bei allen Beobachtungen nur ein Lichtpunkt, Details sind unbekannt.

Ein Alien-Lichtsegel? Für die Autoren wäre das prima PR

Krauter: Wenn soviel unklar ist: ist es dann nicht ziemlich gewagt, sich in solche Spekulationen zu versteigen - zumal wenn man Professor in Harvard ist?

Lorenzen: Die Forscher sagen schon auch deutlich, dass das Spekulationen sind und dass auch natürliche Erklärung immer noch möglich sind. Schon die wenigen Kometen in unserem Sonnensystem, die die Astronomen bisher genauer untersucht haben, haben die Forscher immer wieder überrascht. Man weiß einfach nicht, was bei Kometen normal ist oder nicht. Interessant ist auch, dass einer der beiden Autoren, Abraham Loeb, schon viel über Lichtsegel veröffentlicht hat. Und diese Forschungsarbeit wurde teilweise von der Breakthrough Foundation finanziert, die selbst Raumschiffe mit Lichtsegeln ins All schicken will. Da wäre ein Alien-Lichtsegel natürlich prima PR - und da man das Objekt nicht mehr beobachten kann, sind Spekulationen recht gefahrlos möglich. Interessant wird sein, ob es bald ein zweites Objekt dieser Art gibt. Dann lässt sich mehr über die Besucher aus den Tiefen des Alls sagen.

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