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StartseiteKultur heuteHerrschaftlicher Größenwahn19.12.2016

Ramses-Ausstellung in KarlsruheHerrschaftlicher Größenwahn

Ramses der Zweite war der mächtigste, älteste und kinderreichste Pharao aller Zeiten. Während seiner Regierungszeit im 13. Jahrhundert vor Christus erlebte Ägypten eine kulturelle Blüte, Frieden und Wohlstand. Das Badische Landesmuseum widmet dem Mann der Superlative nun eine Ausstellung.

Von Christian Gampert

Im Badischen Landesmuseum Karlsruhe (Baden-Württemberg) im Schloss Karlsruhe wird ein knapp drei Meter hoher Gipsabguss einer monumentalen Büste Ramses II. gezeigt.  (dpa/ picture alliance / Uli Deck)
Ausstellung: Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil. (dpa/ picture alliance / Uli Deck)
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Er war der Größte. Ramses, der ägyptische Pharao, inszenierte sich selbst als Gott oder zumindest als gottgleich, ein Nachfahre des Sonnengottes. Er regierte unfassbare 66 Jahre lang mit straff organisiertem Militär- und Beamtenapparat, unterhielt einen Harem mit sieben Hauptfrauen und zahlreichen Nebenfrauen, zeugte über 100 Kinder und bewies vor allem in der Uminterpretation der Wirklichkeit erhebliches Geschick. Die mit einigem Dusel gerade mal abgewendete Niederlage gegen die anatolischen Hethiter – in der Schlacht von Kadesch 1274 vor Christus – wurde von ihm als Sieg verkauft. Zu diesem Zweck legte er ein großes Architektur- und Bildprogramm auf, welches nun einen guten Teil der exzellenten Karlsruher Ausstellung ausmacht.

Überall in Ägypten standen überlebensgroße Ramses-Statuen, Reliefs seiner Kriegstaten schmückten die Tempel und Städte. Drei der beeindruckendsten, tonnenschweren Ramses-Selbstdarstellungen, eine allerdings nur ein Gipsabguss aus Berlin, die anderen jedoch Groß-Skulpturen aus Granit, starren uns gleich zu Beginn der Ausstellung kalt und herrisch an, drei Meter hohe Blöcke. Engländer und Franzosen haben diese Kulturzeugnisse im 19.Jahrhundert nach Europa gebracht. Statuarisch sitzt Ramses da, massiger Oberleib, die Hände auf den Knien, das Kopftuch mit der Uräusschlange fällt hinter den Ohren symmetrisch auf die Schultern herab. Ein streng stilisiertes Kunstwerk (wir befinden uns im 13.Jahrhundert vor Christus!), ein Ehrfurcht gebietendes historisches Zeugnis. Allerdings auch ein ideologisches Propagandamittel wie – sehr viel später – die Napoleon-Statuen oder das Berliner Stalin-Denkmal.

Das alte Ägypten in Karlsruhe 

Aber man soll hier wirklich ins alte Ägypten eintauchen: der Zuschauer schreitet durch ein nachempfundenes Tor des Tempels von Abu Simbel.

"Wir wollen natürlich ein bisschen das alte Ägypten nach Karlsruhe bringen. Wir haben mit unseren Ausstellungs-Architekten eine Szenographie entwickelt, die einige Elemente der altägyptischen Tempelarchitektur aufnimmt. Zum Beispiel haben wir einige Großgraphiken, die Tempelreliefs wiedergeben",

sagt Kurator Lars Petersen. Mit großartigen Exponaten, meist natürlich Grabbeigaben, führt uns die Schau auch in die Vorstellungswelt der alten Ägypter ein. Ramses regierte nach den Prinzipien der "Ma-at", einer Art Grundgesetz.

"Die Maat ist eine Göttin, die für die Gerechtigkeit steht. Sie ist für die Weltordnung zuständig, das heißt, der Ägypter hatte große Angst, im Chaos zu versinken. Alles, was außerhalb Ägyptens war, war Chaos. Und so möchte man natürlich nicht leben."

Stelen und Skulpturen in pyramidialer Anordnung

In der Schlacht von Kadesch ging es um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum. Ramses schloss einige Jahre später Frieden mit den Hethitern – der in Akkadisch abgefasste Friedensvertrag ist der erste der Weltgeschichte. Gerade solche Steintafeln in Keilschrift sind Dokumente schwieriger Kommunikation (die Ägypter nutzten normalerweise ihre Hieroglyphen). Die lange Friedenszeit brachte Ägypten dann Luxus und Wohlstand, der in der Ausstellung vor allem mit Alltagsgegenständen der Oberschicht beglaubigt wird. Der herrschaftssichernde Beamten-Apparat des Ramses war streng pyramidal strukturiert; und genau so, pyramidal, sind nun die Stelen und Skulpturen jener hohen Beamten angeordnet, die in Karlsruhe erstmals gemeinsam gezeigt werden.

Ramses gelang die Integration fremder Religionen, indem er die Götter seiner Fremdarbeiter einfach ägyptisierte. Eine Video-Simulation der von Ramses gegründeten Retorten-Verwaltungs-Hauptstadt Pi-Ramesse im Nildelta gibt eine Vorstellung kompakter ägyptischer Stadtplanung, und in einem Mumiensaal am Ende kann man sich über Techniken der Mumifizierung informieren. Denn auch Ramses war sterblich: im Alter von etwa 90 Jahren verschied er an einer Zahnentzündung.

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