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StartseiteOn StageStarke Töne gegen Rassismus und Sexismus26.05.2017

Rapperin Akua NaruStarke Töne gegen Rassismus und Sexismus

Die Rapperin Akua Naru trat beim Rudolstadtfestival mit einer zehnköpfigen Band auf und ihrem Programm "Black Noise": eine Reverenz an die Soziologin Tricia Rose, die sich als Erste wissenschaftlich mit der sozialen und kulturellen Relevanz des Hip-Hop befasste.

Am Mikrofon: Jan Tengeler

Die Musikerin Akua Naru in Nahaufnahme mit Hut lächelt in die Kamera (Frank Szafinski)
Eine starke Stimme des Conscious Rap: Akua Naru (Frank Szafinski)

"HipHop ist nicht vom Rest der Welt abgekoppelt, und die Welt ist nun mal patriarchalisch und sexistisch. Wir haben vielleicht schon etwas erreicht, aber noch lange nicht genug. Man darf ja auch nicht vergessen, dass eine ganze Industrie dahintersteckt. Die profitiert vom Macho-HipHop und fördert ihn deshalb. Es gibt also noch viel zu tun."

Die aus New Haven, Connecticut stammende Rapperin Akua Naru hat sich früh gesellschaftspolitischen Themen gewidmet. Die Afroamerikanerin schrieb zunächst Gedichte, später rappte sie über den alltäglichen Rassismus, den Einfluss der Religionen, die subtile und offene Frauenfeindlichkeit. So ist die Musikerin zu einer der wichtigsten Stimmen des conscious, des ‚bewussten’, Rap geworden, eine der wenigen weiblichen dazu. Ihre Musik  ist eine Mischung aus intellektuellem Input und guter Musik.  

Akua Naru stellt sich in eine Linie mit den großen afro-amerikanischen Denkerinnen der USA: mit Frauen, die sich mit einer doppelten Diskriminierung auseinandersetzen: weiblich und schwarz.

"Am Mittwoch geborene Göttin des Donners"

Mit bürgerlichen Namen heißt die Musikerin Latanya Hinton, ihr Künstlername ist eine Widmung.

"Er hat verschiedene Bedeutungen: in Ghana bekommen Kinder, die an einem Mittwoch geboren wurden, oft den Namen Akua, ich wurde an einem Mittwoch geboren. Naru bezieht sich auf eine alte chinesische Mythologie: Es ist die Göttin des Donners. Aber nicht zuletzt hieß so auch eine meiner ersten Lehrerinnen, in Erinnerung an sie habe ich den Namen gewählt als ich ungefähr 16 war."

Schon immer wollte Akua Naru Dichterin werden. Aufgewachsen in einer schwarzen Community im Nordosten der USA, ist sie mit Kirchenmusik genauso groß geworden wie mit Hip Hop, mit gesellschaftlichen Debatten ebenso wie mit poetischen Wettkämpfen – dass sie allerdings tatsächlich einmal als Musikerin ihr Geld verdienen würde, überrascht sie bis heute.

"Meine Familie hat ihr Bestes gegeben und sich meine Zukunft so vorgestellt: studieren, einen guten Job finden, heiraten, Kinder bekommen, in einen Vorort ziehen mit Hund und Familienauto. Das war die eine Seite, auf der anderen Seite habe ich schon immer Hiphop gemacht und auch das hat meine Familie unterstützt. Schon mit sieben habe ich das Haus gerockt, gemeinsam mit meinen Cousinen und unseren Ghetto-Blastern. Wir haben auf Tische und Wände gehämmert und um die Wette gereimt. Aber ich habe nie daran gedacht, dass das einmal mein Beruf werden könnte. Ich habe es noch nicht einmal geträumt. Das war einfach zu unrealistisch. Man denkt ja auch nicht im Ernst daran, Supermann zu werden."

Handgemachte Musik mit Botschaft

Als Rapperin ist Akua Naru zwar kein Superstar, aber sie hat sich seit einigen Jahren erfolgreich in der Szene etabliert, und zwar nicht nur mit handgemachter Musik, sondern auch mit einer Botschaft. Naru verhandelt das, was sie während ihres Studiums und auf ihren Reisen gelernt und erlebt hat. Sie studierte zunächst Englische Literatur, Geschichte und Städteplanung, dann zog sie in die Welt hinaus. Im westafrikanischen Ghana fand sie die Wurzeln ihrer Kultur. Später arbeitete sie als Lehrerin in Zentralchina. Sie wählte diese Gegend, weil sie dort einen Platz vermutete, der am weitesten von dem weg war, was sie bisher kannte. Damals begann auch ihre Musik-Karriere. Als Rapperin trat sie mit DJs und Musikern aus dem englischsprachigen Raum auf. Vor zehn Jahren ließ sie sich dann in Deutschland nieder, der Liebe wegen.

"Man lernt sich besser kennen, wenn man unterwegs ist. Ich frage mich immer: wie viel in mir ist amerikanisch, in wie weit habe ich mich der neuen Umgebung angepasst und wie viel bin ich selbst, die ureigene Schöpfung Gottes? Dieser Anteil ist übrigens recht groß, wie ich festgestellt habe. Aber die Frage lässt sich nie endgültig beantworten, denn man definiert sich ja immer wieder neu. Das ist der Gewinn beim Reisen.”

Akua Naru ist eine Weltreisende in Sachen conscious rap. ‚Rap mit Bewusstsein’ greift gesellschaftlich relevante Themen auf - bei Naru sind das vor allem die Diskriminierung der Frau und der Schwarzen - und verbindet sie mit den verschiedenen Spielarten der sogenannten Black Music, mit Funk und Jazz, Soul und Pop. Dabei wurde sie in Rudolstadt von einer 10-köpfigen Band inklusive vier Afro-Amerikanischer Background-Sängerinnen unterstützt.

Aufnahme vom 9.7.16 beim Weltmusikfestival Rudolstadt

Diese Sendung können Sie nach Ausstrahlung sechs Monate online nachhören.

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