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StartseiteCorso"Ich habe mir den Krieg nicht ausgesucht"22.05.2018

Rapperin und Feministin Rebeca Lane"Ich habe mir den Krieg nicht ausgesucht"

Guatemala ist eines der Länder mit der weltweit höchsten Frauenmordrate. In dieser gewalttätigen, sexualisierten Welt will die Rapperin und Feministin Rebeca Lane mit intelligenten Texten den Frauen eine Stimme geben. Derzeit ist mit ihrem neuen Album "Obsidiana" auf Europatour.

Von Camilla Hildebrandt

Rabeca Lane als Brustportrait in mittelamerikanische Vegetation (Somos Orbital)
"Die pure Not hat uns zu Künstlerin gemacht": Die Feministin und Rapperin Rebeca Lane (Somos Orbital)
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Song "Obsidiana":
Ich spucke Lava.
Das Herz aus Obsidian.
Die Seele einer Weisen.
Wut, Musik und Magie. 
Die pure Not hat uns zu Künstlern gemacht.

Nach über 30 Jahren endete 1996 der Bürgerkrieg in Guatemala: Mehr als 250.000 Menschen starben in den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und linken Guerillaorganisationen. Die Mehrheit der Toten: Mayas. Heute spreche man auch von einem Genozid, sagt Rebeca Lane. Und der Krieg, er sei noch nicht vorbei: "Mir sagt man immer nach, ich sei aggressiv in dem, was ich besinge und was ich tue. Aber: Ich habe mir den Krieg nicht ausgesucht, ich wurde in einen hineingeboren. In den letzten Jahren sind mehr junge Leute ums Leben gekommen, als in den schlimmsten Zeiten des Bürgerkriegs. Es geht um Banden, Drogen, Menschenhandel und es geht um Land - um wirtschaftliche Interessen. Ein neoliberaler Krieg."

Es liegt eine Hoffnung in den Songs

In dieser Konfliktzone ist die Musik für Rebecca Lane ein sicherer Ort - im Gegensatz zu ihrer vorherigen Arbeit als Aktivistin, wo sie bedroht wurde -, selbst wenn die Radios ihre Musik nicht spielen und die Presse vor Ort kaum über sie berichtet. Ihre Sprache ist der Rap mit traditionellen Rhythmen, wie Cumbia, Calypso und peruanischem Huayno. Damit könne sie sich ausdrücken, politisch engagieren. Auch wenn ihre Texte kritisch und anklagend sind, so liegt doch Hoffnung darin. Dafür steht auch der Titel ihres aktuellen vierten Albums "Obsidiana", ein Stein, der in der Maya-Kultur Kampf und Heilung bedeutet.

"Die Mayas haben den Obsidian zum Beispiel für Lanzenspitzen benutzt. Bei den Ritualen der Götteranbetung wurde er poliert und als Spiegel genutzt, um darin den Himmel zu sehen. Energetisch betrachtet geht es darum, die Wahrheit rauszufinden. Das Obsidian-Messer schneidet etwas heraus, um der Wahrheit Platz zu machen."

Song "Tzk´at"
Wir verteidigen das Leben, die Flüsse, die Seen,
und so, wie wir unser Land verteidigen,
tun wir es auch für den weiblichen Körper. 
Die Energie verwandelt den Hass in Freude.
Der Mut der kämpferischen Frauen.
Indem ich heile, gesundest du.
Ich bin du.

Rebecas Kampf findet an mehreren Fronten statt. Sie setzt sich dafür ein, dass die Gräueltaten der Militärdiktatur nicht in Vergessenheit geraten. Sie arbeitet mit Jugendlichen daran, ihre indigene Herkunft wiederzuentdecken, die durch Vertreibung verloren gegangen ist, und sie ist aktive Feministin. Eine Lebensaufgabe in einem Land, das auf Machismo und Rassismus gegründet sei.

"Gewalt gibt es in allen Klassen"

"Die große Armut bei uns erzeugt Ignoranz, Wut, Schmerz, Hunger. Dazu kommt das historisch legitimierte Patriarchat: Der einzige Besitz des Mannes sind seine Frau und seine Kinder, die er beherrschen kann. Aber Gewalt gibt es in allen Klassen. Und die Täter gehen meist straffrei aus."

Der erste Schritt zur Veränderung sei, die Frauen zu stärken. Und das tut sie, sowohl in ihrer Zusammenarbeit mit anderen Rapperinnen, als auch im Kontakt mit dem Publikum. Woher sie die Kraft für den Kampf und nimmt? Aus der Musik selbst.

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