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StartseiteMusikjournalEngagiert für den Nachwuchs31.05.2021

Raschèr Saxophone Quartet gründet Academy OrchestraEngagiert für den Nachwuchs

Seit seiner Gründung 1969 hat sich das Raschèr Saxophone Quartet immer für die Ausbildung jüngerer Saxophonisten eingesetzt - ob einzeln, im Quartett aber auch in größeren Gruppen. Jetzt wurde im Rahmen eines Workshops im Nordkolleg Rendsburg das Raschèr Academy Orchestra ins Leben gerufen.

Von Elisabeth Richter

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Der Komponist Jay Schwartz probt sein Stück "Winterreise" mit dem Ensemble. (Nordkolleg/Anneli Froese)
Der Komponist Jay Schwartz probt sein Stück „Winterreise“ mit dem Ensemble. (Nordkolleg/Anneli Froese)
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"Uns ist es ein großes Anliegen, unsere pädagogische Arbeit weiterzuführen, und viele junge Saxophonistinnen und Saxophonisten aus verschiedenen Ländern einzuladen, mit uns zusammen diese wunderschöne Musik zu spielen."

Zum Beispiel Dvoraks Bläserserenade d-Moll arrangiert für Saxophonorchester, erklärt Christine Rall, die Sopransaxophonistin des Raschèr Saxophone Quartets. Mit dabei sind acht Saxophon-Studenten.

"Es soll ein langfristig bestehendes und wachsendes Orchester sein"

Der Schatten des legendären klassischen Saxophonisten Sigurd Raschèr ist lang. Auch weil ihm Kammermusik und pädagogische Arbeit wichtig waren. Er hatte sein eigenes Quartett und er bildete mit Studenten größere Saxophon-Ensembles. In seinem Sinne führt das heutige Raschèr Saxophone Quartet diese Arbeit fort. Christine Rall: "Wir haben dann aus dem Raschèr Saxophone Quartet das Raschèr Saxophone Orchestra gebildet, und sind mit diesem Klangkörper auch auf vielen Festivals auch zu Gast gewesen, und jetzt ist die Idee, dass wir ein Raschèr Academy Orchestra haben, vergleichbar mit anderen Orchester Akademien."

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Von seinem Erfinder eigentlich fürs Sinfonieorchester gedacht, hat das Saxofon eine wechselvolle Geschichte durchlaufen. Als klassisches Instrument erlebt es jetzt mit der Gründung zahlreicher Quartette einen Aufschwung und kehrt so gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück.

Gesagt getan, man fand in der Bildungsakademie Nordkolleg Rendsburg einen idealen Partner. Gleichzeitig wurde die Raschèr Baltic Academy gegründet - mit übers Jahr stattfindenden Workshops, Meisterkursen und mehr. Das Academy Orchestra aus herausragenden jungen Saxophonisten ist Teil davon. Es soll langfristig über Sponsoren finanziert werden. Am Ende der ersten Arbeitsphase stand ein öffentliches Konzert.

"Es soll ein langfristig bestehendes und wachsendes Orchester sein, eine Akademie, wo wir ein Team, eine feste Besetzung bilden, die logischerweise dann sich etwas verändern wird, manche werden weitergehen, neue Studentinnen und Studenten werden dazukommen, zumal wir ja auch jedes Jahr ein anderes Gastland haben."

Gastland Polen

In diesem Jahr stand Polen im Fokus. An die Arbeitsphase soll sich eine Tournee in das Gastland anschließen. Geplant war ein Auftritt in Stettin, der aber Corona bedingt verschoben werden musste. Paweł Filipowicz studiert in Stettin und spielt im Raschèr Academy Orchestra Tenorsaxophon.

"Da ist das Sprichwort, dass man jemanden ins kalte Wasser werfen soll, damit er schwimmen lernt. Ich bin noch Student, aber mit professionellen Musikern wie dem Raschèr Saxophone Quartet zusammenarbeiten zu können, ist tatsächlich so, als ob man Schwimmen im tiefen Wasser lernt. Man muss einfach schwimmen um nicht unterzugehen. Ich bin noch am Leben ... (lacht)."

Die vier Mitglieder des Raschèr Saxophone Quartetts spielen nach dem Prinzip "Primus inter pares" an den ersten Pulten des zwölf Musiker starken Orchesters. Das habe einfach viele Vorteile, so Sopransaxophonistin Christine Rall: "Wenn wir selber spielen, wir können so viel schneller klangliche Ideen, Phrasierungsideen, Übergänge, Farben einfach transportieren, kommunizieren, ohne viel Zeit zu benötigen, um das in Worte zu fassen."

"Ich kenne schon ein bisschen die Arbeit im Saxophon Ensemble aus dem Studium, aber mit einem Dirigenten, der es leitet. Aber so wie jetzt mit einem professionellen Saxophonquartett, das ist eine ganz andere professionelle Arbeit als bisher."

Andreas van Zoelen, Eva Kotar, Paweł Filipowicz, Christine Rall (v.l.n.r) (Deutschlandradio/Elisabeth Richter)Andreas van Zoelen, Eva Kotar, Paweł Filipowicz, Christine Rall (v.l.n.r) (Deutschlandradio/Elisabeth Richter)

Eva Kotar aus Slowenien, sie studiert Altsaxophon in Köln.

"Was mich am meisten fasziniert hat, weil ich es auch nicht erwartet habe, dass wir hier mit einem Komponisten arbeiten, und dass der Komponist auch die Probe leitet, das ist tatsächlich für mich eine ganz neue Arbeit, ich habe sowas noch nie gemacht, auch wenn ich viel selber Kammermusik spiele in verschiedenen Ensembles, also das war für mich neu, aber sehr, sehr faszinierend."

"Musikalisch ist das eine sehr wertvolle Arbeit"

Der amerikanische Komponist Jay Schwartz probt mit dem Raschèr Academy Orchestra seine neu-komponierte Version von Franz Schuberts Winterreise für Saxophonorchester und Sänger. Der ganze 24-teilige Liedzyklus in der Version von Jay Schwartz entsteht peu a peu als Work in progress und soll in Teilen bereits im Winter 2021 aufgeführt werden. Jay Schwartz: "Ich will eine Art surrealistische Welt kreieren, die den Sänger begleitet, und die eine Art von Wolke an Fundament bringt als Begleitung, die das ganze Lied in etwas Verträumtes rutscht."

"Musikalisch ist das eine sehr wertvolle Arbeit", sagt Andreas van Zoelen, der Tenorsaxophonist des Raschèr Saxophone Quartetts. Er betont, dass die Arbeit mit dem Raschèr Academy Orchestra eine "win win Situationen" für alle Beteiligten sei, und auch für die erfahrenen Musiker des Quartetts eine Bereicherung.

"Man kommt da auf eine ganz andere Ebene noch mal von Werken, die man spielen kann, von Bearbeitungen hin zu fantastischen neuen Werken, wie das von Jay Schwartz, das wir heute geprobt haben, und das sind Harmonien und Erfahrungen, die in der Tat natürlich musikalische Herausforderungen sind, aber uns und den jungen Saxophonisten auch noch mal was neues bringen, neue Erfahrungen bringen, womit wir das ganze dann auch steigern können."

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