Seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Freitag, 16.11.2018
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteForschung aktuellKein Kontakt zur Sonde Dawn02.11.2018

RaumfahrtKein Kontakt zur Sonde Dawn

Die Raumsonde Dawn funkt nicht mehr. Rund elf Jahre hat ihre Mission gedauert, jetzt ist der Treibstoff alle. Während ihrer Erkundungstour im Asteroidengürtel unseres Sonnensystems hatte sie spannende neue Erkenntnisse über Asteroiden und Zwergplaneten geliefert.

Von Guido Meyer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Beim Start der US-amerikanischen Raumfahrtsonde «Dawn» (künstlerische Darstellung mit den Protoplaneten Ceres und Vista im Asteroidengürtel) an diesem Samstag (07.07.2007) in Cape Canaveral sind auch zwei Hochleistungscomputer der Technischen Universität Braunschweig an Bord. Ziel der Mission sei die Erkundung von zwei der größten Planetenvorläufer im Asteroidengürtel, Ceres und Vesta, teilte die Universität mit. Die Protoplaneten weisen ähnliche Eigenschaften wie in den ersten Millionen Jahren des Sonnensystems auf. Die Braunschweiger Kompaktrechner sollen dafür sorgen, dass die Sonde genaue Bilder und Daten erstellen und zur Bodenstation sendet. «Dawn» soll Vesta im Oktober 2011 und Ceres im Februar 2015 erreichen. Computergrafik: William K. Hartmann Courtesy of UCLA dpa +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (NASA / dpa)
Der Raumsonde Dawn ist der Treibstoff ausgegangen (NASA / dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Raumfahrt Dämmerung am Zwergplaneten Ceres

Zwergplanet Ceres Eine "Eis-Zwiebel" im All

Raumsonde Dawn erreicht den Zwergplaneten Ceres

27. September 2007 – das waren noch Zeiten: Die Raumsonde Dawn startet mit vollem Tank Richtung Asteroidengürtel, so ungefähr in der Mitte des Sonnensystems. Ihre Reise hatte Dawn zunächst zu Vesta geführt, dem zweitgrößten Asteroiden dort draußen, zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Danach ging es weiter zum Zwergplaneten Ceres. In den vergangenen 3 ½ Jahren hat Dawn diesen größten Brocken des Asteroidengürtels umkreist, auf verschiedenen Umlaufbahnen, mal näher, mal weiter weg. Dabei hat sie unter anderem Salz- und Eisvorkommen nachgewiesen. Dass es heute noch flüssiges Wasser in tieferen Schichten gibt, können Geologen nach wie vor nicht ausschließen.   

"Unser Plan für Dawn war es immer, die Sonde am Ende in einen sogenannten Friedhofsorbit zu überführen, auf dem sie Ceres noch für lange umkreisen wird. So sind wir sicher, dass sie nicht in Kontakt kommt mit möglichem flüssigem Wasser."

Mehr zum Thema im Interview mit dem Sonnensystemforscher Andreas Nathues

Keri Bean ist Ingenieurin für die Dawn-Mission am Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena. Internationale Planetenschutzrichtlinien schreiben es vor, dass Raumsonden, die nicht völlig keimfrei sind, nicht auf Himmelskörpern landen oder aufschlagen dürfen, auf denen es Leben geben könnte. Dawn war von Anfang an nicht steril genug und nicht darauf auslegt, am Ende ihrer Mission beispielsweise auf Ceres zu stürzen. 

Voraussetzungen für Leben vorhanden

"Wir wollen Dawn nicht zu nahe an Ceres heranlassen. Der Zwergplanet verfügt wahrscheinlich über Wasser, über organisches Material und durch die Sonne auch über eine ständige Zufuhr von Energie. Das sind drei wesentliche Voraussetzungen, die zur Entstehung von Leben führen könnten. Diese unberührte Welt darf keine Raumsonde von der Erde verseuchen, die selbst mit irdischen Organismen kontaminiert ist."

Damit die Sonde ihren Friedhofsorbit erreicht, hatten die Ingenieure bereits im Sommer mehrmals den Ionenantrieb der Sonde an- und wieder abgestellt. So erreichte sie Ende Juni ihren endgültig letzten Orbit um Ceres. An ihrem tiefsten Punkt kommt sie dem Zwergplaneten dabei bis auf 35 Kilometer nahe, an ihrem weitesten entfernt sie sich bis auf 40.000 Kilometer von ihm.

Die Sonde sei genau da, wo die NASA sie hätte haben wollen, sagt Marc Rayman, der Missionsdirektor von Dawn, ebenfalls am JPL. Nachdem die elektrischen Triebwerke abgestellt waren, war Dawn seit Juni nur noch das mitgeführte Hydrazin zur Lagestabilisierung geblieben. 

"Ist der Vorrat an Hydrazin verbraucht, ist die Sonde nicht mehr in der Lage, ihre Orientierung im Raum aufrechtzuerhalten. Dann kann sie ihre Solarsegel nicht mehr zur Sonne ausrichten. Und das bedeutet, dass das Sonnenlicht nicht mehr in Strom umgewandelt wird. Weder kann Dawn ihre Antennen länger zur Erde noch ihre Kameras und Sensoren weiterhin Richtung Ceres ausrichten."

Funkstille seit Mittwoch

Wann genau der Hydrazinvorrat aufgebraucht sein würde, ließ sich nur schwer berechnen. Schließlich konnte niemand vor Ort mal eben nachgucken, wie viel Treibstoff noch übrig ist. Seit August hatte die NASA täglich mit dem Ableben ihrer Sonde gerechnet. Doch sie sendete weiter Daten zur Erde: den ganzen September hindurch, und auch noch den ganzen Oktober – fast den ganzen Oktober, bis zum Mittwoch. Da herrschte auf einmal Funkstille - genauso wie am Donnerstag. Keine der Antennen des NASA-eigenen, globalen Deep Space Networks empfing noch Daten von Dawn – nicht in Kalifornien, nicht in Australien, nicht in Spanien. Dawn meldet sich nicht mehr. Das Hydrazin ist verbraucht; ein Ausrichten der Funkantennen zur Erde nicht länger möglich. Damit sei diese Mission nun Geschichte, so Marc Rayman. Und auf ihrem Friedhofsorbit sei die Sonde gut aufgehoben:

"Diese Umlaufbahn wird für sehr lange Zeit stabil sein. Unser Ziel waren 50 Jahre. Wir haben aber Simulationen durchgeführt, wonach Dawn Ceres sogar für 10 000 Jahre weiter umkreisen wird."

Mit einem Absturz von Dawn und damit einer Verseuchung des Zwergplaneten durch irdische Bakterien muss also vorerst nicht gerechnet werden. Schon gibt es Pläne für eine Nachfolgemission, die dann sogar einen Lander auf dem Zwergplaneten absetzen soll. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk