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StartseiteForschung aktuellRosetta wendet sich von seinem Lander ab22.07.2015

Raumfahrt Rosetta wendet sich von seinem Lander ab

Kurz nachdem der Lander Philae im November auf einem Kometen aufsetzte, schaltete sich das Gerät ab. Seit Mitte Juni hat es nun wieder genügend Energie, um Daten zu erfassen. Aber der Kontakt zur Erde bleibt schwierig. Die Muttersonde Rosetta wird sich deshalb nun abwenden. Ein Datenaustausch mit Philae ist dadurch vorerst nicht mehr möglich.

Von Karl Urban

(ESA/Rosetta/Philae/CIVA)
Insgesamt sieben mal hatte das Team auf der Erde seit dem 13. Juni Kontakt zu Philae. Die Verbindung hielt aber selten länger als einige Minuten. (ESA/Rosetta/Philae/CIVA)
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Am 13. Juni meldete sich Philae wieder von der Oberfläche des Kometen Tschurjumow-Gerasimenko, nach sieben Monaten im Ruhemodus. Der Komet ist der Sonne nah genug gekommen, um den Lander zu wärmen und mit Solarstrom zu versorgen. Wirklich glücklich ist Koen Geurts aber auch fünf Wochen nach dem Erstkontakt noch nicht. Er ist technischer Projektmanager von Philae.

"Wir haben Probleme, mit der Sonde zu kommunizieren. Und das liegt wohl daran, dass irgendetwas mit dem Sender an Bord nicht stimmt."

Insgesamt sieben mal hatte das Team seit dem 13. Juni Kontakt zu Philae. Die Verbindung hielt aber selten länger als einige Minuten. Einmal gelang es den Forschern, ein wissenschaftliches Instrument anzuschalten. Der Kontakt brach aber nach Minuten aus unbekannten Gründen ab. Neue Daten und Bilder von der Kometenoberfläche gibt es bis heute nicht. Und der Zeitpunkt der letzten Funksignale vom Lander liegt schon wieder sechs Tage zurück. Die Versuche, Philae zur Arbeit zu bewegen, werden verzweifelter.

"Mittlerweile senden wir unsere Kommandos einfach blind, ohne auf eine Bestätigung von Philae zu warten. Dadurch konnten wir einmal die Aufnahme wissenschaftlicher Daten starten. Aber keiner weiß, wann wir diese Daten von Philae zur Muttersonde Rosetta übertragen können."

Rosettas Kurskorrektur soll in wenigen Tagen erfolgen

Auch die an Rosetta beteiligten Forscher sind nicht glücklich. Denn sie wollen eigentlich auf der anderen Seite des Kometen Daten sammeln.

"Um Kontakt zu bekommen, haben wir in den letzten Wochen ständig die nördliche Region des Kometen überflogen. Die Aktivität entwickelt sich aber gerade im Süden – und da wollen die meisten Forscher gerne hin!"

Sylvain Lodiot ist Rosettas Steuermann im Europäischen Weltraumkontrollzentrum in Darmstadt. Und er hat nun mit seinen Kollegen für Freitag eine Kurskorrektur einprogrammiert. Der neue Kurs führt die Muttersonde weg von Philae auf die Südseite des Kometen.

"Philae hat für uns keine absolute Priorität mehr. Die müssen wir unter allen Instrumenten verteilen. Und deshalb werden wir nicht mehr ständig versuchen, Philae zu kontaktieren."

In den nächsten zwei Wochen wird Rosetta außer Reichweite von Philae kreisen. Denn die Forscher anderer Instrumente wollen nur ungern verpassen, was in den nächsten Wochen am Kometen passiert. Tschurjumow-Gerasimenko erreicht am 13. August seinen sonnennächsten Punkt und wird dadurch aktiver. Immer mehr hervorschießende Fontänen aus Gas und Staub dürften dabei die Oberfläche des Kometen stark verändern. Ein Ereignis, das nie zuvor beobachtet wurde.

"Für uns ist die gesamte Forschung wichtig und Philae ist eben nur ein Instrument unter 13 anderen. Und die Betreiber der zwölf anderen haben nun entschieden, dass sie jetzt genug haben und etwas ändern wollen."

Koen Geurts will Philae aber vorerst noch nicht aufgeben.

"Ich bin optimistisch. Natürlich sorgen wir uns, weil wir so schwer Kontakt halten können. Es kann sein, dass der Lander zwar intakt ist, aber sein Sender immer schlechter funktioniert. Das würde die Mission des Landers beenden. Aber noch glaube ich nicht daran, dass endgültig Schluss ist."

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