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StartseiteKommentare und Themen der WocheItalien als Vorbild bei der Mafia-Bekämpfung05.12.2018

Razzien gegen die ’NdranghetaItalien als Vorbild bei der Mafia-Bekämpfung

Von Italien lernen, heißt siegen lernen - zumindest beim Kampf gegen die Mafia, meint Jan-Christoph Kitzler. Denn in Deutschland sei dieser lange nicht hart genug geführt worden. Die Behörden hier hätten in der Vergangenheit oft regelrecht zahnlos gewirkt.

Von Jan-Christoph Kitzler

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Polizisten stehen bei einer Razzia gegen die Mafia in einem Eiscafé in der Duisburger Innenstadt.  (dpa / picture alliance / Christoph Reichwein)
Polizisten bei einem Anti-Mafia-Einsatz in der Duisburger Innenstadt. (dpa / picture alliance / Christoph Reichwein)
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Man kann ja immer viel darüber berichten, was in Italien so alles nicht läuft - beim Thema Mafiabekämpfung hingegen ist es ganz anders, da ist Italien ein Vorbild.

In anderen Ländern wurde zum Teil recht lange noch ein einigermaßen romantisches Bild der Mafia gepflegt, sie wissen schon: Der Boss mit der Schiebermütze, der nur mit der Augenbraue zu zucken braucht, um einen Mord zu beauftragen, die verschwiegene Männergesellschaft in irgendwelchen Hinterzimmern Süditaliens.

Da wurde gern übersehen, dass die ’Ndrangheta aus Kalabrien, gegen die heute ein wichtiger Schlag gelungen ist, etwas ganz anderes ist, als die sizilianische Cosa Nostra oder die Camorra aus Neapel und Umgebung. Und viel zu lange hat man auch gedacht: Mafia, das ist ein italienisches Problem.

Jahresumsatz zwischen 50 und 100 Milliarden Euro

Das ist es schon lange nicht mehr: die ’Ndrangheta ist schon längst ein "Global Player" geworden und hat sich, wie eine Krake, aus den kleinen unscheinbaren Dörfern Kalabriens auf der ganzen Welt ausgebreitet. Die ’Ndrangheta ist auf allen fünf Kontinenten aktiv, die Clans erwirtschaften mit Drogen- und Waffenhandel, mit Korruption, Sportwetten, Bauaufträgen und Investitionen aller Art einen Jahresumsatz, der irgendwo zwischen 50 und 100 Milliarden Euro liegt. Zum Vergleich: Ein Weltkonzert wie Coca Cola hatte 2017 einen Umsatz von umgerechnet etwas über 31 Milliarden.
Kurz gesagt: die ’Ndrangheta dreht mit ihren Clans und ihrer straffen Organisation das ganz große Rad, kontrolliert den Kokainhandel in Europa und investiert längst in großem Stil in die ganz legale Wirtschaft. Auch in Deutschland.

Anti-Mafia-Kampf mit größer Härte

Hier, aber auch in anderen Ländern kann man nur von Italien lernen, was den Kampf gegen dieses Monster angeht: In Italien bekämpft man die ’Ndrangheta und andere Mafiaorganisationen in den letzten Jahrzehnten mit großer Härte - und auch mit großen Erfolgen. Dank vieler Staatsanwälte und Ermittlungsrichter, die ihr Leben diesem Kampf gewidmet haben - und Tag für Tag ihr Leben riskieren - sind viele Bosse hinter Gitter gekommen.

Die italienische Politik, an der man ja auch geneigt ist, kein gutes Haar zu lassen, hat auch ihren Beitrag geleistet und Gesetze so verschärft, dass die Kämpfer gegen die Mafia inzwischen Instrumente haben, die den Organisationen wirklich weh tun, zum Beispiel wenn in großem Stil Vermögen beschlagnahmt wird.

Zahnlose Justiz in Deutschland

Spricht man mit Antimafia-Ermittlern in Italien, dann wundern sie sich, wie lange man das Problem in Ländern wie Deutschland unterschätzt hat. Und wie zahnlos die Behörden dort sind.
Darin liegt auch ein Grund, warum die Clans in Deutschland ihre Geschäfte machen, wo sie offenbar weniger zu befürchten haben, als in Italien.

Aber der heutige, länderübergreifende Schlag ist ein gutes Zeichen. Die Mafia ist eben kein italienisches Problem - und um sie effektiv zu bekämpfen, muss die Justiz, wie die Clans, grenzüberschreitend arbeiten - und vereint zuschlagen. Welche Mittel da helfen, wissen die Ermittler in Italien. Von Italien zu lernen heißt in dem Fall siegen lernen.

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