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StartseiteKommentare und Themen der WocheSicherheit geht vor Geschäft12.03.2019

Reaktionen auf Boeing-AbsturzSicherheit geht vor Geschäft

Die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Scheuer, den deutschen Luftraum für die Boeing 737 Max 8 zu sperren, sei überfällig gewesen, kommentiert Brigitte Scholtes. Solange die Ursachen zweier Abstürze nicht geklärt seien, sollten alle Maschinen dieses Typs am Boden bleiben. Die Sicherheit habe Vorrang.

Von Brigitte Scholtes

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Das Foto zeigt von Januar 2018 zeigt die Übergabe der ersten Boeing 737 Max 8 am Brüsseler Flughafen an die Reisegesellschaft TUI. (dpa-Bildfunk / BELGA / Dirk Waem)
Eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft TUI (dpa-Bildfunk / BELGA / Dirk Waem)
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Sicherheit geht absolut vor. Dieser Grundsatz hat heute auch die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geleitet, den deutschen Luftraum für die Boeing 737 Max 8 zu sperren. Er war nicht der einzige, und seine Entscheidung war überfällig. Zuvor hatten schon viele Fluggesellschaften angekündigt, auf den Einsatz dieser Flugzeuge zu verzichten, nach China, das schon gestern seinen Luftraum für die 737 Max 8 sperrte, folgten heute zahlreiche andere Länder weltweit.

Das darf nicht als Vorverurteilung von Boeing gewertet werden, denn solange die beiden Flugschreiber der Maschine nicht ausgewertet sind, solange sollte man auch nicht über den genauen Hergang des Absturzes spekulieren. Doch die Tatsache, dass schon im Oktober ein Flugzeug gleichen Typs, ebenfalls eine neue Maschine, abgestürzt ist, dass insgesamt fast 350 Menschen ums Leben gekommen sind, das allein erfordert höchste Vorsicht. Einerseits bescheinigt die amerikanische Luftaufsichtsbehörde FAA zwar dem Flugzeughersteller, dass die Flugzeuge flugtauglich seien, andererseits aber fordert sie Boeing doch auf, ein Software-Update vorzunehmen und das automatisierte Kontrollsystem zu überarbeiten, das womöglich zum Absturz geführt hat.

Aber wie gesagt: Solange die Flugschreiber nicht ausgewertet sind, solange sollte man nicht spekulieren. Immerhin hat Boeing mit dieser Überarbeitung schon begonnen – das Update soll im April kommen.

Vertrauen ist das wichtigste Gut

Das Start- und Landeverbot für die inzwischen 350 ausgelieferten Flugzeuge des Unglückstyps trifft den amerikanischen Flugzeugbauer zur Unzeit. Denn er hat insgesamt gut 5.000 Bestellungen vorliegen, die 737 Max 8 gilt als Umsatzträger der Zukunft. Es sollte also im Interesse auch des Herstellers sein, Zweifel an der Sicherheit dieses Flugzeugtyps auszuräumen. Der Schaden, der im anderen Fall entstehen könnte, wäre viel größer. Denn ohne das Vertrauen der Passagiere in die technische Sicherheit eines Flugzeugs werden sie nicht mehr fliegen.

Vertrauen ist das wichtigste Gut in der Luftfahrtindustrie – das hat etwa auch die Lufthansa nach dem Absturz der Germanwings-Maschine vor drei Jahren immer wieder zu Recht betont. Und dieser Absturz war nicht technisch verursacht, sondern von dem psychisch kranken Piloten bewusst herbeigeführt. Mag sein, dass auch die Piloten, die die beiden Unglücksflugzeuge der 737 Max 8 steuerten, Fehler gemacht haben und mit der Steuerung des Flugzeugs überfordert waren, weil es anders reagierte als gedacht. Solange aber die Ursachen nicht geklärt sind, solange sollten alle Flugzeuge dieses Typs am Boden bleiben. Die Sicherheit der Menschen geht absolut vor. Das Geschäft muss zurückstehen.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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