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StartseiteWirtschaft am MittagChina kaum betroffen, Vergeltung trotzdem wahrscheinlich09.03.2018

Reaktionen auf US-StrafzölleChina kaum betroffen, Vergeltung trotzdem wahrscheinlich

China hat die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle kritisiert. Sie seien ein schwerer Angriff auf den Welthandel, teilte das chinesische Handelsministerium mit. Statt gleichermaßen auf Strafzölle zu setzen, könnte die chinesische Regierung den USA auf subtilere Weise schaden.

Von Steffen Wurzel

Ein Arbeiter hat einen langen Schieber in der Hand, um flüssigen Stahl zu verarbeiten. (dpa / picture alliance /Liu Debin)
Die chinesische Stahlindustrie ist von den von den USA verhängten Strafzöllen vermutlich kaum betroffen (dpa / picture alliance /Liu Debin)
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Was die reinen Zahlen angeht, ist China von den US-Strafzöllen kaum betroffen. Denn weniger als drei Prozent des Stahls, den die USA einführen, kommen aus chinesischer Produktion.

Nach einer Statistik des US-Handelsministeriums lag China zuletzt nur auf Platz elf der Stahl-Importeure. Selbst Deutschland, Taiwan, die Türkei und Russland verkaufen mehr Stahl in die Vereinigten Staaten als China. Bei Aluminium ist der Anteil etwas höher, aber auch hier nicht wirklich relevant. Trotzdem: China verkauft sich gerne als Fürsprecher des Freihandels. Auch wenn das Land selbst immer protektionistischer wird.

Entsprechend protestierte heute nicht nur die Regierung, sondern auch der Verband der chinesischen Stahl-Industrie gegen die geplanten US-Präsidenten geplanten Zölle. In einer schriftlichen Erklärung heißt es:

"Trumps Pläne fordern die Stahlindustrie weltweit heraus. Sie werden mit Sicherheit auf großen Widerstand stoßen. Wir rufen die chinesische Regierung auf, Gegenmaßnahmen zu ergreifen."

Chinas Regierung setzt vorerst auf Diplomatie

Konkret fordert der regierungsnahe Industrieverband chinesische Vergeltungszölle auf amerikanische Produkte: auf Edelstahl auf ausgewählte Lebensmittel, auf Kohle und IT-Produkte aus den USA.

Die Staats- und Parteiführung in Peking hingegen gibt sich schon seit Tagen relativ zurückhaltend und diplomatisch. Ganz offensichtlich will man sich als vernünftiges Gegengewicht zum unberechenbaren US-Präsidenten darstellen. Im Gegensatz zu den demokratisch regierten EU-Staaten gibt es in China außerdem keine offene Debatte über ein mögliches Für und Wider von Gegenmaßnahmen.

"Viele Menschen machen sich Sorgen über die angespannten Handelsbeziehungen zwischen China und den USA," sagte Außenminister Wang Yi am Donnerstag in Peking. "Die Geschichte hat gezeigt, dass sich mit Handelskriegen keine Probleme lösen lassen. Vor allem in Zeiten der Globalisierung ist ein Handelskrieg die falsche Option. Er würde allen schaden. Aber wir würden die nötigen Antworten finden."

In den USA argumentieren die Befürworter von Strafzöllen immer wieder mit den chinesischen Überkapazitäten. Tatsächlich produzieren viele Industrie-Branchen in China immer noch deutlich mehr als betriebswirtschaftlich sinnvoll ist: Das gilt für Solarzellen, Glas, Zement und eben auch Aluminium und Stahl. Doch gerade die Stahl-Überkapazitäten sind in den vergangenen Jahren deutlich abgebaut worden. So hat China vergangenes Jahr nur noch rund 75 Millionen Tonnen exportiert, 2015 waren es noch 112 Millionen Tonnen, also etwa zwei Drittel mehr. Und Regierungschef Li Keqiang betonte noch Anfang der Woche vor dem Volkskongress in Peking, dass China die Stahlproduktion um weitere 30 Millionen Tonnen reduzieren werde.

China könnte den USA auf subtile Weise schaden

Beobachter rechnen damit, dass Chinas Staats- und Parteiführung einige wenige US-Produkte auswählen könnte, um darauf Vergeltungszölle zu erheben. Denkbar wären zum Beispiel Rindfleisch oder Soja. Außerdem könnte China der US-Wirtschaft auch subtiler schaden: Indem zum Beispiel die staatlichen chinesischen Fluglinien keine Boeing-Flugzeuge mehr kaufen oder indem die Zahl der chinesischen Pauschaltouristen gedrückt wird, die in die USA reisen dürfen. Das wurde auch schon bei Streitigkeiten mit Japan, Südkorea, Taiwan und den Philippinen gemacht und war für die Tourismusindustrie dort deutlich zu spüren.

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