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StartseiteVerbrauchertippWas tun, wenn das Gepäck verloren geht04.04.2019

Rechte bei Flugreisen Was tun, wenn das Gepäck verloren geht

Warten am Gepäckband - doch der eigene Koffer ist nicht dabei: Ein Ärgernis, das viele schon einmal erlebt haben. Häufig taucht das Gepäck verspätet wieder auf, doch bis dahin hat der Reisende das Nachsehen - aber auch Rechte, zum Beispiel den Anspruch auf erforderliche Kleidung am Urlaubsort.

Von Ann-Kathrin Stracke

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Eine Frau und ein Mann suchen am Gepäckband am Flughafen ihre Koffer (picture alliance / dpa Themendienst / hristin Klose)
Wenn ein Gepäckstück verschwunden ist, sollte das der Fluggesellschaft sofort gemeldet werden (picture alliance / dpa Themendienst / hristin Klose)
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Verbraucherschützer "Massiver Anstieg von Fluggast-Beschwerden"

Wenn die eigenen Koffer oder Taschen nach dem Flug nicht auf dem Gepäckband auftauchen, ist das für die Reisenden vor allem erst einmal eins: ärgerlich und lästig. Zwar werden die meisten Gepäckstücke kurz nach der Landung wiedergefunden, doch das hilft bei der Ankunft nicht. Arndt Kempgens, Fachanwalt für Verbraucherrecht, rät den Reisenden, bereits direkt am Flughafen eine Meldung am Schalter für verlorenes Gepäck zu machen.

"Ich muss sofort einen Anspruch geltend machen gegenüber der Fluggesellschaft. Das muss ich also sofort melden, wenn ein Gepäckstück verschwunden ist. Und wenn das dann verschwunden bleibt, muss eben Schadenersatz geleistet werden. Da muss ich nachweisen, was drin war. Also am besten bitte immer Fotos machen bei jeder Reise, um ungefähr eine Vorstellung zu haben, was genau in diesem Koffer ist. Und wenn ich dann nachweisen kann, wie hoch der Schaden ist, dann muss die Fluggesellschaft das erstatten."

Und das sind maximal etwas über 1.200 Euro. So ist es im Montrealer Abkommen festgelegt. Besteht ein höherer Schutz, sollte der Reisende das vorher entweder mit der Fluggesellschaft vereinbaren oder eine zusätzliche Gepäckversicherung abschließen.

Kostenerstattung für erforderliche Kleidung

Für die erste Zeit am Urlaubsort hat der Reisende das Recht, sich neue Kleidung auf Kosten der Fluggesellschaft zu kaufen. Allerdings darf dies nur im Rahmen der Erforderlichkeit geschehen. Das bedeutet also: Wer zu den Filmfestspielen nach Cannes fliegt und an dem Tag der Ankunft eine festliche Garderobe benötigt, hat das Recht, sich ein neues Abendkleid zu kaufen. Fliegt eine Person allerdings in den Strandurlaub, würde sie von der Fluggesellschaft vermutlich nur Kosten für Shorts und Shirt erstattet bekommen.

Preisminderung und Schmerzensgeld 

Die Ansprüche bestehen demnach entweder gegen die Airline oder gegen den Reiseveranstalter, sagt Arndt Kempgens, Fachanwalt für Verbraucherrecht: 

"Da geht es auch um entgangene Urlaubsfreuden. Wenn ich zum Beispiel eine Taucherausrüstung in meinem Urlaub nicht nutzen kann, dann ist ja ein ganz erheblicher Teil meines Urlaubs gemindert, dann kann ich erst mal den Reisepreis mindern, man kann sagen 20 bis 30 Prozent bei normalem Gepäck, beim Tauchurlaub vielleicht 75 Prozent des täglichen Reisepreises, bis die Taucherausrüstung dann da ist."  

Zusätzlich zu diesen Kosten kann der Reisende auch noch ein Schmerzensgeld bis zur Höhe des Reisepreises geltend machen.

Wichtige Gegenstände ins Handgepäck

Auch kommt es vor, dass Teile aus Koffern oder Taschen verschwinden. Dies sei häufig schwer nachzuweisen, so Verbraucherschützer. Hier können Reisende nur einen Anspruch geltend machen, wenn sie nachweisen können, dass die Fluggesellschaft für das Verschwinden der Teile aus dem Gepäck verantwortlich ist. Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg rät den Reisenden daher, möglichst keine Wertgegenstände im Koffer zu transportieren: 

"Wichtig ist es, dass man Sachen, die man dringend benötigt wie Medikamente oder wichtige Dokumente, ins Handgepäck tut, also sich nicht darauf verlässt, die im Koffer zu lassen. Dann sollte man einen Koffer gut wiedererkennen können, wenn er dann ausgeladen wird. Und: Es ist wichtig, dass ich meine Ansprüche schnell geltend mache, dass ich mich dann umgehend mit der Fluggesellschaft in Verbindung setze." 

Fristen für Anspruchserklärungen einhalten

Ist ein Gepäckstück beschädigt, haben Reisende sieben Tage Zeit, um dies schriftlich zu erklären. Bei verspätetem Gepäck haben sie 21 Tage Zeit dafür. Verstreichen diese Fristen, haben Reisende keinen rechtlichen Anspruch mehr. Bereitwillig zahlen werden die wenigsten Airlines, so der Fachanwalt. 

"Oftmals machen die Fluggesellschaften damit so ihren Schnitt, dass die Leute irgendwann die Lust verlieren, sich weiter darum zu kümmern, und das sollte man als Fluggast unbedingt vermeiden."

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