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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Kommando Spezialkräfte braucht Hilfe von außen15.06.2020

Rechte Strukturen in der BundeswehrDas Kommando Spezialkräfte braucht Hilfe von außen

Ein Offizier beschwert sich in einem Brief über rechtsextreme Tendenzen und deren Vertuschung im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr. Die Chancen, dass der Verband nun gründlich durchleuchtet wird, stünden nicht schlecht, kommentiert Klaus Remme. Intransparenz dagegen stärke nur die Beharrungskräfte.

Von Klaus Remme

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Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr bei einer Vorführung am Tag der Bundeswehr beim Ausbildungszentrum Spezielle Operationen (AusbZSpzlOp) in Pfullendorf. (imago )
Ein Klima von „Kadavergehorsam“ und „toxischer Verbandskultur“ - so beschreibt ein Offizier in seinem Brief das KSK (imago )
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"Schreib mal wieder" – Im Kommando Spezialkräfte scheint man sich an diesen alten Slogan der Post zu erinnern. Innerhalb von vier Wochen machen gleich zwei Brandbriefe Schlagzeilen. Aus sehr unterschiedlicher Perspektive zielen beide auf rechtsextreme Tendenzen im weitgehend abgeschotteten Kreis der deutschen Elite-Soldaten, beide treffen das Kommando ins Mark. Beide Briefe stehen in Beziehung zueinander.

Zweifel an einer Häufung von Einzelfällen

Der aktuelle zwölfseitige Hilferuf des KSK-Hauptmanns wäre ohne das Signal von KSK-Kommandeur Kreitmayr vom 18. Mai ungleich riskanter gewesen. Schonungslos beschrieb der Brigadegeneral seinen Verband als Kommando in einer Krise neuer Dimension, in der schwierigsten Phase seiner Geschichte. "Wir werden Sie finden und entfernen", so seine Drohung in Richtung derer, die mit dem rechten Spektrum sympathisieren. Rückendeckung für den jetzigen Whistleblower, der einen rechtsextremen Sumpf beschreibt, der nur von außen trockengelegt werden könne.

Wie immer beim geheimen Kommando Spezialkräfte fällt es jedoch schwer, von außen Licht ins Dunkel zu bringen. Doch die Zeichen dafür, dass der Verband jetzt gründlich durchleuchtet wird, stehen nicht so schlecht. Annegret Kramp-Karrenbauer hat in ihren ersten Amtstagen eine Null-Toleranz Politik versprochen, die KSK-Reform ist der Lackmus-Test. Die neue Wehrbeauftragte, Eva Högl, ist versierte Innen- und Rechtspolitikerin, sie hat gleich in diesen ersten Amtswochen ihr Thema gefunden und sofort den richtigen Ton getroffen. Ihre Zweifel an einer schlichten Häufung von Einzelfällen sind sehr berechtigt. Die Dichte, die Schlagzahl dieser vermeintlichen Einzelfälle ist zu hoch. Wenn es einem KSK-Soldaten gelingt, in seinem privaten Garten in Sachsen ein Lager mit Munition, Sprengstoff und Waffen aus Bundeswehrbeständen anzulegen, dann ist das ohne Hilfe schwer vorstellbar.

Intransparenz stärkt Beharrungskräfte

Strukturen aber gedeihen in einem Klima, wie sie der KSK-Hauptmann jetzt mit "Kadavergehorsam" und "toxischer Verbandskultur" beschreibt. Den Whistleblower sofort zu versetzen, ihn in die laufende Arbeitsgruppe KSK zu integrieren und zum Teil der Lösung zu machen, zeigt den Willen zur Veränderung. Auch die sprichwörtliche "lange Bank" muss niemand fürchten, die Ergebnisse der Untersuchung sollen bis Anfang Juli präsentiert werden. Völlig unklar ist, warum man im Ministerium die Verteidigungspolitiker im Bundestag nicht als natürliche Verbündete begreift. Seit Freitag bemühen sich Abgeordnete um eine Kopie des aktuellen Brandbriefs. Bisher vergeblich. Völlig unnötig, unverständlich und kontraproduktiv.

Intransparenz stärkt im vorliegenden Fall die Beharrungskräfte. Geiselbefreiung, Geheimkommandos, Terrorbekämpfung, Evakuierungsoperationen, auf all das sind die KSK-Soldaten bestens vorbereitet. Gegen den Feind im Inneren sind sie auf Hilfe von außen angewiesen!

Klaus Remme  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Klaus Remme (Deutschlandradio / Bettina Straub)Klaus Remme, geboren in Cloppenburg. Studium der Politischen Wissenschaften und Osteuropäische Geschichte in Freiburg und Wien. Berufliche Stationen: Institute for Defense & Disarmament Studies, Boston, BBC World Service, London, Norddeutscher Rundfunk. Seit 1996 beim Deutschlandfunk. Von 2007 bis 2012 Korrespondent von Deutschlandradio in Washington. Seitdem Korrespondent im Hauptstadtstudio mit Schwerpunkt Außen- und Sicherheitspolitik. 

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