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StartseiteCampus & KarriereDer Umgang mit Neonazi-Eltern 26.11.2013

RechtsextremismusDer Umgang mit Neonazi-Eltern

Kindern von Neonazis bleibt die Ideologie zu Hause nicht verborgen, sie tragen sie durch ihr Verhalten auch in die Kita. Erzieherinnen stehen da vor einem großen Problem - wie kommunizieren sie mit Kindern und Eltern über das Einhalten von demokratischen Werten?

Von Dorothea Jung

Springerstiefel des Teilnehmers einer Demonstration der Rechten Szene (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
Kinder von Neonazis tragen das Gedankengut ihrer Eltern auch in die Kita (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)
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Anne Wilmers ist Mediatorin und arbeitet beim BeratungsNetzwerk Hessen. Ihre Aufgabe ist es, kommunalen Einrichtungen und Vereinen zu helfen, die verunsichert sind durch rechtsextreme  Aktivitäten in ihrem Umfeld. Anfang des Jahres erhielt sie den aufgeregten Anruf einer Kitaleiterin.

"Die Leiterin hat gesagt, wir wissen überhaupt nicht, was wir tun sollen. Wir haben hier einen Jungen, dieser Junge hat Hakenkreuze gemalt, am liebsten Panzer und Krieg gespielt. Er hat die anderen Kinder bedroht, er würde sie alle vergiften, ich stecke Euch Bomben in den Hintern, ich jage Euch alle in die Luft. Hat Kinder, die körperlich behindert waren, drangsaliert und war recht auffällig."

Kerstin Erdmann-Bertsch ist Leiterin einer Kindertagesstätte in Berlin Spandau. Im vergangenen Frühjahr entschied sie sich, ein Kind aufzunehmen, das aus einer anderen Einrichtung verwiesen wurde, weil es dort rassistische Einstellungen gezeigt und den Frieden in der Kita massiv gestört hatte.

Kerstin Erdmann-Bertsch:

"Der Junge hat mit allem, was nicht in sein Schema gepasst, ein Problem gehabt, hat auch einer Erzieherin, ist er angegangen, weil er meinte, sie wäre ihm zu dunkel. Es gab hier viel Gewalterfahrung in der Familie und es eskalierte eigentlich auch ziemlich schnell dann."

Zwei Beispiele aus jüngster Zeit, die deutlich machen, dass rechtsextremistische Eltern und ihre Kinder für Kitas eine schwierige Herausforderung sind.

Gabriele Schlamann:
"Wir haben zunehmend mehr Kinder von rechtsextrem orientierten Eltern in den Einrichtungen. Das ist einfach der Fakt."

Konstatiert Gabriele Schlamann vom mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Brandenburg. Nach Erfahrung der Beraterin wissen die Kitas selten Genaues über den ideologischen Hintergrund einer Familie, wenn die Eltern ihr Kind in der Einrichtung anmelden.

Gabriele Schlamann:
"Ich kriege das nur raus, wenn ich mit den Menschen rede. Und wenn ich mit ihnen darüber rede, das ist unser Leitbild in der Einrichtung, das sind unsere Wertevorstellungen, können Sie da mitgehen? Was sagen Sie dazu? Wir müssen in die Kommunikation gehen darüber. Und da tun wir uns schwer."

Das offene Elterngespräch über das Leitbild der Kindertagesstätte ist nach Auffassung der Experten ein zentraler Punkt beim Umgang der Kitas mit rechtsextremistischen Eltern. Denn bei der Aufnahme des Kindes wird in aller Regel ein Vertrag abgeschlossen, in dem sich die Eltern verpflichten, das demokratische Leitbild beziehungsweise die an humanistischen oder christlichen Werten orientierten Ziele der Kindertagesstätte zu unterstützen.

Darauf kann sich die Kita im Gespräch mit den Eltern berufen. Nach Meinung von Kerstin Erdmann-Bertsch sollte die Kita das Problem auch mit den übrigen Eltern besprechen. Keine Mutter und kein Vater wird ein Kind rechtsextremer Eltern in der Kita-Gruppe tolerieren, wenn man nicht offen darüber redet, sagt die Tagesstätten-Leiterin:

"Ich denke auch, dass die Eltern bei uns deshalb vielleicht trotzdem diese Mischung wagen, weil sie sich in erster Linie als Eltern angenommen fühlen. Darüber kommen wir ins Gespräch. Und wenn diese Beziehung aufgebaut ist, dann kann man daran weiterarbeiten. "

Die Expertinnen für Rechtsextremismus raten den Erzieherinnen und Erziehern, ihre eigene Haltung zu Themen wie Demokratie und Menschenrechte zu schärfen und sich der eigenen pädagogischen Werte bewusst zu sein. Das sei eine Grundvoraussetzung dafür, um gegenüber rechtsextremen Eltern klar und eindeutig handeln zu können, sagt Gabriele Schalmann vom Beratungsteam Brandenburg. Patentrezepte gebe es aber leider nicht. Und anstrengend sei es auch.

Gabriele Schlamann:

"Es braucht Zeit, sich damit zu beschäftigen und ich höre aus dem pädagogischen Bereich immer: Ja, und wir müssen das machen und das machen, deshalb bleibt uns keine Zeit mehr dafür. Aber, das Demokratische, und alles was die Demokratie gefährdet, als etwas Grundlegendes zu sehen, das ist die Basis, auf der wir alle arbeiten."

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