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RechtsextremismusStudie: 40 Prozent der Deutschen zeigen autoritäre Merkmale

Das Bild zeigt den Hinterkopf eines Teilnehmers in der Menge, der bis zum Haaransatz tätowiert ist. Im Hintergrund unscharf eine Deutschlandfahne.  (dpa)
16.09.2018, Sachsen-Anhalt, Köthen: Teilnehmer einer Demonstration von rechtsgerichteten Bündnissen anlässlich des Todes eines 22-Jährigen in der Nacht zum 09.09.2018 ziehen durch die Stadt. (dpa)

Ausländerfeindliche Einstellungen in Deutschland greifen einer Studie zufolge immer stärker um sich, antisemitische gehen leicht zurück.

In einer Untersuchung der Universität Leipzig heißt es, fast jeder dritte Deutsche vertrete solche Positionen. In Ostdeutschland stimme etwa jeder Zweite Aussagen wie "Ausländer nutzen den Sozialstaat aus" zu.

Eine Hauptursache ist laut den Studienleitern Elmar Brähler und Oliver Decker Autoritarismus als Persönlichkeitseigenschaft. Menschen mit autoritärem Charakter neigten zu rigiden Ideologien, die es gestatteten, sich gleichzeitig einer Autorität zu unterwerfen, an ihrer Macht teilzuhaben und die Abwertung anderer im Namen dieser Ordnung zu fordern, erläutern sie.

Unter den Deutschen zeigten rund 40 Prozent autoritäre Merkmale, nur 30 Prozent seien ausdrücklich demokratisch orientiert. So sympathisieren 44 Prozent manifest oder latent mit einer rechtsautoritären Diktatur, unter den Ostdeutschen sogar mehr als die Hälfte.

Vor allem die Abwertung von Muslimen sowie die von Sinti und Roma hätten sich verfestigt, stellten die Autoren darüber hinaus fest. Demnach stimmen 55 Prozent der Bevölkerung der Aussage zu "Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land". Als die Forscher diese Frage zwei Jahre zuvor gestellt hatten, lag die Zustimmung zu diesem Satz bei 50 Prozent. 2014 waren es 43 Prozent. 44 Prozent würden Muslimen eine Zuwanderung nach Deutschland untersagen (2014: 36,5 Prozent).

Um die 60 Prozent hätten nach eigenen Angaben Probleme damit, wenn Sinti und Roma sich in ihrer Gegend aufhielten. Eine Mehrheit glaubt, dass sie zur Kriminalität neigten, und findet, sie sollten aus den Innenstädten verbannt werden. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte, er sehe sich darin bestätigt, dass die jahrhundertealten Klischees des Antiziganismus in der Mitte der Gesellschaft präsent seien.

Dagegen seien antisemitische Einstellungen im Vergleich zu 2016 leicht zurückgegangen. Das liegt vorrangig an Westdeutschland. Dort seien die antisemitischen Ansichten von fünf Prozent auf heute 4,2 Prozent zurückgegangen. Dagegen seien die Werte im Osten von 4,1 Prozent 2016 auf 5,2 Prozent an gestiegen. Decker betonte, wenn bis zu einem Drittel der Befragten antisemitischen Aussagen zumindest teilweise zustimmten, bewege sich das nach wie vor in gefährlichen Größenordnungen.

Die Studie macht weitere Unterschiede zwischen Ost und West aus. In Ostdeutschland sind autoritäre und rechtsextreme Einstellungen danach verbreiteter: 8,5 Prozent der Menschen haben dort eine geschlossen rechtsextreme Einstellung - gegenüber 5,4 Prozent in Westdeutschland.
Die Autoren erklärten den Unterschied vor allem mit einer anderen Sozialstruktur. Zudem verwiesen sie darauf, dass seit der Wiedervereinigung gerade viele gut ausgebildete Menschen von Ost nach West gezogen seien.

Für die repräsentative Leipziger Autoritarismus-Studie waren im Mai und Juni dieses Jahres bundesweit mehr als 2.400 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. Die Untersuchung wird seit 2002 alle zwei Jahre durchgeführt und hieß bis 2016 "Mitte-Studie".