Freitag, 10.04.2020
 
Seit 21:05 Uhr On Stage
StartseiteVerbrauchertippMüll trennen, aber richtig10.03.2020

RecyclingMüll trennen, aber richtig

Wertstoffe sollten sich eigentlich möglichst gut voneinander trennen und verwerten lassen. Doch bei vielen Verpackungen in Deutschland ist das bisher nicht der Fall. Um seinen Müll möglichst ökologisch zu entsorgen, sollte man beim Gang zur Mülltonne daher einiges beachten.

Von Maike Strietholt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der Inhalt einer typischen Straßenmülltonne in Berlin mit zahlreichen Verpackungen, Einwegbechern und Restmüll. ( Bernd von Jutrczenka / dpa)
Aludeckel sollten vom Becher auf jeden Fall vollständig entfernt werden, bevor sie in der Tonne landen ( Bernd von Jutrczenka / dpa)
Mehr zum Thema

Mülltrennung und Recycling Umweltberaterin: Bislang keine Reduzierung von Verpackungsmüll

Mülltrennung Was Plastik in der Biotonne anrichtet

Das kennt jeder aus dem Alltag: Brötchentüten vom Selbstbedienungs-Bäcker oder Briefumschläge mit Sichtfenster bestehen aus Papier und Plastik, und die lassen sich daheim nur schwer voneinander trennen. In der Verwertung geht das aber schon – sagt Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Das Ganze kommt dann in den so genannten Pulper, da wird das aufgekocht, und da schwimmen diese Fremdstoffe auf, werden abgezogen. Also generell: Kleiner Kunststoffanteil verträgt das Altpapierrecycling, bei einem größeren – zum Beispiel bei Kuverts, die innen mit Polsterfolie ausgelegt sind – da würde ich empfehlen, wenn es zumutbar ist zu trennen."

Vier Mülltonnen stehen an einer Hauswand in Düsseldorf  (dpa / Norbert Schmidt)Kaum ein Wertstoff entspricht dem so genannten Ökodesign und ist damit vollständig trennbar (dpa / Norbert Schmidt)

Nicht alles ist trennbar

Und ansonsten: Ab damit in den Restmüll. In anderen Fällen lassen sich Verpackungsmaterialien aber auch im Verwertungsprozess nicht voneinander trennen:

"Diese klassischen Käse-Scheibenpackungen, diese Hightech-Folie, das sind sehr oft Verbundwertstoffe. Verbundwertstoffe heißt, sie bestehen nicht aus einem Kunststoff, sondern aus mehreren Kunststoffen – und zwar untrennbar verbunden. Außer Verbrennen kann man damit nichts tun."

Verschiedene Quittungen liegen auf einem Tisch (dpa/Jörg Carstensen)Kassenbons gehören nicht ins Altpapier (dpa/Jörg Carstensen)

Kassenbons richtig entsorgen

Aus Sicht von Tristan Jorde ist es ein Unding, dass solche Wertstoffe für kurzlebige Produkte überhaupt verwendet werden. Ähnlich schaut es bei To-go-Bechern, Fahrtickets und den jetzt vermehrt anfallenden Kassenbons aus: Sie sind in der Regel beschichtet oder mit Chemikalien behaftet und gehören daher in den Restmüll, nicht in die Papiertonne. Was außerdem nicht in den Papiermüll darf, erläutert Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung Hamburg:

"Pizzakartons enthalten Fett – und Fett ist beim Papierrecycling ein wirklicher Störstoff. Benutzte Taschentücher sind ein Hygieneproblem. Und deswegen auf jeden Fall in den Restmüll."

Geringe Mengen Papier dürfen grundsätzlich aber schon in den Biomüll – beispielsweise wenn dieser in der Küche in einem Papiertuch gesammelt wird. Produkte aus so genanntem Bioplastik sind dagegen ein Problem für moderne Kompostanlagen:

"Es werden viele Produkte angeboten, die aus so genanntem Bioplastik sind und kompostierbar sein sollen: Das geht los von Bechern über Kaffeekapseln bis hin zu Plastikgeschirr. Und wenn man solche Produkte in unsere Anlage hereingibt, kommen die eigentlich nach sechs Wochen so wieder raus, wie sie reingegangen sind."

Das Problem mit den Plastiktüten

Das Problem: Als Bioplastik können laut DIN-Norm alle Produkte bezeichnet werden, die innerhalb von 90 Tagen weitestgehend zersetzt sind. Ein modernes Kompostwerk benötigt aber nur wenige Wochen, bis der Kompost fertig ist. Diese Verwertungszeit reicht nicht einmal aus, um die extra für Biotonnen angebotenen Müllbeutel aus Biokunststoff zu zersetzen. So sind Bioplastiktüten im Biomüll genauso fehl am Platz wie konventionelle Plastiktüten, betont Reinhard Fiedler. Wer den Müll dennoch darin sammeln möchte, kann das tun, aber:

"Man sollte dann die Plastiktüte nicht zusammen mit dem Bioabfall in die Grüne Tonne hereinwerfen, sondern ausleeren und die verschmutzte Plastiktüte auch nicht in die Gelbe Tonne, sondern weil sie so verschmutzt ist in die Restmülltonne."

Aludeckel immer vom Becher trennen

Und apropos verschmutzt: Müssen Joghurtbecher und Co eigentlich gespült in die Wertstoffsammlung?

"Es reicht 'löffelentleert', also man muss es nicht auswaschen – dann stimmt nämlich die Ökobilanz auch nicht mehr. Was man auf jeden Fall machen sollte, ist, den Aludeckel von solchen Joghurt- oder Quarkverpackungen abreißen, weil die ganz unterschiedliche Wege gehen im Recycling. Weil hinterher der Sensor auf dem Band, wenn das noch zusammenhängt, nicht unterscheiden kann: Ist das Alu oder ist das Plastik? Und wenn er sich nicht entscheiden kann, dann sagt er: Das ist Restmüll."

Gläser und Flaschen dürfen übrigens mit Deckel in den Glascontainer geworfen werden. Im Verwertungsprozess zerbricht das Glas und die Metalldeckel werden per Magnet heraus gesammelt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk