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StartseiteUmwelt und VerbraucherReparierter Elektroschrott als Verkaufsschlager04.07.2018

RecyclingReparierter Elektroschrott als Verkaufsschlager

Fritteuse, Smartphone, Spielekonsole: Jedes Jahr kommen 1,7 Millionen Tonnen Elektroschrott in Deutschland zusammen. Dabei funktioniert vieles davon noch. In einem Hamburger Unternehmen werden ausgemusterte Elektrogeräte wieder fit gemacht.

Von Axel Schröder

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E-Gitarren, Lampen und alte Stereoanlagen türmen sich in einem großen Lagerraum. (Deutschlandradio / Axel Schröder)
Vieles davon funktioniert noch, landet aber trotzdem im Hamburger "Stilbruch". (Deutschlandradio / Axel Schröder)
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Roman Hottgenroth führt durch das offene Rolltor, hinein in den bekanntesten Gebrauchtwaren-Laden Hamburgs. Bei "Stilbruch" findet man Sofas, Sessel, Spiegel oder Couchtische. Und jede Menge Elektroartikel:

"Wir sehen hier verschiedene Arten von Elektrogeräten, so genannte Weißware sehe ich im hinteren Bereich, da haben wir Waschmaschinen, Kühlschränke, Trockner. Und dann das Typische: alles an Lampen, an Unterhaltungselektronik, IT, Telekommunikation, Haushaltegräte. Gartengeräte sehe ich hier auch noch. Alles relativ klar und gut strukturiert, geordnet nach Produktgruppen."

Spielekonsolen werden besonders gern überprüft und repariert

Roman Hottgenroth ist Betriebsleiter der "Stilbruch"-Filiale in der Hamburger Ruhrstraße. Und stolz auf das, was die 72 Mitarbeiter leisten. Stilbruch ist eine Tochterfirma der Hamburger Stadtreinigung. Und die Elektrogeräte, die bei "Stilbruch" auf Funktionsfähigkeit getestet und im Zweifel – wenn der Aufwand überschaubar bleibt – auch repariert werden, diese Geräte stammen von den Wertstoffhöfen der Stadtreinigung. Oder werden von den Hamburgern direkt dort abgeliefert. Roman Hottgenroth nimmt die Treppen in den ersten Stock. Hier sind die Arbeitsplätze untergebracht, an denen die elektrischen Geräte geprüft werden.

"Hier wird gewerkelt. Mit aller Konzentration und Ruhe. Wir haben hier sieben verschiedene Arbeitsplätze. Im Moment sind, glaube ich, fünf besetzt. Jeder der Kollegen hat so sein eigenes Metier. Da hinten werden zum Beispiel nur Lampen getestet, repariert, geprüft. Das ist der Lieblingsarbeitsplatz. Da werden dann gerne mal Spielekonsolen geprüft…"

Und an einem der voneinander abgegrenzten Werktische kümmert sich ein Mitarbeiter gerade um die technisch anspruchsvolleren Kleingeräte: "Ich kontrolliere hier ein paar Navigationsgeräte. Ob sie überhaupt noch brauchbar sind, ob man sie also verkaufen kann. Ein paar Handys habe ich hier auch, die ich momentan auflade und versuche, sie dann auf den neuesten Stand zu bringen."

Bei den Handys ist meistens ein allzu alter und zu oft geladener Akku das Problem, erzählt der Techniker. Aber dieses Problem lasse sich schnell beheben: "Die Akkus sind austauschbar. Und so lange sie austauschbar sind, sind wir immer noch gut bedient."

Sind die Navis oder Handys technisch noch in Schuss, wird die neueste Software aufgespielt und am Ende ein "Geprüft"-Sticker aufgeklebt. Dann kann die Ware in den Verkauf gehen und ist deutlich günstiger als im Elektronikmarkt. Bevor das geschieht, werden zum Beispiel bei den Lampen aber noch alle Kabel auf Brüche überprüft:

Die Hälfte der "Schrottware" kann wieder verkauft werden

"Eine Lampe einfach nur anzumachen und zu sagen: 'Ja, Licht geht an! Ist prima! Kleber drauf und verkaufen!' – Das ist so nicht drin, weil sie die durchgeführten Kabel prüfen müssen, ob da irgendwo Schwachstellen sind, die möglicherweise dazu führen, dass auch alte ungeerdete Geräte dann zum Beispiel einen Schlag abgeben könnten."

Über 50 Prozent der angelieferten Ware kann wieder verkauft werden, erzählt Roman Hottgenroth. Und demnächst soll durch eine ganz einfache Idee die Menge kaputter Elektroartikel von Anfang reduziert werden. Dann sollen schon auf den Wertstoffhöfen der Stadt  funktionierende Geräte einen Aufkleber bekommen. Dann müssen die Mitarbeiter weniger Fritteusen, Bohrmaschinen oder Stereoanlagen testen, um hinterher festzustellen: der Aufwand war umsonst. Aber schon heute, trotz der oft aufwendigen Prüfungen, erwirtschaftet der Gebrauchtwarenladen ein kleines Plus.

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