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StartseiteCorso"Wir leben in einer Pop-Gesellschaft"16.09.2020

Reeperbahn Festival"Wir leben in einer Pop-Gesellschaft"

Das Reeperbahn Festival ist das erste große Festival in Deutschland, das nicht nur online Konzerte streamt. Das funktioniert nur mit Kulturförderung. "Wir müssen damit etwas für die Musikbranche tun", sagte Konferenzleiter Detlef Schwarte im Dlf.

Detlef Schwarte im Corsogespräch mit Kolja Unger

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Die schottische Rockband Biffy Clyro, mit Leadgitarrist Simon Neil (v.l.), Schlagzeuger Ben Johnston und Bassist James Johnston, steht am 24.09.2016 in Hamburg beim Reeperbahnfestival im Docks auf der Bühne. (Axel Heimken/dpa)
Biffy Clyro beim Reeperbahnfestival 2016 (Axel Heimken/dpa)
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Die Planung des Reeperbahn Festivals war ein ziemlich herausfordernder Prozess, sagte Detlef Schwarte. Er leitet das Konferenz-Programm des Festivals. Insgesamt haben wurden drei oder vier Veranstaltungen in diesem Jahr geplant. Die normale vor der Krise und dann in unterschiedlichen Konzepten mit jeweils anderen Umsetzungen. Die Konferenz findet nun komplett ohne Publikum nur im digitalen Raum statt.

Digitales Konferenzprogramm

Das Reeperbahn Festival ist in einer privilegierten Situation: Neben der Spitzenförderung, die das Festival sowieso schon erhält, sind Bund und Land noch mal zusätzlich eingesprungen, um die Corona-Variante möglich zu machen. "Das ist schon eine Verantwortung, die wir haben", sagte Detlef Schwarte. Sie können sich nicht zurücklehnen und sagen, sie lassen es in diesem Jahr ausfallen.

"Wir müssen durchaus auch etwas tun, und zwar für die Künstlerinnen und Künstler, für die Branche und für die Kreativwirtschaft insgesamt", meint Schwarte. Dieses Festival sei nun Experimentierfeld und es werde darauf geschaut, wie die Veranstaltungen umgesetzt werden und wie die Corona-Konzepte funktionieren.

Erstes großes Festival seit der Pandemie

Neben den Konzerten mit vor allem Newcomern, richte sich das deutschlandweit größte Konferenzprogramm für die Musikwirtschaft vor allem an die Branche selbst, sagt Schwarte. "Wir hatten in normalen Jahren hier an die 6.000 Fachbesucher aus über 50 Ländern zu Gast."

Auf der Konferenz geht es neben den politischen Forderungen in Sachen Branchenrettung für die Festival- und Kulturszene zum Beispiel um Deutschrap. Das sei wichtig, weil es der wirtschaftlich bedeutendste Popmusik-Sektor in Deutschland sei, sagt Schwarte. "Und das ist natürlich Pflicht, sich darum zu kümmern - als führende Musik-Konferenz."

Deutschrap, Feminismus, Mode, Kevin Kühnert

Die Konferenz richte sich zwar vor allem an den Wirtschaftszweig, sei aber schon auch eine Pop-Konferenz. "Wir verstehen Popkultur und Popmusik durchaus als gesellschaftliche Bewegung und einen Bereich, um den man sich kümmern muss" und in dem es nicht nur darum gehe, zu schauen, was gerade in den Charts laufe. Deshalb gehe es auch um Sprachthemen, Medienthemen oder Modethemen. "Das ist wichtig für uns, weil es die Leute bewegt und weil es irgendwie auch in der Musik reflektiert wird."

Detlef Schwarte organisiert seit 15 Jahren das Reeperbahn Festival mit. Der Pop-Begriff sei seitdem viel tiefer in die Gesellschaft eingesickert, meint er. "Die Phänomene des Pop sind noch viel alltäglicher und noch viel enger verwoben mit dem gesellschaftlichen Mainstream und auch mit der Politik."

Pop-Gesellschaft

Trends kommen und gehen sehr schnell mittlerweile, meint Schwarte. Jeder sei darauf bedacht, Öffentlichkeit zu gewinnen und populär zu sein. Es gehe heute seltener um die Nische, alles müsse eine größere Öffentlichkeit erreichen. "Und die sozialen Medien haben da natürlich ganz großen Einfluss", weshalb sich die Konferenz auch mit Medienthemen beschäftigte.

Ende oder Krise des Musikjournalismus?

Auf einem Panel geht es auch um die Frage, ob Musikjournalismus am Ende sei. Ob das wirklich so ist, sei eine berechtigte Frage, sagt Detlef Schwarte. "Aber man muss schon konstatieren, dass auch in den letzten zwölf Monaten seit dem letzten Festival sich die Dinge nicht unbedingt besser entwickelt haben". Es gebe weitere Einstellungen von Musikmedien, es gebe Entlassungswellen auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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