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StartseiteKommentare und Themen der WocheTheoretisch eine gute Idee01.10.2019

Reform des Pflege-TÜV Theoretisch eine gute Idee

Der Neustart beim Pflege-TÜV ist zwar eine gute Nachricht. Doch es wird wohl in der Realität nicht häufig vorkommen, dass jemand mehrere Einrichtungen miteinander vergleichen muss, kommentiert Nikolaus Nützel. Denn Pflegeplätze sind weiter Mangelware.

Von Nikolaus Nützel

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Im Altenpflegeheim "Zur Heimat" (Diakonisches Werk Bautzen e. V.) in Bischofswerda verteilt am 26.04.2012 vor dem Mittagessen ein Pfleger Medikamente an die Bewohner des Altenheims.  (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
Das neue Informationssystem ist nicht ganz einfach zu verstehen, meint Nikolas Nützel (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
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Es wäre ja schön, wenn sich mal etwas rundum Gutes über die Pflege in Deutschland sagen ließe. Denn die Pflege hat es bitter nötig, dass sie durch gute Nachrichten den Teufelskreis durchbricht, in dem sie steckt: Sie gilt als notorisches Problemfeld. Deswegen wollen viele Leute dort lieber nicht arbeiten. Weil Personal fehlt, verschärfen sich die Probleme – und immer so weiter.

Der Neustart beim Pflege-TÜV ist nun endlich eine Gelegenheit, bei der sich sagen lässt: Ja, da gibt es etwas Gutes. Doch hinter diesem "Ja" kommt leider ziemlich schnell ein "Aber".

Neues Informationssystem schlüsselt Faktoren einzeln auf

Ja, es ist gut, dass jemand, der einen Pflegeplatz sucht, künftig recht genau aufgeschlüsselt im Internet nachsehen kann, wie eine Einrichtung dasteht, etwa wenn es darum geht, Menschen mobil zu halten. Wenn es darum geht, ein Wundliegen zu vermeiden. Oder wenn es darum geht, mitzuhelfen, dass jemand weiterhin soziale Kontakte hat. Denn es ist oft eine Echt-Notsituation, in der Menschen stecken, wenn sie auf der Suche nach einem Pflegeplatz sind. Und, ja, es ist gut, dass diese Information nicht mehr über eine platte Schulnote geliefert wird, bei der nach dem früheren System so gut wie alle Pflege-Einrichtungen in Deutschland Spitzenklasse zu sein schienen.

Aber - und es folgt jetzt leider mehr als nun ein "aber" -  aber es ist erstens ein ziemliches Armutszeugnis, dass man sich rund zehn Jahre lang mit einem alten Bewertungssystem durchgewurschtelt hat, von dem schon kurz nach dem Start klar war, dass es wenig taugt.

Und es ist aber leider auch so, dass das neue Informationssystem nicht ganz einfach zu verstehen ist. Wenn Fachleute vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen gemeinsam mit Pflegewissenschaftlern und Fachleuten aus Pflegeeinrichtungen ein Bewertungsraster entwickeln, das mehr als 20 Kategorien umfasst, dann kommt dabei etwas heraus, was eine hohe Fachlichkeit hat, um im Jargon der Pflege zu sprechen. Aber für Außenstehende ist diese Fachlichkeit nicht immer leicht verständlich.

Ein Platz nach zehn oder zwanzig Telefonaten

Das größte Aber allerdings hat etwas mit der Mangelverwaltung in der Pflege zu tun. Wenn jemand einen Pflegeplatz sucht, macht er oft die Erfahrung, dass er froh sein kann, nach zehn oder zwanzig Telefonaten vielleicht eine erste Einrichtung an der Hand zu haben, in der ein Platz frei ist. Dass sich mit dem neuen Internet-Informations-Portal nunmehr verschiedene Anbieter direkt miteinander vergleichen lassen, klingt gut. Doch es wird nicht oft vorkommen, dass ein Interessent unter drei oder noch mehr Einrichtungen wählen kann, die er mit dem neuen Portal vergleicht.

Also: das neue Pflegeheim-Informationssystem ist eine gute Sache – aber leider trägt es nur ein kleines bisschen dazu bei, den Teufelskreis aus immer neuen Problem-Meldungen über die Pflege zu durchbrechen.

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