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StartseiteInterview"Luther hatte Qualitäten eines Popstars"30.10.2016

Reformationsjubiläum"Luther hatte Qualitäten eines Popstars"

Luther-Socken, Luther als Playmobilmännchen, ein Pop-Oratorium und andere Events: Die Vermarktung des Reformationsjubiläumsjahrs läuft. Martin Luther tauge tatsächlich zum Popstar, sagte Gotthard Fermor, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Evangelischen Kirche im Rheinland, im DLF. Doch Reformation sei mehr als Marketing.

Gotthard Fermor im Gespräch mit Änne Seidel

Playmobil-Figur von Martin Luther zum Reformationsjahr 2017 (picture alliance / Universität Jena)
Playmobil-Figur von Martin Luther zum Reformationsjahr 2017 vor der Thesentür an der Schlosskirche in Wittenberg (picture alliance / Universität Jena)
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Die Veranstaltungen und Merchandise-Artikel rund um 500 Jahre Reformation seien nicht zu verteufeln, findet Fermor. Beim Reformationsjubiläumsjahr 2017, das mit dem Reformationstag am Montag beginnt, gehe es aber um Inhalte. Es sei fraglich, ob popkulturelle Anbiederungen wirklich helfen könnten, eine Brücke zu den Lebenswelten der Menschen heute zu schlagen. 

"Spricht die Kirche eine Sprache, die wir sonst im Leben sprechen? Das wäre ein Thema für Reformation", sagte Fermor. Martin Luther habe das, was man sonst nicht verstanden haben, etwa die lateinische Messe, ins Deutsche und damit in die Sprache des Volkes übersetzt. Das berühmte Luther-Zitat "dem Volke aufs Maul schauen" benenne genau das, was die Evangelische Kirche heute mit Lebensweltorientierung meine.

Luther habe "unglaublich gut gepredigt, gut geschrieben, einen Nerv getroffen", was nach Fermors Ansicht Qualitäten eines Popstars sind. "Pop ist das, was gut funktioniert - und das, was er losgetreten hat, hat funktioniert." Die große Entdeckung Luthers sei die sogenannte Rechtfertigungslehre: "Die Message, bevor Du etwas tust, bist Du schon etwas - das ist klasse, das ist unverlierbar", sagte Fermor. Wichtig sei nun, die Auseinandersetzung mit Luther und mit den Gedanken der Reformation in die Arbeit vor Ort, in die Gemeinden und in den Religionsunterricht zu tragen.

Das vollständige Gespräch können Sie sechs Monate lang nachhören.

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