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StartseiteMarkt und MedienRegenbogenpresse im Fokus25.05.2013

Regenbogenpresse im Fokus

topfvollgold.de beobachtet Klatschhefte

Auf dem neuen Watchblog topfvollgold entlarven Blogger recht unterhaltsam den Markt der Regenbogenhefte. Sie zeigen, wie aus bruchstückhaften Informationen und beliebigen Fotos falsche Zusammenhänge hergestellt werden.

Von Wiebke Lehnhoff

Von den Heften werden pro Woche rund sechseinhalb bis sieben Millionen Exemplare an den Kiosken verkauft. (AP)
Von den Heften werden pro Woche rund sechseinhalb bis sieben Millionen Exemplare an den Kiosken verkauft. (AP)
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Angefangen hat alles in einem Zeitschriftenladen: vor einer dieser großen Wände mit Kreuzworträtsel-Heften, Automagazinen und eben dem Klatsch und Tratsch der Regenbogenpresse.

"Abtreibungs-Skandal: Prinzessin Letizia - War sie schon vor der Hochzeit schwanger?"

"Wir waren zusammen einkaufen und da sind uns die Hefte ins Auge gesprungen. Und die haben alle sehr ähnliche Cover-Bilder, die sich teilweise aber auch krass widersprechen: Also Bundespräsident Gauck und seine Daniela heiraten auf dem einen Cover und auf dem anderen werden sie getrennt. Und dann haben wir uns die Hefte mal näher angeguckt und gesehen, dass im Inhalt diese Widersprüche teilweise noch größer sind – und dann haben wir uns gedacht: Da müsste man mal was machen",

sagt Mats Schönauer. Der 24-Jährige studiert Journalistik an der TU Dortmund, genau wie sein Mitstreiter Moritz Tschermak. Zusammen haben sie das Watchblog topfvollgold ins Leben gerufen, auf dem sie seit Anfang April kritisch die Regenbogenpresse betrachten. Inzwischen auch als Praxisprojekt zu ihrer Bachelor-Arbeit. Bei der Recherche fiel ihnen auf, dass die billigen bunten Hefte bisher kaum von Medienjournalismus oder Wissenschaft beachtet wurden. Das bestätigt auch der Medienforscher Andreas Vogel, der diesen Bereich als einer der wenigen untersucht.

"Lange Zeit war Unterhaltung ein Thema, was von der Wissenschaft ausgeblendet wurde, man hat sich eher mit den Medien und auch Printmedien befasst, denen eine Wirksamkeit in der öffentlichen Meinungsbildung zugeschrieben wurde. Dann hat sich das aber gedreht: Inzwischen ist zum Beispiel die Unterhaltung des Fernsehens ganz massiv erforscht worden und wird auch ständig erforscht, während die Unterhaltung im Bereich Printmedien nach wie vor ein Stiefkind ist."

Das könnte nach Meinung der beiden Blogger auch daran liegen, dass Forscher und Journalisten befürchten, selbst durch die Regenbogenhefte in eine Schmuddelecke zu geraten. Aber das schreckt die Macher von topfvollgold nicht. Und so kämpfen sie sich Woche für Woche durch etwa 25 dieser Blätter – von der "Freizeit Revue" über "Die Aktuelle" bis zur "Promi Welt". 70 Titel umfasst die Liste der Hefte aus dem Blog. Daraus werden Schlagzeilen und Texte geprüft, die oft haarsträubend sind:

"Prinzessin Mette-Marit – Jetzt ist das Maß aber voll! - der Baby-Skandal von Indien, als sie in einer Nacht- und Nebelaktion zwei Säuglinge aus einer Klinik entführte"

Auf topfvollgold entlarven die Blogger recht unterhaltsam den Markt der Regenbogenhefte. Sie zeigen, wie aus bruchstückhaften Informationen und beliebigen Fotos falsche Zusammenhänge hergestellt werden, liefern Hintergrundinformationen und versuchen, Beteiligte und vor allem Betroffene zu befragen. Denn für die sind die Artikel durchaus rufschädigend oder ehrverletzend. Und dabei werden oft dieselben Promis positiv oder negativ dargestellt, wie Blogger Moritz Tschermak feststellt:

"Also, ich habe das Gefühl, dass es durch die Regenbogenpresse, dass da eine gewisse Meinungsmache stattfindet. Beispielsweise Maxima von Holland ist eine Person, die unfassbar positiv dargestellt wird. Die kann mit Weingläsern in der Hand fotografiert werden, und da wird dann dazugeschrieben, dass sie so wunderbar ausgelassen ist. Wenn Letizia von Spanien mit einem Weinglas fotografiert wird, dann hat sie ein Alkoholproblem."

"Boris Becker – Bier, Wein Champagner! Kann er nicht mehr ohne?"

Die Macher der Regenbogenhefte scheinen sich über mögliche Klagen der Betroffenen keine Sorgen zu machen. Vielleicht, weil die Promis in den Berichten entweder dafür bekannt sind, dass sie nicht sofort jeden verklagen. Oder, weil sie im Ausland leben und deshalb die Schmuddelartikel wahrscheinlich gar nicht zu lesen, bekommen. - Die "Qualität" der Regenbogenhefte hat auch Blogger Mats Schönauer nach den ersten Wochen intensiver Lektüre negativ überrascht. Und dabei ist er von seiner zusätzlichen Arbeit beim Bildblog schon einiges gewohnt.

"Die 'Bild'-Zeitung ist schlimm, gar keine Frage, aber was diese Hefte machen, ist teilweise wirklich noch schlimmer. Das merken wir daran, dass Woche für Woche falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt werden – oder zumindest nicht erweislich wahre Tatsachenbehauptungen – und wenn die dann noch ehrverletzend sind, dann sind wir ganz schnell bei einer Straftat: Dann ist das eine üble Nachrede. Und auf solche Dinge achtet die 'Bild'-Zeitung: dass sie solche eindeutigen Rechtsverletzungen nicht begeht."

Bis Ende September werden die beiden Journalistik-Studenten noch im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit am Blog topfvollgold arbeiten. Aber auch danach wollen sie die Regenbogenpresse weiter unter die Lupe nehmen.

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