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StartseiteEuropa heuteStreit um rumänisches Erdgas06.08.2018

Reichtum im Schwarzen MeerStreit um rumänisches Erdgas

2012 entdeckten ausländische Energiekonzerne im rumänischen Wirtschaftsteil des Schwarzen Meeres große Erdgasvorkommen, die das Land zu einem wichtigen Gasexporteur in der Region und zur Konkurrenz für Gazprom machen könnten. Doch das Parlament könnte die potenziellen Investoren noch vergraulen.

Von Annett Müller

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Blick auf das Schwarze Meer und den Küstenort Agigea. Im Hintergrund der Hafen der Schwarzmeer-Stadt Constanta. (Dlf / Annett Mueller)
Mit den neuen Vorkommen im Schwarzen Meer könnte das Land auf Erdgas-Importe verzichten. Es könnte sogar zu einem wichtigen Gasexporteur in der Region werden. (Dlf / Annett Mueller)
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Ionel Chiriac rührt Eiswürfel ins Wasser, um seine gefangenen Fische zu kühlen. Rund 200 Kilogramm Makrelen und Sardellen hat der Fischer aus dem rumänischen Agigea am Morgen aus dem Schwarzen Meer geholt. Zu wenig, wie er findet:

"Der Wind hat gedreht. Er kam aus dem Westen. Wir nennen ihn den Wind der Armut. Gestern habe ich noch die doppelte Menge herausgeholt."

Fischer Chiriac beliefert täglich ein Restaurant, das sichert ihm sein Überleben.

Rund 200 Kilometer von seinen Fanggebieten entfernt hat man im Schwarzen Meer vor Jahren große Erdgasvorkommen entdeckt. Chiriac verfolgt die Diskussion darüber. Denn der 37-Jährige heizt und kocht selbst mit Gas. Er hofft, dass durch die neuen Vorkommen der Gaspreis wieder günstiger wird:

"Es wäre gut, wenn der Staat endlich die Förderverträge mit den ausländischen Erdgasfirmen abschließen würde. Mit diesem Rohstoff könnte unser Land auch eine Menge Steuern einnehmen und Investoren anziehen."

Die Regierung kann sich nicht entschließen Gas Offshore zu fördern

Jahrelang hatten die Regierungen eine Entscheidung über die Förderung aufgeschoben, denn die eigene Erdgasversorgung kann bislang über Vorkommen an Land gedeckt werden. Lediglich im Winter kauft Rumänien vom russischen Konzern Gazprom Erdgas für die Wärmeerzeugung dazu.

Mit den neuen Vorkommen im Schwarzen Meer könnte das Land auf diese Importe verzichten. Mehr noch: Es könnte ein wichtiger Gasexporteur in der Region werden.

Rumäniens Nachbarländer Ungarn und Bulgarien hängen beim Gas bislang vollständig vom russischen Gazprom-Konzern ab. Doch demnächst könnte es mit dem russischen Monopol in der Region vorbei sein, meint die Energie-Expertin Otilia Nutu vom Bukarester Think Tank "Expert Forum":

Rumänien könnte dem russischen Monopolisten Gazprom Konkurrenz machen

"Gazprom wird nicht mehr so leicht die Preise diktieren können. Bislang hat die Firma mit jedem Land einen anderen Preis ausgehandelt, je nachdem, wie gut sich dessen politische Führung mit dem Putin-Regime versteht."

Deswegen schafft Bukarest jetzt Fakten. Seit knapp zwei Monaten lässt Rumänien mit EU-Mitteln die sogenannte BRUA-Pipeline bauen, die ab 2020 rumänisches Gas nach Ungarn und Bulgarien bringen soll.

Zur Erdgasförderung sind ausländische Investoren nötig

Um den Rohstoff vom Meeresgrund zu fördern, braucht es aber ausländische Investoren, weil dem Land das Know-How fehlt. Der Staat hingegen legt die Förderbedingungen für die Konzerne fest. Kurz vor der Sommerpause verabschiedete das Parlament ein Offshore-Gesetz, das den Investoren überraschend drastische Auflagen macht:

"Wir müssen die Energiekonzerne kräftig besteuern. Wir können doch als rumänischer Staat hier nicht leer ausgehen."

Argumentierte der Chef des Unterhauses im Parlament, Liviu Dragnea. Im Gesetz ist beispielsweise eine progressive Besteuerung der Erdgaseinnahmen vorgesehen. Sie kann bis zu 50 Prozent des Gewinns betragen. Die potenziellen Investoren - der US-Konzern Exxon Mobile und der österreichisch-rumänische Konzern OMV-Petrom - zeigen sich verärgert, auch weil die Auflagen völlig unerwartet und ohne große Parlamentsdebatte beschlossen worden waren. Noch ist das Gesetz nicht in Kraft, der Präsident könnte es zur Überarbeitung ans Parlament zurückschicken.

Die Neuordnung des Energiemarktes beobachte derzeit auch der russische Gazprom-Konzern genau, glaubt die Bukarester Energie-Expertin Otilia Nutu. Schließlich entscheide sich gerade, ob hier ein bedeutender Gas-Konkurrent in der Region entstehe oder nicht:

"Unsere unkalkulierbare Politik spielt Russland in die Hände. Was, wenn sich die Investoren in letzter Minute gegen das Projekt entscheiden? Möglicherweise kann sich Moskau einfach darauf verlassen, dass wir aus Dummheit oder wegen Korruption die Investition gegen die Wand fahren lassen."

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