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StartseiteCampus & KarriereReifeprozess per Bildungsgutschein?21.02.2003

Reifeprozess per Bildungsgutschein?

Interview mit Clemens Himpele vom Aktionsbündnis gegen Studiengebühren

<strong>Das Studium: Ausbildung oder Reifungsprozess? Für Clemens Himpele ist es beides. Der Student der Wirtschaftswissenschaften engagiert sich als Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren. Im Interview mit Campus und Karriere argumentierte Himpele gegen ein Schmalspurstudium. </strong>

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Leider werde das Studium immer mehr zu einer Anreicherung von Humankapital, die nur noch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen soll. "Das sehe ich mit einem weinenden Auge", offenbart Himpele, und befürchtet, dass die Debatte um die neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse diese Sichtweise weiter vorantreibt.

Muss den ein Studium notwendigerweise immer gleich einen Grundkurs in demokratischer Theorie und Praxis bieten? Nicht unbedingt, meint Himpele. Wenn jemand sein Studium schnell abschließe, womöglich gerne saftige Studiengebühren zahle und alles als Investition für den Arbeitsmarkt begreife, sei das nicht schlimm. Schließlich dächten wahrscheinlich 90 Prozent in Himpeles eigenem Fach, den Wirtschaftswissenschaften, genau so. "Das finde ich völlig legitim. Das Problem ist nur, dass man alle anderen zwingt, es genau so zu tun." Schließlich gibt es viele Studenten - gerade in den Geisteswissenschaften - , die ihr Studium auch als persönlichen Reifungsprozess begreifen. Und der lasse sich eben nicht in einer festgelegten Anzahl von Bildungsgutscheinen ausdrücken.

Das gilt in der Uni wie in der Gesellschaft, meint Himpele. Eine Demokratie lebt nur fort, "wenn möglichst viele Leute eine breite Bildung haben." Denn die Menschen müssten begreifen, warum sie über bestimmte Themen diskutieren, warum sie bestimmte Positionen einnähmen.

Dass man Kritikfähigkeit und demokratische Grundhaltungen nicht nur im Studium lernen kann, ist auch Himpele klar. "Aber derzeit ist die Hochschule der einzige Ort, wo das - wenn überhaupt - noch geschieht!". Und das müsse unterstützt werden, zumal Kritikfähigkeit und Werte von den Professoren nur noch selten vermittelt würden. Verständlich - denn wer hat schon Lust, nach der Korrektur von 800 Klausuren noch Extrakurse in Staatsbürgerkunde zu geben?

Das Interview führte Patrick Honecker.

Link: Aktionsbündnis gegen Studiengebühren

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