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StartseiteCampus & KarriereSprache ist der Schlüssel zur beruflichen Integration05.10.2017

Reihe: Deutsch lernenSprache ist der Schlüssel zur beruflichen Integration

Die Integration in ein neues Land gelingt am besten, wenn man einen Job, ein regelmäßiges Einkommen und viel Kontakt zu neuen Kollegen hat, die vielleicht sogar Freunde werden. Das klappt nur, wenn man die Sprache gut beherrscht - und es ist doch nicht alles.

Von Friederike Müllender

Mann an einer Tafel (dpa/picture-alliance/Marjan Murat)
Bei der Integration in die Arbeitswelt spielen neben der Sprache auch noch kulturelle Unterschiede eine große Rolle (dpa/picture-alliance/Marjan Murat)
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Jahrelang hat Benoi Sei erfolgreich als Buchhalterin in einem großen Hotel gearbeitet, und später hat sie sogar eine eigene Boutique eröffnet. Doch heute drückt sie erneut die Schulbank, auf dem Stundenplan steht dabei nur ein einziges Fach: Deutsch. Vor rund einem Jahr ist Benoi Sei aus dem Senegal nach Deutschland gekommen. Hier muss sie noch mal völlig von vorne anfangen, denn sie spricht kaum Deutsch. Eine Arbeit zu finden ist schwer, mehrere Hotels haben sie trotz ihrer jahrelangen Erfahrung abgewiesen, also hat sie als ungelernte Altenpflegerin eine ältere Frau betreut.

"Das ist ein bisschen kompliziert, die alte Frau spricht nicht Französisch, ich spreche nicht gute Deutsch, aber sie spreche für mich langsam.

Mit Händen, Füßen und viel Geduld klappt die Verständigung, richtige Gespräche sind aber noch nicht möglich. Damit das bald besser geht, übt Benoi Sei täglich mehrere Stunden Deutsch. Im November hat sie ihre nächste Prüfung. Sie hofft, bald so gut zu sein, dass sie eine Ausbildung als Krankenschwester anfangen kann.

Ein Deutschbuch mit 950 Seiten Fachbegriffen

Einen Schritt weiter ist da schon Mikael Moradzahdeh aus dem Iran. Er ist eigentlich gelernter Informatiker und LKW-Fahrer, in Köln hat er jetzt seine Ausbildung als Busfahrer für die Kölner Verkehrsbetriebe erfolgreich abgeschlossen.

"Zunächst bei mir war es ganz schwierig, ich konnte nicht manche Wörter auf Deutsch, aber die KVB und das Jobcenter haben uns geholfen."

950 Seiten dick ist sein Deutschbuch mit Fachbegriffen, die er für seine Ausbildung braucht. Er hat es komplett durchgearbeitet, denn er wollte unbedingt schnell einen Job haben, um sich in Deutschland richtig zu integrieren und neue Bekanntschaften zu machen, etwa mit seinen neuen Kollegen.

Kollegen helfen bei Fragen 

"Der Kollege und die Kollegin, alle sprechen prima, die sind ganz hilfsbereit und wenn ich etwas nicht verstanden habe, habe ich Bescheid gesagt." 

Täglich übt er Deutsch und spricht viel mit seinen Fahrgästen im Bus, immer klappt die Verständigung aber nicht.

"Einmal ist eine Frau eingestiegen und die Frau ist zu mir gekommen und hat mich gefragt, aber sie hat auf Kölsch gesprochen und ich habe gesagt Entschuldigung, vielleicht könnten sie auf normale Deutsch sprechen (lacht)."

Seine Ausbildung als Busfahrer hat ihm der sogenannte "Integration Point" in Köln besorgt. Die Mitarbeiter vor Ort kümmern sich vor allem um geflüchtete Menschen, die Arbeit suchen. Einer der Arbeitsvermittler dort ist Thomas Adamec. Und für ihn ist eines ganz klar:

"Die Sprache ist das absolut Entscheidende, weil darüber kommuniziert wird und wenn keine Kommunikation stattfindet, kann keine Arbeitsanweisung stattfinden und dementsprechend keine Arbeit verrichtet werden.

Ohne ein gewisses Sprachniveau kein Job

Auch dann, wenn man sie auf der Arbeit selbst vielleicht gar nicht so unbedingt braucht.

"Wie zum Beispiel auf dem Bau: Auch wenn er nur die Zementsäcke schleppt, muss dennoch eine Sicherheitseinweisung vollzogen werden und wenn er diese nicht versteht, macht sich der Arbeitgeber strafbar."

Thomas Adamec empfiehlt daher, sich erst mal vor allem der Sprache zu widmen und in den Sprachkursen mindestens den Stand A2 zu erreichen. Erst dann sei es sinnvoll, sich einen Job zu suchen.

Oder man macht es wie Alexandre de Castro, der Brasilianer kam der Liebe wegen nach Deutschland und arbeitet von hier aus als Webentwickler für eine Schweizer Firma.

Fünf Minuten zu spät: "Das hätte mich fast den Job gekostet" 

"Mein Chef kann sehr gut Englisch sprechen, deswegen brauche ich kein Deutsch für meine Arbeit, aber wenn man direkt Kundenkontakt hat, braucht man gutes Deutsch. Ich programmiere, ich brauche meinen Mund nicht, aber wenn man eine komplette Integration will, dann Deutsch ist sehr wichtig."

Doch die Sprache allein reicht noch nicht, um sich in Deutschland gut in die Arbeitswelt zu integrieren, das weiß Alexandre de Castro aus eigener Erfahrung: 

"Ich hatte einen Termin mit diesem Kunden und er hat mir gesagt, pünktlich sein! Und ich war fünf Minuten zu spät für diese Termin und er hat mir gesagt, das ist nicht so toll und diese fünf Minuten hätten mir fast meinen Job gekostet."

Bei der Integration in die Arbeitswelt spielen also auch noch die kulturellen Unterschiede eine große Rolle. Der Schlüssel zur beruflichen Integration bleibt jedoch die Sprache, ohne sie ist die Kommunikation mit Chefs, Kollegen und Kunden kaum möglich. Gelungene Integration beginnt mit Vokabeln und Grammatik.

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