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StartseiteBüchermarktDigitalkultur ist Demokratie02.08.2019

Reihe "Digitale Bildkulturen"Digitalkultur ist Demokratie

Die Digitalisierung hat einen "iconic turn" mit sich gebracht: Bilder sind heute viel präsenter und viel leichter verfügbar als früher. Die Kulturwissenschaftler Annekathrin Kohout und Wolfgang Ullrich geben im Verlag Klaus Wagenbach eine neue Schriftenreihe zum Thema heraus.

Stefan Koldehoff im Gespräch mit Dina Netz

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Buchcover der Reihe „Digitale Bildkulturen“, links: "Netz-Feminismus", rechts: "Selfies" (Buchcover: Verlag Klaus Wagenbach)
Mit den Bänden "Netz-Feminismus" und "Selfies" startet die neue Reihe "Digitale Bildkulturen" (Buchcover: Verlag Klaus Wagenbach)

Auf Neuerungen reagiert die Kunstgeschichte so langsam wie kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin. Die internationale Nachkriegskunst zum Beispiel steht in vielen Universitäten nach wie vor nicht auf dem Lehrplan. Umso erfreulicher ist die neue Buchreihe, die der Verlag Klaus Wagenbach nun begonnen hat.

In den bislang zwei Bänden, denen weitere folgen sollen, beschreiben kompetente Bild- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler das Phänomen "Digitale Bildwelten" – und damit die Veränderung der visuellen Kultur, die das Internet ausgelöst hat. In den ersten beiden Bänden der gleichnamigen Reihe setzen sich die beiden Herausgeber Wolfgang Ulrich und Annekathrin Kohout mit "Selfies" und "Netz-Feminismus" auseinander. Ullrich ordnet die fotografischen Amateurbilder der eigenen Person in die Jahrhunderte alte Tradition der Selbstporträts ein. Gleichzeitig befreit er sie vom Vorwurf, "Selfie"-Autorinnen und Autoren seien narzisstische Persönlichkeiten. Wer selbstverliebt empfinde, wolle sein Abbild in der Regel nicht mit Anderen teilen.

Zivilgesellschaftliche Emanzipation

Kohout erläutert, wie sich im vermeintlich harmlos-niedlichen Pop-Feminismus nicht nur ein ganz anderes, nicht mehr auf Abgrenzung zu vorgegebenen Idealen beruhendes Selbstbewusstsein ausdrückt. Sie erinnert auch an den eigentlich so selbstverständlichen Umstand, dass die autonome Entscheidung darüber, was in welcher Form überhaupt bildwürdig sei, heute keinerlei vermeintlichen Normen mehr unterliegen kann.

Beide Autoren beschränken sich in ihren klugen, sehr gut verständlichen Essays nicht auf ästhetische Phänomene. Sie begreifen ihre Themen zu recht auch als gesellschaftliche und politische Bewegungen: Über beide demokratische Bildkulturen äußert sich zivilgesellschaftliche Emanzipation von tradierten Bildformen.

Annekathrin Kohout: "Netzfeminismus"
Reihe Digitale Bildkulturen
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin. 80 Seiten mit Abbildungen, 10 Euro.

Wolfgang Ullrich: "Selfies"
Reihe Digitale Bildkulturen
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin. 80 Seiten mit Abbildungen, 10 Euro.

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