Montag, 02.08.2021
 
Seit 20:10 Uhr Musikjournal
StartseiteKultur heuteMuseumsleiter Hoffmann: Mit Kunst das Bewusstsein für den Klimawandel schärfen04.01.2021

Reihe "Innovationsmotor Kultur"Museumsleiter Hoffmann: Mit Kunst das Bewusstsein für den Klimawandel schärfen

Die Bildende Kunst soll auf gesellschaftliche Probleme hinweisen, sagte der Leiter des Kunstvereins Wolfsburg, Justin Hoffmann, im Dlf. So habe sein Museum unter dem Motto "Alles eine Frage der Energie" 2020 den Klimawandel aufgegriffen - ein Thema, das mindestens so wichtig sei wie die Pandemie.

Justin Hoffmann im Gespräch mit Stefan Koldehoff

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
(Kunstverein Wolfsburg e. V.)
Energie aus Fallobst - eine Installation von Ingo Schulz im Kunstverein Wolfsburg (Kunstverein Wolfsburg e. V.)
Mehr zum Thema

Climate Fiction & Co. Der Klimawandel als Randthema in der deutschen Literatur

Schriftstellerin Cornelia Funke „Es ist eigentlich realistischer, fantastisch zu schreiben“

Eine Lange Nacht vom Klima in der Literatur Der Planet schlägt zurück

Thomas Macho Kunst kann Klimawandel sichtbar machen

Was tragen Kunst und Kultur zur Entwicklung unseres Gemeinwesens bei? Und wo ist die Kultur sogar so etwas wie ein Innovationsmotor der Gesellschaft? Der Kunstverein Wolfsburg hat sich 2020 in seinen Ausstellungen mit dem Thema "Energie" auseinandergesetzt - und damit verbunden mit der drohenden Klimakatastrophe. "Dieses zweite große Thema ist mindestens so wichtig wie die Pandemie", sagte der Leiter des Kunstvereins Justin Hoffmann dazu im Dlf. Man habe mit den Ausstellungen das Bewusstsein für den Klimawandel schärfen wollen - gerade in Wolfsburg, wo die Automobilbranche derzeit auf E-Mobilität umschalte.

Innovationsmotor Kultur – Anstöße für eine bessere Gesellschaft: Die Pandemie hat die Kulturszene nicht nur finanziell hart getroffen, sie hat ihr auch die Sinnfrage gestellt: Was ist Kultur uns als Gesellschaft wert? Die Bedeutung von Kunst, Theater und Musik für unser Zusammenleben ist eine nicht messbare, aber gleichwohl unverzichtbare Größe. Wir blicken auf den Fortschritt durch Kultur und zeigen die Denk- und Diskussionsräume auf, die Kulturschaffende initiieren.

"Für gesellschaftlich bewusste Künstlerinnen und Künstler sind die ökologischen Auswirkungen des immer weiter steigenden Energiebedarfs ein vorrangiges Thema", so der Museumsleiter. Dabei verwies Justin Hoffmann auf Berechnungen, wonach der Energiebedarf bis 2040 voraussichtlich um 30 Prozent steigen wird. Daher müsse man versuchen, andere Energieformen zu finden, Energie zu sparen und nachhaltiger zu arbeiten. Komplexe Inhalte, die "in der Kunst aber auf den Punkt gebracht" würden - als sinnliches Erlebnis.

  (imago images / Chris Emil Janssen) (imago images / Chris Emil Janssen)Musik und Klima - Konzertreisen neu denken
Die Klassikbranche wird immer grüner. Viele Musikprojekte und Konzerte setzen mit vielen Ideen auf Nachhaltigkeit und einen kleineren CO2-Fußabdruck. Der Einstand hat den Klimacheck gemacht.

Kunst gespeist aus Solarenergie

Vor allem in Form von Aktionskunst findet laut Hoffmann die Auseinandersetzung von Kunstschaffenden mit dem Thema Energie und Klimawandel statt. Aber auch Installationen spielten eine wichtige Rolle. Als Beispiel nannte der Museumsleiter eine Ausstellung über technische Kunst, deren Werke ohne Strom aus der Steckdose funktionierten. Aus Solarenergie wurden etwa zwei Soundinstallationen im Schlosspark Wolfsburg gespeist. In einer weiteren Installation habe Fallobst verschiedene Geräte gesteuert.

Das Thema "Energie" habe in der Kunst Tradition, nicht nur bei Joseph Beuys, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, so Hoffmann. 

  (dpa-Zentralbild / ZB / Britta Pedersen) (dpa-Zentralbild / ZB / Britta Pedersen)Kunst und Klima - "Ich habe nie den Zeigefinger erhoben"
Ausstellungen in London, New York und Tokio sowie Performances weltweit. Tino Sehgal ist ein wichtiger Akteur der globalen Kunstszene. Seit vielen Jahren versucht er, klimafreundlich zu reisen. Lange galt er als "Künstler mit einer Macke". 2019 hat sich das Bild gewandelt.

"Ich glaube, dass es zur Bildenden Kunst gehört, sich mit Fragen der Gesellschaft auseinanderzusetzen und dabei auf Defizite hinzuweisen", erklärte der Leiter des Wolfsburger Kunstvereins. Dabei gehe es nicht so sehr um Diskurse, die ohnehin im Mittelpunkt stünden, sondern vor allem um Probleme und Diskurse "außerhalb des normalen Blicks".

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk