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StartseiteFirmenporträtLandwirtschaft auf Mond und Mars02.08.2019

Reihe "Up, up to the Moon" (5) OHB-Tochter Blue HorizonLandwirtschaft auf Mond und Mars

Mond und Mars sind lebensfeindlich. Nichts gedeiht dort. Oder doch? Eine Tochterfirma des Bremer OHB-Konzerns will Wege finden, um Planeten fruchtbar zu machen.

Von Godehard Weyerer

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Bremen Pressedienst Bremen Technologiepark Bremen OHB Systems, Blue Horizon, Dr. Klaus Slenzka Wissen aus dem All fŸr das Leben auf der Erde Kšnnen die unwirtlichen Bšden von Mond und Mars genutzt werden, um Pflanzen zu zŸchten? Das Startup-Unternehmen Blue Horizon Ð eine AusgrŸndung von OHB Systems Ð hat bereits erfolgreich Mondgestein bepflanzt, um diese Frage zu klŠren. Die Antwort nutzt direkt den Menschen auf der Erde: Blue Horizon will die Erkenntnisse nutzen, um WŸsten zu begrŸnen. Prof. Slenzka mit einer Schale mit Pflanzen die in Erde gezŸchtet sind die auf dem Mars vorzufinden ist. Die grŸne FlŸssigkeit ist ein Algenansatz der fŸr die Kultivierung der Erde als 'Starter' eingesetzt wird. (Wirtschaftsförderung Bremen)
Klaus Slenzka mit den Mikroalgen, die den Mondstaub fruchtbar machen sollen (Wirtschaftsförderung Bremen)

Die nächste bemannte Mond-Mission steht an; in drei Jahren – im Sommer 2022 - soll es soweit sein. Mit dabei sind auch Bremer Unternehmen. Airbus baut das Versorgungsmodul, das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB fertigt Teile der Treibstofftanks für eine Schwerlast-Trägerrakete, die bis zu 26 Tonnen zum Mond bringen kann. Leben auf dem Mond und dem Mars, dieses Ziel hat sich auch ein vor einem Jahr gegründetes Tochterunternehmen der OHB zum Ziel gesetzt. Blue Horizon heißt das Start-Up-Unternehmen. Blauer Horizont. Der Name ist Programm, erklärt OHB-Chef Marco Fuchs.

"Ja, wie der Name schon vermuten lässt, geht es um Wasser und Leben. Es ist natürlich so, dass man in einer lebensfeindlichen Umgebung wie auf dem Mond ganz besondere Systeme haben muss, damit ein Leben und Überleben überhaupt möglich ist. Das hat sich Blue Horizon zum Ziel gesetzt, dabei behilflich zu sein".

Im Mondstaub kann nichts wachsen  - oder doch?

Blue Horizon wurde 2018 gegründet. Zuerst in Luxemburg, wenig später in Bremen. 13 Mitarbeiter zählt das Start-up-Unternehmen. Klaus Slenzka ist einer von ihnen. Er leitet in Bremen die Abteilung Life Science.

"Ja, sagen wir, wir gehen da rein…"

Er und sein Team arbeiten im Labor an biologischen Strukturen, die es ermöglichen, auf dem Mond oder dem Mars Lebensmittel anzubauen.

"Man kann natürlich Erde mitnehmen, aber Mitnehmen ist teuer und kostet viel Geld, also muss ich dort, wo ich hingehe und etwa auf dem Mond lange bleiben will, Pflanzen züchten können".

Klaus Slenzka hält in der Hand ein Laborgefäß aus Glas, festverschlossen und halb gefüllt mit einer tiefschwarzen, feinporigen Masse.

"Und wenn Sie sich dieses Mondgestein hier mal anschauen, so sieht das aus, das ist Mondstaub. Der ist von den physikalischen Eigenschaften komplett ungeeignet als Boden. Der setzt sich zusammen aus Eisenoxyd, Titan, verschiedene Oxyde. Sie haben auf dem Mond Nanopartikel, die ganz winzig sind und scharfkantig sind. Und da sieht man einfach, dass die Wurzeln werden penetriert und zerrissen und die Wurzelhärchen werden abgeschert, also es kann nichts wachsen".

Die Lösung des Problems sind Algen, grüne Mikroalgen. Sie umschließen die scharfkantigen Mondstaubpartikel und entschärfen sie so. Auf dem Labortisch vor Klaus Slenzka stehen drei kleine Glasschalen, aus denen Kresse sprießt. Ein erster Erfolg.

"Hier sehen Sie, die Pflanzen können auskeimen und auf einmal können sie darauf wachsen, weil die scharfen Nanopartikel gebunden sind".

Gemüse und Medizin fürs Leben im All

Doch mit Kresse allein ist an ein Leben im All, auf dem Mond oder dem Mars nicht zu denken. Da müssen höherwertige Pflanzen her. Salat, Tomaten, Gurken, Radieschen.

"Da müsste man natürlich den Boden deutlich dicker machen. Aber das Prinzip bleibt das gleiche, das geht. Auch hier ist es ein sehr anwendungsorientiertes Vorgehen, weil was wir für den Mond beforschen, setzen wir momentan schon in Burkina Faso und in der Mongolei ein zur Wüstenbegrünung".

Neben der Aufzucht von Pflanzen im Weltall ist das 3D-Bioprinting-Verfahren ein zweiter Forschungsschwerpunkt von Blue Horizon, der jungen Tochterfirma des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB.

"Wenn Sie auf dem Mars sind und Sie verbrennen sich, woher bekommen sie die Haut, um Ihre Verbrennungen zu heilen. Sie können aus Ihrem Blutserum die Zellen generieren und dann eben Haut drucken und diese dann transplantieren. Genauso Knochen. Das hier zum Beispiel ist ein gedruckter Mittelhandknochen. Wenn sie sich die Hand zerquetschen und der Knochen ist definitiv nicht mehr reparabel, dann kann man den einsetzen, das ist Kaliumphosphat und Knochenzellen, der würde dann eins zu eins einwachsen".

Die Europäische Weltraumbehörde ESA hat das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB zudem den Auftrag erteilt, die Möglichkeiten von 3D-Druckverfahren für den Aufbau einer Mondbasis zu erforschen. Verantwortlich hierfür ist Marco Berg.

"Auf dem Mond hat man zum Beispiel das Problem der Strahlung. Zumindest könnte man eine Behausung durch eine Art Bunkerstruktur schützen. Auf dem Mond hat man Mondstaub, Regolith. Wenn man das Regolith dazu nutzen könnte, damit 3D-Druckstrukturen herzustellen, das wäre der ideale Fall, dass man mit Sonnenlicht dieses Regolith sintert".

Was den Mond ergrünen lässt, hilft auch den Wüsten der Welt

OHB investiert in das junge Start-up-Unternehmen einen kleinen einstelligen Millionenbetrag, verrät Konzern-Chef Marco Fuchs. Irgendwann müssen sich die Forschungsergebnisse in den Auftragsbüchern niederschlagen. Sonst werden die Aktionäre ungeduldig. Berechtigte Hoffnungen bieten die Zukunftsmärkte im Bereich regenerativer Medizin und der Bekämpfung weltweiter Wüstenbildung. Nicht zu vergessen: im Weltall lassen sich wertvolle Ressourcen abbauen. Stichwort Weltraumbergbau.

"Die Faszination, die dieses Thema hat, zeigt sich darin, dass viele Player, viele Länder aber auch privatwirtschaftliche Organisationen wirklich einen Haufen Geld in diese Dinge investieren".

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