Donnerstag, 22.04.2021
 
Seit 06:00 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheSchrumpfen ist kein Geschäftsmodell04.03.2021

Rekordverluste bei der LufthansaSchrumpfen ist kein Geschäftsmodell

Womöglich sind Geschäftsreisen für die Lufthansa ein Auslaufmodell, kommentiert Klemens Kindermann das schlechteste Ergebnis der Firmengeschichte. Ein neues Geschäftsmodell ist aber nicht in Sicht. Das heißt im Klartext: Die Lufthansa muss kleiner werden.

Ein Kommentar von Klemens Kindermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Airbus A330-300 der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa, mit Beinamen/Taufname Siegen, kurz nach dem Start von der Centerbahn (picture alliance / Wolfgang Minich)
Die Lufthansa legt einen Rekordverlust hin, neue Geschäftsfelder sind nicht in Sicht, kommentiert Klemens Kindermann (picture alliance / Wolfgang Minich)
Mehr zum Thema

Ziegler (Ökonomin) "Lufthansa ist für die aktuelle Krise viel zu groß dimensioniert"

Lufthansa Sorge vor einem Scheitern des Rettungspakets

Finanzhilfe für Lufthansa "Der Staat braucht einen großen Plan"

Radikaler Stellenabbau geplant "Der Schritt ist alternativlos, damit Lufthansa überlebt"

Es ist so schlimm gekommen wie erwartet, aber das macht es nicht besser: Die einstmals stolze Lufthansa fährt im Corona-Jahr 2020 das schlechteste Ergebnis ihrer Firmengeschichte ein. Was bleibt dem Management übrig, als auf das Jahr 2021 zu setzen, auf eine Erholung des Flugverkehrs, auf Testnachweise und digitale Impfpässe, kurz: auf das Prinzip Hoffnung?

Aber die bittere Realität ist eine andere: Vorstandschef Carsten Spohr spricht heute von einer "Redimensionierung". Das ist wahrscheinlich im Managersprech positiv und agil gemeint. Es heißt aber im Klartext: Die Lufthansa muss kleiner werden, muss die Mitarbeiterzahl reduzieren, Flugzeuge verkaufen oder verschrotten, Slots und Standorte aufgeben. Wer nur einmal im Leben Lufthansa geflogen ist, hat etwas mitgenommen vom Stolz der Lufthanseatinnen und Lufthanseaten auf ihre Arbeit und ihr Unternehmen. Es wird also schwer werden.

Warum Fliegen, wenn Meetings auch virtuell gut gehen?

Das Schlimme: Schrumpfen ist kein Geschäftsmodell. Wem will die Lufthansa zu Diensten sein, wenn Videokonferenzen so perfektioniert sind, dass Geschäftsleute sich fragen, warum sie anstrengende Flüge um die halbe Welt auf sich nehmen sollen, wenn die Ergebnisse in den meisten Fällen auch genauso gut virtuell erzielt werden können.

Lufthansa-Flieger stehen still, 06. Mai 2020 in Frankfurt am Main (dpa / Boris Roessler) (dpa / Boris Roessler)Rettungspaket für die Lufthansa - Wie viel Staat muss sein?
Mit neun Milliarden Euro rettet die Bundesregierung die Lufthansa, um eine drohende Insolvenz zu verhindern. Trotz dieser milliardenschweren Staatshilfe steht das Unternehmen vor harten Einschnitten, besonders beim Personal. Ein Überblick über das Rettungspaket, Bedingungen und mögliche Auswirkungen.

Welche – vor allem junge - Managerinnen und Manager nehmen nicht gerne die moralischen Vorzüge der Nachhaltigkeit in Anspruch, wenn sie auf das Fliegen verzichten? Und die sozialen Vorzüge, wenn es Orte gibt, an denen sie Familie und Beruf besser vereinbaren können als alleine im Flugzeugsitz? Ihre Arbeitgeber indes freuen sich über den Effizienzgewinn durch die gewonnene Arbeitszeit.

Geschäftsreisen könnten ein Auslaufmodell sein

Die Lufthansa als beflissene Begleiterin exklusiver Geschäftsreisen könnte ein Auslaufmodell sein. Und ein neues Geschäftsmodell ist nicht in Sicht. Wenn das Management jetzt die Urlaubsreisenden in den Blick nimmt, ist das keine Lösung. Hier ist der Wettbewerb zu groß: Als Billig-Airline wird die Lufthansa wohl kaum bestehen.

Auch die Kombination von Reisen mit weniger Passagieren und dafür viel Fracht ist keine Lösung auf Dauer. Es stimmt, im Frachtbereich verdient die Lufthansa noch Geld. Aber die Umrüstung der noblen Passagierairline in eine Flugspedition wäre ein Wagnis.

Auf jeden Fall wäre es nicht mehr die Lufthansa, die wir als den stolzen Kranich der Lüfte kennen.

 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft und seit 2012 stellvertretender Chefredakteur beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk