Die Nachrichten
Die Nachrichten

ReligionBreite Würdigung des gestorbenen Theologen Küng

Der Theologe Hans Küng am 17.03.2015 in beim Tübinger Presseclub (dpa / Daniel Naupold)
Der Theologe Hans Küng ist gestorben. (dpa / Daniel Naupold)

Der Theologe Hans Küng ist mit 93 Jahren in Tübingen gestorben. Der gebürtige Schweizer galt nicht nur im deutschsprachigen Raum als einer der bekanntesten Kirchenkritiker unter den katholischen Theologen. Bekanntheit über Kirchenkreise hinaus erlangte Küng, als ihm Rom die Lehrerlaubnis entzog, unter anderem wegen Kritik an der Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes. Aus Kirche und Politik kamen zahlreiche Würdigungen.

Bundespräsident Steinmeier bezeichnete Küng als "brillanten Denker mit scharfem Verstand". Er habe "über Jahrzehnte hinweg weltweit den Ruf unseres Landes als Ort von Theologie und Universitätsgelehrsamkeit gestärkt". Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann sagte, Küng sei zeitlebens für den Dialog der Religionen und Kulturen eingetreten.

Die Deutsche Bischofskonferenz nannte Küng einen anerkannten und streitbaren Forscher. "Hans Küng hat es sich nie nehmen lassen, für seine Überzeugungen einzutreten. Auch wenn es diesbezüglich Spannungen und Konflikte gab, danke ich ihm in dieser Stunde des Abschieds ausdrücklich für sein jahrelanges Engagement als katholischer Theologe in der Vermittlung des Evangeliums", erklärte der Konferenzvorsitzende, der Limburger Bischof Bätzing.

Die Organisation "Wir sind Kirche" verwies auf Küngs "lebenslange Beharrlichkeit in der Erneuerung der römisch-katholischen Kirche sowie seinen Einsatz für die Ökumene und den Dialog der Weltreligionen". Das von Küng ins Leben gerufene "Projekt Weltethos" würdigte den Theologen als Visionär. Er habe seit Jahrzehnten daran gearbeitet, mit der Weltethos-Idee Verantwortung in der Wirtschaft und Frieden zwischen den Kulturen zu fördern.

Auch die Universität Tübingen bekundete ihre Trauer. Rektor Engler betonte, mit Küng verliere die Hochschule "einen produktiven Forscher, einen überaus schöpferischen Gelehrten und einen exzellenten Theologen".

Schnelle Karriere bis zum Entzug der Lehrerlaubnis

Küng wurde nach dem Studium in Rom mit gerade einmal 32 Jahren jüngster deutschsprachiger katholischer Theologieprofessor. Zwei Jahre später ernannte ihn Papst Johannes XXIII. zu einem von nur drei deutschen Beratern auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil – zusammen mit Karl Rahner und Joseph Ratzinger. Von 1960 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war er Theologie-Professor an der Eberhard Karls Universität in Tübingen, zuletzt für Ökumenische Theologie. 1979 aber entzog ihm der Rottenburger Bischof Georg Moser in Absprache mit Rom die katholische Lehrerlaubnis. Hintergrund war ein zuvor von beiden Seiten hart geführter Disput um Küngs Buch: „Unfehlbar – eine Anfrage“, in dem er das Amt des Papstes unter die Lupe nahm.

"Große Befreiung"

Dieser Schritt aber brachte Küng größere Bekanntheit ein und öffnete ihm auch thematisch neue Türen, wie es in einem Porträt zu Küngs 90. Geburtstag im Deutschlandfunk hieß: "Er widmete sich nämlich von nun an – als Direktor des unabhängigen Tübinger Instituts für ökumenische Forschung – den großen Weltreligionen, gründete die 'Stiftung Weltethos', die sich dem Gespräch und der Versöhnung zwischen den Religionen und Konfessionen widmet, drehte mit dem Südwestrundfunk die siebenteilige Fernsehserie 'Spurensuche' über die Weltreligionen und sprach im November 2001 vor der UNO.

Auch Küng selbst sprach von einer "großen Befreiung, die Öffnung für völlig neue Gebiete, Probleme, Menschen sein würde. Aber im Nachhinein kann ich tatsächlich sagen: Ich fühle doch, dass Seine Hand mich geleitet hat. Dass ich dankbar bin über diesen zwar schwierigen, aber doch letztlich fruchtbaren Weg.“

Hans Küng sah sich als "loyalen katholischen Theologen". Seine Bücher mit Millionenauflage wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. 2015 begann der Herder Verlag eine auf 48 Bände angelegte Herausgabe seiner gesammelten Werke. Zu den bekanntesten Büchern zählen neben "Unfehlbar?" "Christ sein", "Existiert Gott?" und "Projekt Weltethos".

Diese Nachricht wurde am 07.04.2021 im Programm Deutschlandfunk gesendet.