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StartseiteKommentare und Themen der WocheKramp-Karrenbauer empfiehlt sich mit Machtgewinn und Machterhalt07.11.2018

Rennen um den CDU-ParteivorsitzKramp-Karrenbauer empfiehlt sich mit Machtgewinn und Machterhalt

Der Wille, Politik pragmatisch und kompromissfähig zu gestalten, sei der Kitt, der die CDU als Union stets zusammengehalten habe, kommentiert Stephan Detjen. Je mehr sich die Partei daran erinnere, desto größer seien die Chancen für Annegret Kramp-Karrenbauer, die Nach-Merkel-Ära einzuleiten.

Von Stephan Detjen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDU) und Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Generalsekretärin, nehmen an der Sitzung des CDU-Vorstands im Konrad-Adenauer-Haus teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Mögliche Nachfolgerin und Vorgängerin - doch nicht so ähnlich wie gedacht? (dpa)
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Mit einer Beobachtung hatte Annegret Kramp-Karrenbauer heute in jedem Fall recht: All diejenigen sind widerlegt, die stets behaupteten, in der CDU gebe es außer "Merkel, Merkel und Merkel" nur noch eines, nämlich "Merkel" (Zitat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet). Von einem Dutzend Kandidaten ist die Rede. Zwei könnten sich (Stand heute) ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern: Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Wer sich am Ende durchsetzt, wagen im Augenblick selbst Insider und langjährige Beobachter der Partei nicht vorherzusagen. Ausgerechnet die CDU, in der Personalentscheidungen über Generationen gern in Hinterzimmern und mit Einsatz von viel "Bimbes" ausgekungelt wurden, schickt sich an, die Merkel-Nachfolge in einem in jeder Hinsicht offenen Wettbewerb um Personen, Ideen, politische Stile und Konzepte auszutragen. Das kannte man bisher so nur von den Grünen.

Deutlichere Distanzierung von der Merkel-Ära als die Mitbewerber

In der CDU gehe eine "Ära" zu Ende, erklärte Annegret Kramp-Karrenbauer heute in ihrer ersten, öffentlichen Bewerbungsrede und demonstrierte mit dieser Aussage die Bereitschaft, nicht nur für Kontinuität, sondern auch für Neuanfang einzustehen. Was klingt wie eine Hommage an Merkel, die sich Merz und Spahn noch sorgsam verkniffen, ist in Wahrheit die bisher deutlichste Absetzbewegung von der Kanzlerin. Kramp-Karrenbauer spricht aus, dass es bei der bevorstehenden Zäsur nicht nur um den Parteivorsitz geht. Wer vom Ende der Ära Merkel spricht, hat das Kanzleramt im Blick. Merz strahlte das aus, ohne es zu sagen. Kramp-Karrenbauer hat jetzt offen benannt, worum es geht.

Welche inhaltlichen Weichenstellungen mit der Entscheidung für die Merkel-Nachfolge wirklich verbunden sind, ist im Augenblick nur vage zu erkennen. Nur Jens Spahn hat sich bislang konsequent als Protagonist eines neokonservativen Kurses profiliert, der in der Breite der Partei nicht genügend anschlussfähig ist. Friedrich Merz lässt sich als Wiedergänger eines überkommenen Neoliberalismus karikieren, der sich in die Welt des Finanzkapitals aus dem Staub machte, als er einsah, dass in der Politik für ihn kein Weg an Merkel vorbeiführte. Um zu erklären, was in den letzten 20 Jahren wirklich aus ihm geworden ist, nahm er sich bisher 20 Minuten für eine "Kurzpressekonferenz" Zeit. Da wird mehr kommen müssen.

"AKK" zeichnet sich durch Machtgewinn und Machterhalt aus

Kramp-Karrenbauer hat sich dagegen heute als bekannte Größe in der Politik empfohlen. Regierungserfahrung, Dienst an der Partei, eine monatelange Zuhör-Tour an der Basis waren die Schlüsselworte. Vor allem aber kann sie darauf verweisen, dass sie mit einem überraschenden Sieg bei der Landtagswahl im Saarland vor eineinhalb Jahren bewiesen hat, dass sie die Disziplin beherrscht, die für die CDU immer wichtiger war als ideologische Richtungskämpfe: Machtgewinn und Machterhalt.

Der Wille und die Fähigkeit, Politik pragmatisch und kompromissfähig zu gestalten, ist der Kitt, der die CDU als Union in ihrer Geschichte stets zusammengehalten hat. Je mehr sich die Partei daran erinnert, desto größer sind ihre Chancen für Annegret Kramp-Karrenbauer, die Nach-Merkel-Ära nicht nur einzuleuten, sondern zu gestalten.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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