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StartseiteKommentare und Themen der WocheCDU-Machtkampf wird an Schärfe eher zunehmen25.02.2020

Rennen um ParteivorsitzCDU-Machtkampf wird an Schärfe eher zunehmen

Der Machtkampf in der CDU ist durch die Bündelung der Kräfte von Laschet und Spahn noch nicht entschieden, kommentiert Stephan Detjen. Eine Äußerung von Kandidat Merz zu Clan-Kriminalität und Rechtsextremismus zeige deutlich, dass die CDU vor einer Richtungsentscheidung stehe.

Von Stephan Detjen

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Friedrich Merz (CDU) (dpa / Kay Nietfeld)
Der frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz nimmt einen neuen Anlauf, Parteichef der CDU zu werden (dpa / Kay Nietfeld)
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Gestern blickte die CDU-Führung noch in den offenen Abgrund. Es war ungewiss, ob der Wettstreit um die Nachfolge Annegret Kramp-Karrenbauers und die Kanzlerkandidatur zu einer Schlammschlacht mit offenem Ausgang werden würde.

Erst als allen eine brutale Selbstzerfleischung der Partei als reale Möglichkeit vor Augen stand, fanden Jens Spahn und Armin Laschet doch noch zu einem Team zusammen, das sich heute Morgen kurzfristig vor den bereits am Vorabend anberaumten Vorstellungstermin von Friedrich Merz in die Bundespressekonferenz schob. Die unmittelbar aufeinander folgenden Auftritte wurden zu einem politischen Spektakel mit der Qualität einer gut geschriebenen Netflix-Serie. Binge Watching CDU!

Friedrich Merz blieb die Rolle des diabolischen Verführers

Jens Spahn brillierte in der Rolle des verantwortungsbewussten Staatsmannes, der in der Stunde der Not eigene Interessen zum Wohle des Großen und Ganzen zurückstellt. Armin Laschet war der liebenswürdige Pate alter Schule, der die von Zerrüttung bedrohte Großfamilie mit Charme und Großmut zusammenhält. Friedrich Merz blieb die Rolle des diabolischen Verführers, der zugleich Hoffnung auf Zertrümmerung wie auf die Wiederherstellung alter Ordnungen predigt.

Der Machtkampf in der CDU ist durch die Bündelung der Kräfte von Laschet und Spahn noch nicht entschieden. Er wird an Schärfe eher zunehmen. Friedrich Merz gab einen Vorgeschmack darauf, als er das Team aus Ministerpräsident und Bundemsminister heute als "Kartell zu Schwächung des Wettbewerbs" bezeichnete. Er sieht sich selbst nicht erst seit der knapp verlorenen Wahl im Dezember 2018 als derjenige, dem der Führungsanspruch in der CDU eigentlich zusteht. Letztlich hält Merz die Entwicklung der CDU seit der Wahl Angela Merkels vor 20 Jahren für einen historischen Irrweg, den es jetzt zu korrigieren gilt.

CDU zurück in die 90er-Jahre?

Wie dezidiert Merz die CDU vor eine Richtungsentscheidung stellt, machte er heute deutlich, als er seiner Partei die verstärkte Thematisierung von Clan-Kriminalität und illegaler Migration als adäquate Reaktion auf rassistische Gewalttaten von Rechtsextremisten empfahl. Das ist die Politik, mit der die CDU der frühen 90er-Jahre das Ausländerproblem als Ursache der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen benannte.

Die CDU steht heute in aller Deutlichkeit und Drastik vor der Frage, ob sie in diese Logik zurückfallen will. Der Jubel der Merz-Anhänger und Meinungsumfragen belegen, dass die Antwort noch nicht gegeben ist. Mit dem Duo Laschet und Spahn aber hat die Partei nun eine Alternative, die mit ihrem Auftritt heute belegt, dass nach wie vor auch eine Integration der verschiedenen Strömungen, Generationen und weltanschaulichen Richtungen in der CDU möglich ist. Diese Kompromiss- und Integrationskraft, die disruptiven Kurswechseln und einseitigen Profilierungen entgegensteht, hat seit ihren Gründerjahren den Wesenskern der CDU ausgemacht. Es sieht heute nicht mehr so aus, als sei die Not der Partei so groß, dass sie sich dazu verleiten lassen könnte, diese Identität aufzugeben.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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