Freitag, 30.07.2021
 
Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Vorstoß wird im Schrank verschwinden08.06.2021

Rente mit 68Der Vorstoß wird im Schrank verschwinden

Das beste Rentenkonzept ist auch mit dem Vorstoß zum Ruhestand mit 68 nicht gefunden, kommentiert Volker Finthammer. Im Wahlkampf könne so ein Modell schnell nach hinten losgehen. Und die Ablehnung über alle Lager hinweg sei eindeutig. Die eine gute Lösung in der Rentendebatte gebe es nicht.

Von Volker Finthammer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Geld in Form von Münzen liegt auf einer Ablagefläche (picture alliance / Wedel/Kirchner-Media | Wedel/Kirchner-Media)
Selbst gute Rentenkonzepte halten nicht ewig, kommentiert Volker Finthammer - denn die äußeren Faktoren ändern sich zu schnell (picture alliance / Wedel/Kirchner-Media | Wedel/Kirchner-Media)
Mehr zum Thema

Bundesfinanzhof zur Renten-Doppelbesteuerung Ein Urteil mit drei Verlierern

Renten-Doppelbesteuerung Bundesfinanzhof weist Klage ab

Der Wahlkampf hat noch nicht richtig begonnen und schon liegt die Rente wieder auf dem Tisch. Dabei sollte die unabhängige Rentenkommission, die erst im vergangenen Jahr ihren Bericht vorgelegt hat, für eine gewisse Stabilität in dieser Frage sorgen, was sie mit dem Konzept der doppelten Haltelinien, wobei gewisse Grenzmarken, wie dem Versorgungsniveau auf der einen und den Beitragssätzen auf der anderen Seite nicht unter- oder überschritten werden dürfen, im Prinzip auch getan hat. 

Münzgeld und Scheingeld liegen in einem Glasbehälter. (picture alliance / Wedel/Kirchner-Media ) (picture alliance / Wedel/Kirchner-Media )Das steckt hinter dem Vorstoß zur Rente mit 68
Berater der Bundesregierung haben Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter in mehreren Schritten zu erhöhen. Die Hintergründe

Wobei allein Beteiligten klar war, dass in der Rente auch das beste Konzept in der Regel nur einige Jahre hält, weil äußere Faktoren sich schneller verändern als das jedem Rentenexperten lieb sein kann. So liegt in diesen Tagen auch die Riesterrente, die noch zu Beginn des Jahrtausends die große Ergänzung zur schrumpfenden gesetzlichen Rente sein sollte, faktisch am Boden, weil das Rendite versprechende Zinsumfeld schon seit geraumer Zeit nichts mehr hergibt, was auch nur irgendwie nach einer einträglichen Kapitalvermehrung aussieht, mit der man den Ruhestand absichern könnte.

Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats ist kein neuer

Und auf der anderen Seite geht auch die Pandemie nicht spurlos an den Einnahmen der Rentenversicherung vorbei, obwohl der Rentenbericht der Bundesregierung nach wie vor von einer stabilen Lage bis zum Jahr 2025 spricht. Die Praxis wird es zeigen. Der Vorstoß des wissenschaftlichen Beirats aus dem Wirtschaftsministerium ist kein wirklich neuer.

Axel Börsch-Supan, Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München, bei dem die Federführung des Gutachtens lag, hatte die Idee des späteren Renteneintritts bereits im Vorfeld der Rentenkommission als eine mögliche Option ins Spiel gebracht, um die längere Lebenserwartung in der Rente abbilden zu können. Die Kommission aber hat den Vorschlag nicht weiterverfolgt, sondern an der bislang geltenden Grenze von 67 Jahren festgehalten.

Kein gutes Thema für den Wahlkampf

Jetzt ist der Vorstoß mit Hilfe des Gutachtens wieder auf dem Tisch. Aber bislang stellte sich allein die FDP zumindest ein Stück weit auf die Seite der Gutachter. Ansonsten ist die die Ablehnung über alle Lager hinweg eindeutig. Selbst aus der AfD war das am Dienstag (08.06.21) zu hören. Das hat auch etwas damit zu tun, das die Rente im Wahlkampf auch schnell nach hinten losgehen kann. Denn die Wählerinnen und Wähler wissen nur zu gut, dass der Vorschlag im Kern bedeutet, dass man für die gleiche oder sogar noch eine geringere Rente länger arbeiten soll. Und wer das fordert, hat damit - selbst wenn es gut verpackt wird - kaum eine Chance in der Wählergunst.

Deshalb wird das Gutachten schnell im Schrank verschwinden. Die Absagen heute waren überdeutlich. Allein die Probleme kommen auf uns zu. Und klar ist in der Rente auch: Es gibt nicht die eine Lösung, mit der wir alle Sorgen loswerden können. Gerechte Rentenreformen erfordern viele Stellschrauben, damit am Ende niemand benachteiligt wird. 

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk