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StartseiteVerbrauchertippVor der Riester-Auszahlung frühzeitig informieren23.12.2019

RentenvertragVor der Riester-Auszahlung frühzeitig informieren

Zwischen verschiedenen Anspar-Varianten wählen, Zulagen prüfen, Raten anpassen: Ein Riester-Sparvertrag ist nicht einfach zu verstehen. Doch nicht nur bei der Ansparphase, auch bei der Auszahlung gibt es einiges zu beachten. Denn in einigen Fällen kann Riestern sogar kontraproduktiv enden.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Mann und eine Frau sitzen vor einem Stapel Unterlagen zusammen an einem Tisch und lesen einen Brief (gestellte Szene) (picture alliance/ dpa/ Christin Klose)
Kunden sollten sich mindestens fünf Jahre vor Rentenbeginn über die Auszahlformen ihres Riester-Vertrages informieren (picture alliance/ dpa/ Christin Klose)
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Der Staat gibt und der Staat nimmt. Dieser Leitspruch gilt besonders für die Auszahlung einer Riesterrente. Die Mittel, die die Sparer zur zusätzlichen Altersvorsorge aufwenden, verringern zwar seit 2005 mehr und mehr die eigene Steuerlast in der Ansparphase, dafür jedoch werden die Renten zunehmend steuerpflichtig. In der Regel dürften die meisten von dieser Umstellung profitieren, da im Rentenalter die Einnahmen geringer sind als im Erwerbsleben. Dennoch nicht einfach zu durchschauen, sagt Katharina Henrich, Rentenexpertin bei der Stiftung Warentest:

"Riester wird nachgelagert besteuert. Und recht oft beschweren sich Verbraucher auch bei uns, dass die Förderung praktisch durch die Steuern wieder vollständig aufgefressen würde. Das ist - Entwarnung - nicht der Fall: Aber es geht schon ein Großer Batzen der Förderung durch die nachgelagerte Versteuerung wieder verloren." 

Für die Auszahlphase kommen vier Varianten in Frage: Die Standardversion ist die lebenslange Rentenzahlung - je älter man wird, desto mehr hat sich "riestern" dann rentiert. Wer will, kann sich auch maximal 30 Prozent der Ansparsumme auszahlen und den Rest verrenten lassen. Ebenso ist es möglich, das Geld in Wohneigentum zu investieren. Und selbstverständlich könne man auch "förderschädlich" kündigen, allerdings müsste dann die gesamte Förderung zurückgezahlt werden.

Sparer sollten sich frühzeitig informieren

Riester-Sparer sollten sich somit frühzeitig um die für sie geeignete Auszahlform kümmern. Am besten schon ein paar Jahre vor Rentenbeginn. Zu diesem Zeitraum ist es auch noch möglich, an einigen Stellschrauben zu drehen. Ein Beispiel:

"Viele - vor allem Banksparplan-Sparer - sind sehr enttäuscht von dem Angebot für die Auszahlphase und möchten wechseln. Aber die Versicherer, die in der Regel eine meist bessere Auszahlrate bieten, nehmen nicht direkt zur Auszahlphase noch Kunden an, sondern die meisten doch nur mit fünf Jahren Vorlaufzeit." 

Auch wer das angesparte Riester-Geld in Wohneigentum investieren will, sollte rechtzeitig handeln, da diese Auszahlung bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen beantragt werden muss. Ohne Besteuerung funktioniert auch diese Variante nicht, aber:

"Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man ein Darlehen schneller zurückzahlt, sich somit die Kreditraten spart. Dann ist man flüssiger im Alter. Oder, dass man in einem altersgerechten Umbau investiert. Wenn man eine dieser Möglichkeiten hat, dann raten wir sehr stark dazu."

Riestern kann auch kontraproduktiv enden

Und leider kann es auch Riester-Fälle geben, die geradezu kontraproduktiv enden. Wenn nämlich das angesparte Guthaben zu Rentenbeginn sehr gering ist, weil der Vertrag zu spät begonnen wurde oder zwischenzeitlich geruht hat. Es geht um den Sonderfall einer Abfindung, sagt Warentesterin Katharina Henrich:

"Wenn also eine Rente herauskäme, die niedriger als 32 Euro im Monat wäre, dann bekommt man das Kapital auf einen Schlag ausgezahlt. Und steuerlich ist das sehr nachteilig. Weil das Einkommen dadurch natürlich in die Höhe geht, und man dadurch sehr hoch in diesem Jahr besteuert wird."

Tückisch vor allem für vergleichsweise gut situierte Rentenempfänger, da hier die Steuerlast mitunter sogar höher sein würde als die gesamte Riester-Förderung. In solchen Fällen kann sogar eine Kündigung günstiger sein.

Es hilft also nichts, sagt die Stiftung Warentest: Da jeder Steuerfall anders ist, sollten sich Riester-Sparer rechtzeitig vor der Auszahlphase einen Überblick verschaffen. Vor allem bei höheren Einkommen am besten mit Hilfe eines Lohnsteuerhilfevereins oder eines Steuerberaters.  

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