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StartseiteSprechstundeReportage: Knochenbrüche09.12.2008

Reportage: Knochenbrüche

Knochenbrüche heilen manchmal recht schnell, manchmal dauert es aber lange, bis der Patient oder die Patientin sich wieder normal bewegen kann. Letzteres erfährt gerade eine Frau aus Bergisch Gladbach, die sich bei einem Fahrradunfall einen Splitterbruch der linken Kniescheibe zugezogen hat. Die Kniescheibe wurde mit Schrauben und Drähten fixiert, sie kam in eine Reha-Klinik, daran anschließend besuchte sie eine Reha-Praxis.

Von Mirko Smiljanic

"So, Frau Sowa stellt sich das auf 70 Watt, ... "

... sagt Saskia Kreft, Diplom-Sportwissenschaftlerin in der Reha-Praxis Marienberg, Bergisch Gladbach. 70 Watt sind nicht viel, aber Renate Sowa soll sich auch nur ein wenig aufwärmen, ...

" ... es soll sich noch im angenehmen Rahmen befinden, also jetzt nicht die volle Leistung in den ersten zehn Minuten abrufen, es soll alles noch angenehm und gut machbar sein..."

Langsam strampelt sie los, rechts läuft alles flüssig, links aber hakt und knirscht es. Kein Wunder, ihre linke Kniescheibe wurde nach einem Splitterbruch mit zwei Drähten und drei Schrauben fixiert. Da ist jede Menge Metall auf engstem Raum verbaut.

"Ich merke eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit, ich merke, dass da dauerhaft sehr viel Spannung drauf ist, wenn ich es so auf dem Ergometer bewege."

Irgendwann werden die Drähte und Schrauben entfernt, doch das kann noch dauern. Bis dahin muss sie viel trainieren. Muskelaufbau, Beweglichkeit, das Gleichgewichtsgefühl. Letzteres am Posturomed, bekannter unter dem Namen Wackelplatte.

"Das Ziel ist jetzt, dass sie auf der Platte steht und die Platte sich nicht bewegt, ... "

... was leichter gesagt als getan ist, ...

"... ja gut, die Muskulatur ist natürlich nicht da, es braucht eine Zeit, bis man sich an diesem Gerät so auf sein Innerstes konzentriert hat, dass man das Gleichgewicht halten kann."

Nach ein paar Minuten klappt es aber schon recht gut, Saskia Kreft ist zufrieden.

" Hier sieht man, dass sie schon auf den Vorderfuß geht, auf den Ballen hoch, das ist schon sehr stabil, also das ist schon gehobenes Niveau, das sieht man nicht sehr oft, da ist sie schon sehr fit, was natürlich auch über das regelmäßige Training kommt. "

Grundsätzlich gilt: Nur wer regelmäßig übt, hat Erfolg! Dies gilt für junge wie für ältere Patienten.

"Das Ganze lebt von der Kontinuität, ich muss mir nach und nach meine Fähigkeiten wieder erarbeiten, antrainieren, und jedes Mal, wenn ich aufhöre über einen längeren Zeitraum, mach ich wieder Schritte in die andere Richtung und ich brauche wieder länger, um das Ganze zurückzuholen."

Für Renate Sowa hat das übrigens einen unangenehmen Nebeneffekt: Weil ihre Krankenkasse nur eine begrenzte Zahl von Reha-Stunden zahlt, ist ihr Kontingent mittlerweile erschöpft – obwohl sie noch nicht wirklich fit ist. Also bleiben ihr nur zwei Alternativen: humpeln oder selber zahlen.

" Ich werde mir jetzt ein Studio suchen, in dem ich ein ähnliches Training weiterführen kann, auf eigene Faust sozusagen, das heißt weiterhin Kraftaufbau, weil ich merke, die Kraft fehlt mir noch enorm, weiterhin die Beweglichkeit aufzutrainieren, da habe ich auch noch ein starkes Defizit, ich kann nur versuchen, irgendetwas zu finden, wo ich auch Fachleute habe, die mich entsprechend anleiten können auf privater Basis. "

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