Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

Reporter ohne GrenzenPressefreiheit in Gefahr

Ein Mann sprayt ein Bild von einer rot durchgestrichenen Kamera an eine Mauer (AFP)
Graffiti in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa (AFP)

Um die Pressefreiheit steht es weltweit schlechter als noch ein Jahr zuvor - zu diesem Ergebnis kommen die "Reporter ohne Grenzen". Nordkorea und Eritrea stehen wieder unten auf Liste, doch daneben fallen in diesem Jahr auch westliche Demokratien negativ auf.

In knapp zwei Dritteln der 180 untersuchten Länder hat sich die Lage laut dem Bericht der Reporter ohne Grenzen (ROG) verschlechtert. Deutschland bleibt im aktuellen Ranking der Organisation unverändert auf Platz 16. Die Organisation kritisiert allerdings, dass es in Deutschland erneut "erschreckend viele tätliche Angriffe, Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Journalisten gegeben habe". Zudem gerieten Journalisten auch hierzulande wegen ihrer Arbeit ins Visier der Behörden oder der Geheimdienste.

Rangliste und Weltkarte zur Lage der Presse- und Informationsfreiheit in 180 Ländern,  (picture-alliance/ dpa-infografik)Rangliste und Weltkarte zur Lage der Presse- und Informationsfreiheit in 180 Ländern (picture-alliance/ dpa-infografik)

Die Organisation betonten, wie medienfeindliche Ausfälle führender Politiker in westlichen Demokratien zur Verschlechterung der Lage weltweit beigetragen hätten: In Ländern wie den USA, Polen oder Großbritannien trügen Spitzenpolitiker ihre Geringschätzung gegenüber Journalisten offen zur Schau. Doch nicht nur das - auch der Ausbau von Überwachungsbefugnissen der Geheimdienste oder die Verfolgung von Whistleblowern behindern die Pressefreiheit.

ROG-Vorstandssprecher Michale Rediske sagte: "Besonders erschreckend ist, dass auch Demokratien immer stärker unabhängige Medien und Journalisten einschränken, anstatt die Pressefreiheit als Grundwert hochzuhalten." Demokratische Regierungen dürften den Autokraten der Welt durch Überwachungsgesetze oder demonstrative Geringschätzung unabhängiger Medien keinen Vorwand für ihre Repression gegen Journalisten liefern.

In den USA nehme die Verfolgung von Investigativ-Journalisten und Whistleblowern "besorgniserregende Ausmaße" an. Immer wieder würden Journalisten vor Gericht gestellt. Zudem distanziere sich Präsident Donald Trump mit seinen systematischen Verunglimpfungen kritischer Medien von der langen Tradition der USA als Hüterin der Pressefreiheit.

150 inhaftierte Journalisten in der Türkei

Repressionen gegen Journalisten sind laut ROG besonders in Ägypten, der Türkei, Burundi, Syrien, Libyen und dem Jemen ein Problem. In Krisenländern wie Syrien oder Libyen seien Journalisten tödlichen Gefahren ausgesetzt. Die Organisation betonte außerdem die verschlechterte Lage in der Türkei, die im Ranking vier Plätze abrutschte (Rang 155). Dort habe sich die Lage wegen der "beispiellosen Repressionswelle seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer erneut verschlechtert", so ROG. Sie erinnerte daran, dass dort etwa 150 Journalisten im Gefängnis sitzen und etwa 150 Medien geschlossen wurden. Auch in China (Platz 176) spielen Inhaftierungen eine Rolle: Dort sitzen laut ROG rund 100 Medienschaffende ein. Nur kurz vor der Türkei liegt Russland auf Platz 148. Medien warfen Russland zuletzt vor, die Arbeit von Journalisten während des Confederations Cups im Sommer einzuschränken. Verschlechtert habe sich die Lage auch in Ungarn. Das Land fiel um vier Plätze auf Rang 71 zurück. 

Positiv stellt sich die Lage in Nordeuropa dar: Auf den ersten drei Plätzen des Rankings liegen Norwegen, Schweden und Finnland. Den letzten Platz des Rankings belegt Nordkorea - hinter Turkmenistan und Eritrea. Ebenfalls weit hinten liegen Kuba (173), der Sudan (175) und Vietnam (174).

Das Ranking der ROG versucht, den Grad der Freiheit wiederzugeben, die Journalisten, Blogger und Medien in 180 Ländern haben. Ihre Grundlage ist ein Fragebogen, den die Organisation in 20 Sprachen an Journalisten, Juristen, Wissenschaftler und Menschenrechtler weltweit verschickt. Das neue Ranking bezieht sich auf das Jahr 2016.

(cvo/jcs)

Mehr zum Thema

Nachrichtenportal