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StartseiteInformationen am MorgenDie Trump-Anhänger wollen den Sturz von Liz Cheney07.05.2021

Republikaner im RepräsentantenhausDie Trump-Anhänger wollen den Sturz von Liz Cheney

Liz Cheney ist bislang eine der mächtigsten Frauen im US-Kongress. Doch inzwischen sieht es schlecht aus für die Republikanerin - Cheney hatte einige Male Ex-Präsident Donald Trump kritisiert und auch für das Impeachment gestimmt. Jetzt soll sie durch eine loyale Trump-Anhängerin ersetzt werden.

Von Doris Simon

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Die republikanische Abgeordnete Liz Cheney aus Wyoming hört einer Rede von US-Präsident Joe Biden zu. Die Anhänger seines Vorgängers Doinald Trump wollen sie inzwischen absetzen (dpa / AP Pool / Andrew Harnik)
Die republikanische Abgeordnete Liz Cheney (dpa / AP Pool / Andrew Harnik)
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Das Interview war vorbei, aber ein Mikrophon war noch an. Seither kann jeder nachhören, wie Kevin Mc Carthy, Chef der republikanischen Abgeordneten, wirklich denkt über seine Stellvertreterin Liz Cheney: Er habe die Nase voll von ihr.

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Er habe das Vertrauen in Cheney verloren, war McCarthy in ungewohnter Klarheit zu hören. jetzt müsse nur noch jemand einen Antrag einbringen. Dieses Mal will auch die republikanische Führung im Abgeordnetenhaus Cheney weghaben. Sie stört: Sie hat für Trumps Impeachment gestimmt und widerspricht bei jeder Gelegenheit, wenn Republikaner landauf landab behaupten, in Wirklichkeit habe Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen. In Interviews beteuert Kevin McCarthy, es gehe nicht um ihre Position und Cheneys Kritik an Trump. Es gebe in der Fraktion aber Zweifel, so der Fraktionsvorsitzende im Sender Fox News, ob die Frau aus Wyoming die Richtige sei um zu vermitteln, dass alle zusammenarbeiten müssten, statt sich gegenseitig anzugreifen.

Tatsächlich ist Trumps Lüge von der eigentlich gewonnenen Wahl zum Dogma geworden in der republikanischen Partei. Drei Viertel aller Wähler sind davon überzeugt. Viele Abgeordnete und einige republikanische Senatoren vertreten die Lüge offensiv, weil sie sie glauben oder weil sie Angst haben, bei nächster Gelegenheit nicht mehr aufgestellt zu werden. Bei internen Vorwahlen der Republikaner haben in den letzten Wochen nur Kandidatinnen gewonnen, die die Lüge vom Wahlbetrug wiederholten und auch sonst Donald Trumps ganze Unterstützung hatten.

Die Parteiführung ist verärgert

Liz Cheney reagierte wie immer ohne Umschweife: Hier gehe es darum, ob die Republikanische Partei die Lügen über die letzte Präsidentschaftswahl verewigen wolle und beschönige, was am 6. Januar passiert sei. Sie werde nicht lügen und nichts beschönigen, sagte Cheneys Sprecher. Genau das sei das Problem für die Partei. Das sieht auch der frühere republikanische Abgeordneten und Trump-Kritiker Charlie Dent so: Die Parteiführung sei schlicht verärgert, weil sie es so klar gesagt habe.

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Die 54-jährige Cheney, Tochter des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney, ist eine der konservativsten Politikerinnen in der Republikanischen Partei. Als Führungsfrau hat sie sich breites Vertrauen durch ihre engagierte, uneitle Arbeit erworben, und weil sie über die Jahre viele Abgeordnete in ihren Wahlkämpfen und bei Vorhaben unterstützt hat. Das hat sie gerettet bei der Abstimmung im Februar geholfen. Doch wenn die republikanischen Abgeordneten kommenden Mittwoch nicht geheim, sondern offen abstimmen, dann könnte es eng werden. Wer Trump und seinen Lügen widerspricht, ist sehr allein. Das erlebte am Wochenende auch Senator Mitt Romney. Er entging zuhause in Utah nur knapp einer Rüge wegen seiner Unterstützung von Trumps Impeachment, und wurde ausgiebig ausgebuht auf dem Parteitag.

Konjunktur in der Grand Old Party haben derzeit Republikanerinnen wie Elise Stefanik. Die Fraktionsführung unterstützt die 36jährige Trump-Loyalistin aus dem Bundesstaat New York, nun hat auch Donald Trump erklärt, Stefanik sei die weitaus bessere Wahl, er unterstütze sie voll und ganz. Nur eine Handvoll Fraktionsmitglieder hat bislang leise gemeckert. Aber ihr Problem ist nicht, dass Liz Cheney abgelöst werden soll. Sie sehen sich diskriminiert: Es treffe sie, dass sie nicht für den Posten in der Fraktionsführung in Frage kämen - nur, weil sie Männer seien.

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